Was bei Hitze in Ihrem Körper passiert – und was wirklich hilft

Deutschland schwitzt – und das so früh wie noch nie. Seit dem 18. Juni warnt der Deutsche Wetterdienst über fast zwei Wochen hinweg vor Hitze, an zehn Tagen sogar vor extremer Wärmebelastung. Zum Wochenende klettern die Temperaturen verbreitet über 35 Grad, nach Presseprognosen sind örtlich bis zu 42 Grad möglich. Eine Hitzewelle dieser Länge gab es zu Beginn des Sommers noch nie; der DWD sieht darin die Handschrift des Klimawandels. Höchste Zeit also, die wichtigste Alltagsfrage zu klären: Was tun bei Hitze – und vor allem, was besser lassen?

Das Wichtigste in Kürze

  • Trinken Sie 2 bis 3 Liter über den Tag verteilt, am besten stündlich ein Glas – auch wenn Sie keinen Durst spüren.
  • Halten Sie die Wohnung kühl: nachts und früh morgens lüften, tagsüber Fenster zu und außen verschatten. Ziel: tagsüber unter 26 Grad, nachts unter 20 Grad.
  • Meiden Sie die pralle Mittagssonne zwischen 11 und 15 Uhr und verlegen Sie Anstrengung in die Morgen- oder Abendstunden.
  • Gefährdet sind vor allem ältere Menschen, Babys, Schwangere und chronisch Kranke – kümmern Sie sich aktiv um Angehörige.
  • Alkohol entwässert und belastet den Kreislauf zusätzlich – bei großer Hitze ein schlechter Begleiter.
  • Warnzeichen ernst nehmen: Verwirrtheit, heiße trockene Haut oder ein Kreislaufkollaps deuten auf einen Hitzschlag hin. Das ist ein Notfall – 112 wählen.

Was tun bei Hitze? Die kurze Antwort

Im Kern geht es um drei Dinge: Ihren Körper mit Flüssigkeit und Salzen versorgen, die Wärme aus Wohnung und Tagesablauf heraushalten und die Belastung für den Kreislauf klein halten. Wer diese drei Hebel beherzigt, übersteht auch eine kräftige Hitzewelle meist gut. Spannend – und oft unterschätzt – ist die Frage, warum genau das hilft. Denn wer den Mechanismus versteht, trifft im Zweifel die richtige Entscheidung, auch wenn keine Checkliste zur Hand ist.

Was passiert im Körper bei Hitze?

Ihr Körper ist auf eine Innentemperatur von rund 37 Grad eingestellt, und er verteidigt diesen Wert mit erstaunlichem Aufwand. Wird es draußen heiß, fährt er seine körpereigene Klimaanlage hoch: Die Blutgefäße in der Haut weiten sich, mehr warmes Blut strömt nach außen und gibt Wärme an die Umgebung ab. Reicht das nicht, kommt das Schwitzen dazu. Der Schweiß verdunstet auf der Haut, und jede Verdunstung entzieht der Oberfläche Wärme – derselbe Effekt, der Sie nach dem Schwimmen frösteln lässt, obwohl die Luft warm ist.

Dieser Kühltrick hat allerdings einen Preis. Mit dem Schweiß verlieren Sie nicht nur Wasser, sondern auch wichtige Salze – vor allem Natrium, Kalium und Magnesium. Natrium steuert, wie viel Wasser Ihr Körper halten kann; fehlt es, geraten Sie schneller ins Schwächeln. Genau deshalb führt starkes Schwitzen ohne Nachschub zu Müdigkeit, Mattheit und langsameren Reaktionen, wie das Portal der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung beschreibt.

Hinzu kommt die Doppelbelastung fürs Herz. Um die Haut stark zu durchbluten und gleichzeitig Gehirn und Organe zu versorgen, muss das Herz schneller und kräftiger pumpen – bei weit gestellten Gefäßen, in denen der Blutdruck ohnehin absackt. Für einen gesunden, jungen Kreislauf ist das Mehrarbeit. Für ein vorgeschädigtes Herz kann es zu viel werden. Und hier liegt der eigentliche Grund, warum Hitze so gefährlich ist: Nicht die Zahl auf dem Thermometer tötet, sondern die Überforderung eines Kreislaufs, der ohnehin schon am Limit läuft. Das Robert Koch-Institut schätzt die hitzebedingten Sterbefälle für die Sommer 2023 und 2024 auf jeweils rund 3.000 – in den Extremjahren 2018 und 2019 waren es jeweils über 7.000. Die große Mehrheit der Betroffenen war 75 Jahre oder älter.

