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Zeckenbisse: Symptome, Behandlung, Vorbeugung und mögliche Folgen

Lesezeit: 6 Minuten Zeckenbisse können unterschiedliche Krankheiten auslösen. Welche dies sind, ist regional unterschiedlich. Neben einer besonderen Form der Hirnhaut-Entzündung (FSME) kann ein Zeckenbiss auch Borreliose auslösen. In diesem Beitrag finden Sie Information über die Symptome, die Behandlung und mögliche Folgen von Zeckenbissen.

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Zeckenbisse: Symptome, Behandlung, Vorbeugung und mögliche Folgen

Zeckenbisse: Symptome, Behandlung, Vorbeugung und mögliche Folgen

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Zeckenbisse treten am Häufigsten vom Frühjahr bis zum Spätherbst bei Personen auf, die sich beruflich oder in der Freizeit in der Natur aufhalten. Bei milden Wintern sind Zeckenbisse auch schon früher möglich.

Zeckenbisse selbst sind nicht gefährlich. Allerdings können während des Saugaktes mit dem Speichel der Zecken Krankheitserreger übertragen werden. Die beiden wichtigsten durch Zeckenbisse übertragenen Erkrankungen sind die Borreliose und eine spezielle Form der Hirnhautentzündung, die Früh-Sommer-Meningo-Enzephalitis – kurz FSME.

Zecken und Zeckenbisse

Biologisch betrachtet gehören Zecken zu den Milben (Acari) und diese wiederum zur Klasse der Spinnentiere (Arachnida). Zecken besitzen dementsprechend im ausgewachsenen Stadium acht Beine.

Man unterscheidet zwei Familien der Zecken: die Schildzecken (auch als Haftzecken oder Holzböcke bezeichnet) und die Lederzecken (auch Laufzecken oder Wanzenzecken genannt). Allen Zecken gemeinsam ist die durch Zeckenbisse erkennbare blutsaugende, parasitische Lebensweise.

Schildzecken haben einen schildförmigen Chitinrückenpanzer. Den Lederzecken fehlt diese Panzerung. Für mögliche Zeckenbisse lauern Schildzecken an Grashalmen oder niedrigen Gebüschen und klammern sich an Säugetieren oder Menschen fest. Demgegenüber bewegen sich Lederzecken aktiv auf ihr Opfer zu um ihre Zeckenbisse zu platzieren.

Beim Prozess des Blutsaugens sind sich beide Zeckenfamilien wieder einig. Für ihre Zeckenbisse suchen sie vor allem die dünnhäutigen Körperstellen (z. B. Ellenbeugen, Achselhöhlen, Leistengegend) auf und bohren dort ihren Saugrüssel in die Haut. Während die Schildzecken dann mehrere Tage lang Blut saugen, sind die Lederzecken hauptsächlich nachts aktiv.

Damit die Zeckenbisse nicht bemerkt werden, sondern die Zecken eine schmerzstillende Substanz aus. Erst einige Tage später tritt dann durch den Zeckenbiss ein verdächtiger Juckreiz auf, wenn sich die Zecke mit ihrem mit Widerhaken versehenen Saugrüssel fest in der Haut verankert hat und sich diese entzündet.

Krankheiten durch Zeckenbisse

Bei Zeckenbissen nehmen die Zecken Krankheitserreger auf, die sich im Blut des Opfers befinden. Diese Krankheitserreger bleiben in der Zecke lebensfähig. Sie werden im Falle der FSME-Viren sogar an die Nachkommen der befallenen Zecke weitervererbt.

Zeckenbisse in Deutschland und anderen Regionen

In Deutschland werden durch Zeckenbisse hauptsächlich die Lyme-Borreliose und die FSME übertragen. Je nach Region sind bis zu 30 Prozent der Zecken von dem Erreger der Lyme-Borreliose befallen.

In den besonders in Süddeutschland gefährdeten FSME-Gebieten sind demgegenüber nur knapp 0,1 Prozent der Zecken mit dem Erreger infiziert. In den warmen Regionen Afrikas, Amerikas sowie Zentral- und Vorderasiens verbreiten Lederzecken durch ihre Zeckenbisse das Zeckenrückfallfieber (Rekurrensfieber, Febris recurrens), welches durch Bakterien der Gattung Borrelia verursacht wird.

Zu den weiteren durch Zeckenbisse übertragenen Krankheiten gehören zum Beispiel

  • das Felsengebirgsfleckfieber,
  • das Queensland-Zeckenbissfieber in Australien,
  • das nordasiatische Zeckenbissfieber,
  • das Boutonneuse-Fieber und
  • das weltweit verbreitete Q-Fieber (Balkangrippe, Krim-Fieber).

Die Lyme-Borreliose als Folge von Zeckenbissen

Als Folge von Zeckenbissen wurde die Lyme-Borreliose im Jahr 1982 entdeckt. Erst im Jahre 1975 begannen das State Health Department und die Yale Universität in New Haven einige ungewöhnliche Fälle von rheumatischer Arthritis bei Jugendlichen zu untersuchen, die in Lyme – einer Kleinstadt im Bundesstaat Connecticut – aufgetreten waren.