Wer ist besonders gefährdet?

Hitze trifft nicht alle gleich. Mehrere Gruppen sollten – oder deren Angehörige – jetzt besonders aufmerksam sein.

Ältere Menschen ab 65, erst recht ab 75 Jahren, spüren Hitze und Durst weniger deutlich und schwitzen weniger effektiv. Sie trinken oft zu wenig, einfach weil das Warnsignal Durst nachlässt. Wer ältere Verwandte hat, sollte in diesen Tagen aktiv nachfragen und im Zweifel ein Glas hinstellen.

Babys und Kleinkinder heizen schneller auf als Erwachsene und können sich nicht selbst helfen. Lassen Sie sie niemals auch nur für Minuten im geparkten Auto – dort werden lebensgefährliche Temperaturen in Windeseile erreicht.

Schwangere tragen einen bereits stärker belasteten Kreislauf und dehydrieren leichter. Chronisch Kranke mit Herz-Kreislauf-, Atemwegs- oder Stoffwechselerkrankungen sowie Menschen mit starkem Übergewicht gehören ebenfalls in die Risikogruppe.

Ein Sonderfall sind Medikamente. Manche Mittel – etwa entwässernde Tabletten, Blutdrucksenker oder bestimmte Psychopharmaka – greifen in Wasserhaushalt und Temperaturregulation ein. Klären Sie zu Sommerbeginn mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, ob Ihre Medikation bei Hitze angepasst werden sollte. Und denken Sie an die Lagerung: Viele Arzneimittel vertragen keine Temperaturen über 25 Grad, Insulin gehört in den Kühlschrank – und nichts davon ins heiße Auto.

Hitze und Haustiere: oft unterschätzt

Auch Ihren Tieren macht die Hitze zu schaffen, und Hunde trifft es besonders. Sie schwitzen kaum und regulieren ihre Temperatur fast nur übers Hecheln – bei Schwüle stößt das schnell an Grenzen. Lassen Sie Ihren Hund niemals im geparkten Auto, auch nicht „nur kurz“ und nicht im Schatten; dort wird es binnen Minuten tödlich heiß. Verlegen Sie die Gassirunden in den frühen Morgen oder späten Abend und prüfen Sie vorher den Asphalt mit dem Handrücken: Ist er Ihnen zu heiß, verbrennt er auch die Pfoten. Sorgen Sie drinnen wie draußen für Schatten und stets frisches Wasser. Kurznasige Rassen wie Mops oder Bulldogge und ältere Tiere überhitzen besonders leicht. Warnzeichen für einen Hitzschlag beim Hund sind heftiges Hecheln, starker Speichelfluss, Taumeln, Erbrechen und eine knallrote Zunge – kühlen Sie das Tier dann langsam mit lauwarmem Wasser und fahren Sie sofort in die Tierarztpraxis.

So bleibt die Wohnung auch bei 40 Grad kühl

Den größten Hebel haben Sie zu Hause, und er kostet nichts. Reißen Sie nachts und früh morgens die Fenster auf, am besten gegenüberliegende für Durchzug – die kühle Nachtluft verdrängt dann die Wärme, die sich tagsüber im Mauerwerk gestaut hat. Sobald es draußen wärmer wird als drinnen, gilt das Gegenteil: Fenster schließen und die Sonne mit Rollläden, Jalousien oder Markisen von außen abhalten. Innen liegende Vorhänge bringen wenig, weil die Wärme da längst durch die Scheibe ist. Als Richtwert nennt die BZgA tagsüber unter 26 Grad und nachts unter 20 Grad Raumtemperatur. Sie nennt aber auch eine klare Handlungsschwelle: Spätestens ab 32 Grad am Tag oder 24 Grad in der Nacht sollten Sie aktiv gegenkühlen oder einen kühlen Ort aufsuchen – für Risikogruppen ist das dann keine Frage des Komforts mehr, sondern der Sicherheit.

Ein Ventilator hilft – aber nur bis zu einem Punkt. Solange die Luft kühler ist als Ihre Haut, beschleunigt der Luftzug die Verdunstung und Sie fühlen sich frischer. Steigt die Lufttemperatur über etwa 35 Grad, wälzt das Gerät jedoch nur noch heiße Luft um und treibt das Austrocknen voran, statt zu kühlen. Eine Klimaanlage sollten Sie nicht auf Eiseskälte stellen, sondern auf maximal sechs bis acht Grad unter der Außentemperatur – das schont Kreislauf und Stromrechnung.

Mietwohnung oder eigenes Haus: Was je nach Wohnsituation geht

Wie viel Sie gegen die Hitze ausrichten können, hängt stark davon ab, ob Sie zur Miete wohnen oder im eigenen Haus. Als Mieterin oder Mieter sind Ihnen bei baulichen Veränderungen Grenzen gesetzt – ausgerechnet die wirksamste Maßnahme, die außenliegende Verschattung, dürfen Sie nicht einfach selbst anbringen. Außenrollläden, Raffstores oder eine Markise verändern die Fassade und brauchen in der Regel die Zustimmung des Vermieters; fragen Sie aktiv danach, gerade wenn sich Ihre Wohnung Jahr für Jahr aufheizt. Bis dahin holen Sie aus den eingriffsfreien Mitteln das Maximum heraus: helle, dichte Innenrollos oder Thermovorhänge, reflektierende Folien an den am stärksten besonnten Fenstern, konsequentes Nachtlüften und ein Ventilator. Ein mobiles Klimagerät mit Abluftschlauch kann an Extremtagen Linderung bringen, ist aber laut, stromhungrig und kühlt immer nur einen Raum. Heizt sich Ihre Wohnung trotz allem dauerhaft unzumutbar auf, kann ein baulicher Mangel dahinterstecken – welche Rechte Sie dann haben, lesen Sie gleich im Anschluss.

Wer im eigenen Haus oder einer Eigentumswohnung lebt, hat die wirksamen Hebel selbst in der Hand – und kann vorsorgen. Außenliegender Sonnenschutz an den Süd- und Westfenstern ist mit Abstand die effektivste Einzelmaßnahme, weil er die Sonne abfängt, bevor sie überhaupt die Scheibe erreicht. Ein gut gedämmtes Dach und eine gedämmte oberste Geschossdecke halten besonders Dachgeschosse kühler, denn dort staut sich die Hitze am stärksten. Helle Dach- und Fassadenfarben werfen mehr Sonnenlicht zurück, Bäume vor der Wetterseite spenden Schatten, und eine Fassaden- oder Dachbegrünung wirkt wie eine natürliche Dämmschicht. Wer ohnehin saniert, sollte den sommerlichen Wärmeschutz – Dämmung, helle Dachfarben, außenliegender Sonnenschutz – gleich mitdenken.

Ihre Rechte als Mieter: Muss der Vermieter für erträgliche Temperaturen sorgen?

So praktisch die Tipps für die Wohnung sind – viele fragen sich zu Recht, ob nicht der Vermieter in der Pflicht steht. Die Antwort fällt nüchterner aus, als man hofft: Eine gesetzliche Höchsttemperatur für Wohnräume gibt es nicht, und auch der Bundesgerichtshof hat dazu kein Grundsatzurteil gefällt. Reine Wetterhitze ist deshalb in aller Regel kein Mietmangel – anders als im Winter, wo Ihr Vermieter eine Mindesttemperatur von meist 20 bis 22 Grad sicherstellen muss.

Die Gerichte orientieren sich an Faustwerten. Bis etwa 26 Grad Raumtemperatur gilt Sommerhitze als zumutbar, eine Mietminderung scheidet dann aus. Anders kann es liegen, wenn sich die Wohnung dauerhaft stark aufheizt – als Anhaltspunkt nennt die Rechtsprechung tagsüber anhaltend über 30 Grad und nachts nicht unter 25 – und das auf einen Baumangel zurückgeht, etwa einen unzureichenden sommerlichen Wärmeschutz. Entscheidend ist also nicht das Wetter, sondern ein baulicher Fehler. Wie unterschiedlich das ausgeht, zeigen zwei Urteile zu Dachgeschosswohnungen. Das Amtsgericht Leipzig wies eine Mietminderung ab: Wer eine Dachwohnung miete, müsse mit sommerlicher Hitze rechnen (Urteil vom 06.09.2004, Az. 164 C 6049/04). Das Amtsgericht Hamburg sprach dem Mieter dagegen 20 Prozent Minderung zu – allerdings nur, weil der sommerliche Wärmeschutz des Gebäudes nicht dem zur Bauzeit vorgeschriebenen Stand der Technik entsprach, also ein echter Baumangel vorlag (Az. 46 C 108/04). Genau dieser Unterschied entscheidet: nicht die Hitze an sich, sondern der bauliche Fehler dahinter. In einem extremen Berliner Fall, in dem sich eine Dachwohnung auf bis zu 46 Grad aufheizte, hielten die Gerichte sogar eine Minderung und eine fristlose Kündigung für möglich (Verfassungsgerichtshof Berlin, Az. 40/06). Eine Klimaanlage einbauen muss Ihr Vermieter aber nicht.

Wird Ihre Wohnung unerträglich heiß, gehen Sie den ruhigen, dokumentierten Weg: Notieren Sie über mehrere Tage die Temperaturen mit Uhrzeit, zeigen Sie den Mangel schriftlich an und holen Sie vor einer Mietminderung Rechtsrat ein, etwa beim Mieterverein – statt die Miete eigenmächtig zu kürzen. (Diese Hinweise dienen der Orientierung und ersetzen keine Rechtsberatung im Einzelfall.)

Nachts besser schlafen bei Hitze

Wenn sich die Wohnung nicht unter 20 Grad bringen lässt, wird die Nacht zur Geduldsprobe – doch ein paar einfache Kniffe helfen. Duschen Sie vor dem Zubettgehen lauwarm statt kalt und trocknen Sie sich nur grob ab; das verdunstende Wasser kühlt Sie beim Einschlafen. Greifen Sie zu leichter Baumwollbettwäsche statt Synthetik, lassen Sie die Füße aus der Decke – über sie gibt der Körper viel Wärme ab – und legen Sie bei Bedarf ein feuchtes Tuch in Reichweite. Ein bewährter Trick: eine Wärmflasche mit kaltem Wasser füllen und mit ins Bett nehmen. Und wer sonst zu zweit schläft, gönnt sich in diesen Nächten besser getrennte Decken, denn zwei Körper heizen das Bett spürbar auf.

Trinken und essen bei Hitze: was hilft, was schadet

Trinken ist bei Hitze das A und O, aber auf das Wie kommt es an. Verteilen Sie zwei bis drei Liter über den ganzen Tag und greifen Sie regelmäßig zum Glas, bevor der Durst kommt – bei älteren Menschen ist Durst ein unzuverlässiger Wecker. Am besten eignen sich Wasser, ungesüßte lauwarme Tees und Saftschorlen im Verhältnis etwa eins zu drei. Wer stark schwitzt, ersetzt die verlorenen Salze über eine leichte Brühe oder ein Elektrolytgetränk. Ein wichtiger Vorbehalt: Wer wegen einer Herz- oder Nierenerkrankung auf seine Trinkmenge achten muss, bespricht die richtige Menge mit der Ärztin oder dem Arzt – pauschal „viel trinken“ ist hier nicht automatisch richtig.

Beim Essen schlagen viele kleine Portionen drei schwere Mahlzeiten. Wasserreiche Lebensmittel liefern Flüssigkeit gleich mit: Gurke, Tomate, Melone, Beeren. Eine Banane oder Pellkartoffeln bringen Kalium zurück, Nüsse und Vollkornprodukte Magnesium. Fettiges und Üppiges belastet die Verdauung zusätzlich und sollte warten, bis es kühler ist.

Schnelles Rezept – Gurken-Minz-Wasser für den Tag: Eine halbe Salatgurke in dünne Scheiben hobeln, eine Handvoll frische Minze und den Saft einer halben Zitrone dazugeben, mit 1,5 Litern kaltem Wasser aufgießen und 30 Minuten ziehen lassen. Das schmeckt nach mehr als nach Leitungswasser – und genau das ist der Trick: Wer gern trinkt, trinkt mehr, und mehr Flüssigkeit ist bei Hitze der wichtigste Schutz überhaupt.

Was Sie bei Hitze besser lassen

Mindestens so wichtig wie die guten Tipps sind die Dinge, die Sie meiden sollten – denn sie machen aus einem belasteten Kreislauf schnell einen überforderten.

Ganz oben steht Alkohol. Er weitet die Gefäße zusätzlich, in denen der Blutdruck bei Hitze ohnehin schon absackt, und er wirkt harntreibend – Sie verlieren also noch mehr Wasser, während Sie eigentlich nachfüllen müssten. Beides addiert sich zur hitzebedingten Belastung. Wie ernst das gemeint ist, zeigt ein Blick nach Frankreich: Während der aktuellen Hitzewelle hat Paris den Verkauf und den Konsum von Alkohol im öffentlichen Raum zeitweise untersagt – nicht aus Prinzip, sondern weil die Kliniken überlastet waren und Ärzte vor dem erhöhten Hitzschlag-Risiko warnten. Niemand muss aufs kühle Feierabendbier verzichten. Aber Sie sollten wissen, dass ausgerechnet das Getränk, das nach Erfrischung schmeckt, Ihren Körper bei 38 Grad zusätzlich austrocknet.

Zwei weitere Dinge gehören auf die Lass-es-lieber-Liste. Körperliche Anstrengung in der Mittagssonne – die Joggingrunde um 13 Uhr, die Gartenarbeit im Hochsommer-Hitzefenster – treibt die Wärmeproduktion genau dann hoch, wenn der Körper schon mit dem Abkühlen kämpft. Verlegen Sie sie in den frühen Morgen oder den späten Abend. Und der vermeintliche Klassiker, das eiskalte Getränk oder die eiskalte Dusche, ist gut gemeint, aber kontraproduktiv: Der Kältereiz kann den Kreislauf zusätzlich irritieren. Lauwarm kühlt nachhaltiger.

Sonnenstich, Hitzeerschöpfung oder Hitzschlag? Die Warnzeichen unterscheiden

⚠️ Notfall – bitte zuerst lesen. Bei Verwirrtheit, Bewusstseinstrübung, heißer und trockener Haut, hohem Fieber, wiederholtem Erbrechen oder einem Kreislaufkollaps besteht der Verdacht auf einen Hitzschlag. Das ist lebensbedrohlich. Wählen Sie sofort den Notruf 112. Bringen Sie die Person bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes in den Schatten, lagern Sie den Oberkörper hoch und kühlen Sie sie zügig und großflächig mit feuchten, kühlen Tüchern – vor allem an Nacken, Achseln und Leisten, wo große Gefäße dicht unter der Haut liegen. Ist die Person bewusstlos, atmet aber normal, bringen Sie sie in die stabile Seitenlage und behalten Sie die Atmung im Blick.

Zwischen harmlos und gefährlich verläuft eine wichtige Grenze. Die Hitzeerschöpfung entsteht durch Flüssigkeits- und Salzmangel: Die betroffene Person schwitzt stark, ihr ist schwindelig und übel, die Haut ist blass, kühl und feucht – die Körpertemperatur bleibt dabei meist normal. Hier helfen Schatten, Ruhe und langsames Trinken; bessern sich die Beschwerden nach einer Stunde nicht, gehört das ärztlich abgeklärt.

Der Hitzschlag ist das Gegenstück und ein echter Notfall. Hier versagt die Kühlung, die Körpertemperatur schießt über 40 Grad, die Haut wird heiß, oft trocken und rot, und es kommt zu Verwirrtheit oder Bewusstlosigkeit. Faustregel: Blass, feucht und ansprechbar deutet auf Erschöpfung – heiß, rot und verwirrt auf den Hitzschlag. Im Zweifel gilt immer der vorsichtigere Weg: lieber einmal zu oft die 112 wählen.

Vom Hitzschlag zu unterscheiden ist der Sonnenstich, den viele fälschlich für dasselbe halten. Er entsteht nicht durch Überhitzung des ganzen Körpers, sondern durch direkte, längere Sonne auf den ungeschützten Kopf und Nacken, die die Hirnhäute reizt. Typisch sind ein hochroter, heißer Kopf bei sonst normal temperiertem Körper, pochende Kopfschmerzen, ein steifer Nacken, Übelkeit und Schwindel – bei Kindern zeigen sich die Beschwerden oft erst Stunden später. Bringen Sie die betroffene Person in den Schatten, lagern Sie Kopf und Oberkörper leicht erhöht und kühlen Sie Kopf und Nacken mit feuchten Tüchern. Bei Bewusstseinstrübung, Erbrechen oder Krämpfen gilt auch hier: 112. Besonders gefährdet sind Kinder, Menschen mit wenig oder keinem Haar und alle, die lange in der Sonne arbeiten.

Häufige Irrtümer über Hitze

Rund um die Hitze halten sich hartnäckige Halbwahrheiten. Drei davon sind es wert, geradegerückt zu werden.

„Eiskalte Getränke kühlen am besten.“ Das Gegenteil stimmt eher. Eiskaltes belastet den Kreislauf und ist weniger angenehm, als viele denken; lauwarme Getränke vertragen sich besser mit dem ohnehin geforderten Kreislauf.

„Ein Ventilator hilft immer.“ Nur bedingt. Bis etwa 35 Grad ja, darüber verteilt er heiße Luft und fördert das Austrocknen.

„Salztabletten muss man bei Hitze schlucken.“ Für die allermeisten überflüssig. Wer normal isst und etwas Brühe oder gesalzene Speisen zu sich nimmt, deckt den Salzbedarf locker; Salztabletten auf eigene Faust können sogar schaden. Und wer übrigens auf Schüßler-Salze oder ähnliche Mittelchen gegen Sonnenstich hofft, sollte wissen: Dafür gibt es keinen Wirknachweis. Gegen Überhitzung helfen Schatten, Flüssigkeit und Kühlung, nicht Globuli.

Hitze am Arbeitsplatz: Was gilt rechtlich?

Eine Frage, die in den meisten Hitze-Ratgebern fehlt: Muss mein Arbeitgeber eigentlich etwas tun, wenn das Büro zur Sauna wird? Die Arbeitsstättenregel ASR A3.5 der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin gibt darauf eine erstaunlich konkrete Antwort – gestaffelt nach der Raumtemperatur.

RaumtemperaturWas gilt
bis 26 °CSollwert – darunter besteht kein besonderer Handlungsdruck
über 26 °CDer Arbeitgeber soll Maßnahmen ergreifen (z. B. Sonnenschutz, Lüftung, Getränke)
über 30 °CMaßnahmen werden verpflichtend – wirksame Schritte sind nötig
über 35 °CDer Raum gilt ohne weitere Schutzmaßnahmen nicht mehr als Arbeitsraum

Wichtig zur Einordnung: Ein automatisches Recht auf „Hitzefrei“ gibt es daraus nicht. Die Regel verpflichtet den Arbeitgeber zu Schutzmaßnahmen, nicht dazu, alle nach Hause zu schicken. Erst wenn bei über 35 Grad keine wirksamen Maßnahmen mehr greifen, kann eine Unterbrechung der Arbeit in Betracht kommen.

Ganz ehrlich: Anders als beim Mietrecht gibt es zur Hitze am Arbeitsplatz fast keine veröffentlichten Urteile – die Lage richtet sich vor allem nach der ASR-Regel und der Fürsorgepflicht des Arbeitgebers. Zwei Dinge sind aber klar. Einfach nach Hause gehen dürfen Sie nicht, nur weil es heiß ist: Das wäre vertragswidrig und kann eine Abmahnung nach sich ziehen; die Arbeit zurückhalten dürfen Sie erst, wenn der Arbeitgeber seine Schutzpflichten nachweislich verletzt. Umgekehrt sind auch dem Arbeitgeber Grenzen gesetzt – das Arbeitsgericht Mannheim erklärte die Kündigung eines Mitarbeiters für unwirksam, der bei 34 Grad im Büro in kurzer Hose erschienen war: In solcher Hitze müsse der Arbeitgeber mildere Mittel wählen und sein Weisungsrecht mit Augenmaß ausüben (Az. 7 Ca 222/88). Dieses Urteil stammt allerdings schon aus dem Jahr 1989 – ein deutliches Zeichen, wie dünn die Rechtsprechung hier ist; ein neueres, vergleichbar einschlägiges Urteil ließ sich nicht finden. Verlassen Sie sich im Ernstfall deshalb nicht allein auf alte Einzelfälle, sondern lassen Sie Ihre konkrete Situation arbeitsrechtlich prüfen.

(Dieser Abschnitt gibt den allgemeinen Stand wieder und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall.)

Wo Sie kühle Orte und Trinkbrunnen finden

Hitzeschutz ist längst nicht mehr nur Privatsache: Bund, Länder und Kommunen arbeiten mit Hochdruck an Hitzeaktionsplänen – das Thema stand erst dieser Tage wieder im Bundestag. Für Sie im Alltag zählt vor allem eines: die kühlen Orte zu kennen. In immer mehr Städten weisen digitale Stadtpläne und Apps öffentliche Trinkbrunnen, Nachfüllstationen, schattige Plätze und kühle Räume wie Bibliotheken oder Kirchen aus. Nutzen Sie solche Orte an Extremtagen für eine Pause, füllen Sie unterwegs Ihre Wasserflasche auf und behalten Sie die Hitzewarnungen des Deutschen Wetterdienstes im Blick – am einfachsten über eine Warn-App. Und wenn Sie ältere oder alleinlebende Nachbarn haben, weisen Sie sie aktiv auf diese Angebote hin.

Häufige Fragen (FAQ)

Wie viel sollte man bei Hitze trinken?

Etwa zwei bis drei Liter über den Tag verteilt, am besten stündlich ein Glas – auch ohne Durst. Bei Herz- oder Nierenerkrankungen klären Sie die richtige Menge ärztlich ab.

Ab wann ist Hitze ein medizinischer Notfall?

Wenn jemand verwirrt oder bewusstseinsgetrübt ist, heiße trockene Haut hat, hoch fiebert oder kollabiert. Das deutet auf einen Hitzschlag hin – sofort 112 wählen.

Hilft ein Ventilator gegen die Hitze?

Bis etwa 35 Grad ja, weil er die Verdunstung auf der Haut beschleunigt. Darüber wälzt er nur heiße Luft um und fördert das Austrocknen.

Warum ist Alkohol bei Hitze problematisch?

Er weitet die Gefäße und wirkt harntreibend. Beides verstärkt die hitzebedingte Kreislaufbelastung und den Flüssigkeitsverlust – ein Grund, warum Paris während der aktuellen Hitzewelle den Alkoholkonsum im öffentlichen Raum zeitweise untersagt hat.

Was ist der Unterschied zwischen Sonnenstich und Hitzschlag?

Ein Sonnenstich entsteht durch direkte Sonne auf Kopf und Nacken – der Kopf ist hochrot und heiß, der übrige Körper meist normal temperiert. Ein Hitzschlag ist die Überhitzung des ganzen Körpers über 40 Grad und lebensbedrohlich. Bei Verwirrtheit oder Bewusstseinstrübung in beiden Fällen die 112.

Kann ich die Miete mindern, wenn meine Wohnung zu heiß ist?

Nur selten. Reine Wetterhitze ist kein Mangel, bis etwa 26 Grad gilt sie als zumutbar. Eine Minderung kommt meist nur bei einem Baumangel mit dauerhaft sehr hohen Temperaturen infrage und ist im Dachgeschoss oft ausgeschlossen – im Zweifel den Mangel dokumentieren und Rechtsrat einholen.

Sind nur ältere Menschen gefährdet?

Nein. Besonders gefährdet sind zwar Hochbetagte, aber auch Babys, Schwangere, chronisch Kranke und Menschen unter bestimmten Medikamenten gehören zur Risikogruppe.

Wie schlafe ich bei Hitze besser?

Kühlen Sie das Schlafzimmer tagsüber konsequent ab, duschen Sie abends lauwarm, nutzen Sie leichte Baumwollbettwäsche und lassen Sie die Füße frei. Eine Wärmflasche mit kaltem Wasser im Bett hilft zusätzlich.

Was muss ich bei Hitze für Hund und Katze beachten?

Nie im Auto lassen, Gassirunden in die kühlen Tagesrandzeiten legen, heißen Asphalt meiden und immer frisches Wasser bereitstellen. Bei starkem Hecheln, Taumeln oder Erbrechen droht ein Hitzschlag – dann langsam kühlen und sofort in die Tierarztpraxis.

Ihr nächster Schritt

Richten Sie sich noch heute eine Warn-App des Deutschen Wetterdienstes ein und stellen Sie für die heißen Tage eine gefüllte Wasserflasche griffbereit hin. Rufen Sie dann eine ältere oder alleinlebende Person aus Ihrem Umfeld an und fragen Sie nach, ob sie genug trinkt und ihre Wohnung kühl bekommt – gerade Hochbetagte spüren Durst und Hitze selbst am wenigsten. Genau dieser eine Anruf rettet in Deutschland jeden Sommer Leben.

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei gesundheitlichen Beschwerden wenden Sie sich an Ärztin oder Arzt; im Notfall wählen Sie 112.

Quellen

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Dieser Beitrag wurde KI-gestützt erstellt und fachjournalistisch geprüft.