Als Ergebnis dieser Studien wurde 1976 eine bisher unbekannte Form der Arthritis beschrieben, die Lyme-Arthritis. Bei diesen Hauterkrankungen handelte es sich um das chronicum migrans (abgekürzt ECM, bei uns auch als Wanderröte bezeichnet), eine kreisförmige entzündliche Rötung der Haut, welche sich auf der Haut ausbreitet und später in der Mitte verblasst. Auffällig war bei den Lyme-Arthritis-Patienten, dass der Beginn der Krankheit vorwiegend im Sommer lag, zwischen Juni und September.

Häufig erkrankten Bewohner waldreicher Gegenden signifikant häufig an dieser Erkrankung, sodass der Verdacht bestand, dass Insekten und insbesondere Zeckenbisse bei der Entstehung der Krankheit eine Rolle spielen könnten.

Schließlich entdeckte im Jahre 1982 Willy Burgdorfer in Zecken den Erreger der Lyme-Krankheit. Es handelte sich um ein ungewöhnlich langes spiralförmiges Bakterium der Gattung Borrelia, das nach seinem Entdecker Borrelia burgdorferi benannt wurde.

Diese Bakterien wurden in der folgenden Zeit in verschiedenen amerikanischen und europäischen Zeckenarten nachgewiesen. Die Krankheit, die durch Zeckenbisse übertragen wird, erhielt danach zunächst – wegen ihrer drei Hauptsymptome – unterschiedliche Namen. Der Verwendung unterschiedlicher Bezeichnungen wurde 1985 dann aber Einhalt geboten, und man einigte sich auf die Benennung Lyme-Borreliose.

Die Lyme-Borreliose als Folge von Zeckenbissen

Die Lyme-Borreliose verläuft in drei Stadien. Wenige Tage nach den Zeckenbissen zeigen sich die ersten Symptome, insbesondere Müdigkeit, Krankheitsgefühl, Kopfschmerzen, Fieber, Nackensteifigkeit, Gelenkschmerzen und Muskelschmerzen. Das ECM entwickelt sich am Ort der Zeckenbisse, breitet sich zentrifugal aus und verblasst später in der Mitte.

Das ECM als Folge der Zeckenbisse macht sich außer durch die rote Farbe auch durch Brennen und Jucken bemerkbar. Meistens ist es wenige Zentimeter groß und heilt (unbehandelt) spontan nach vier bis zehn Wochen ab.

Stadium zwei der Lyme-Borreliose

Wenige Wochen oder Monate nach den Zeckenbissen zeigen sich bei unbehandelten Patienten an den Nerven, am Herzen und an den Augen Symptome. Die neurologischen Symptome nach den Zeckenbissen umfassen Meningitis (Hirnhautentzündung), kraniale Neuritis und Nervenentzündungen.

Die Zeckenbisse machen sich durch Kribbeln, Brennen oder durch quälende Schmerzen bemerkbar, die meist von den Stellen der Zeckenbisse ausgehen, sich aber auch auf andere Körperregionen verlagern können.

Lähmung der Gesichtsmuskulatur durch Zeckenbisse

Bei vielen Patienten von Zeckenbissen tritt eine sehr auffällige einseitige oder doppelseitige Lähmung der Gesichtsmuskulatur auf. Am Herzen führt die Lyme-Krankheit zu einer Herzmuskelentzündung. Am Auge manifestiert sich die durch Zeckenbisse hervorgerufene Krankheit häufig als Bindehautentzündung und manchmal auch als Glaskörperentzündung.

Das dritte Stadium der Lyme-Borreliose

Erst mehrere Jahre nach den Zeckenbissen beginnt das dritte Stadium der Lyme-Krankheit mit den Symptomen Lyme-Arthritis, Acrodermatitis chronica atrophans (ACA) und chronische Enzephalitis.

FSME durch Zeckenbisse

Als Folge von Zeckenbissen wird die FSME durch 20 bis 40 nm große FSME-Viren ausgelöst. Diese durch Zeckenbisse übertragenen Viren befallen beim Menschen hauptsächlich den Hirnstamm.

In Deutschland ist die FSME vor allem in Baden-Württemberg und Bayern verbreitet. Vereinzelte Fälle als Folge von Zeckenbissen sind aus Hessen und Rheinland-Pfalz bekannt.

Nicht jede Infektion durch Zeckenbisse führt zum Vollbild der Erkrankung. In der Regel verlaufen die Zeckenbisse unspektakulär und bleiben oft unerkannt als grippale Allgemeinerkrankungen. Nur selten kommt es durch Zeckenbisse zu Erkrankungen des Zentralnervensystems mit teilweise heftigen Symptomen.

Das statistische Risiko, in einem Risikogebiet durch Zeckenbisse an FSME zu erkranken, ist relativ gering. Dann allerdings kommt es in seltenen Fällen aber sogar zum Tode des Patienten und manchmal auch zu bleibenden Schäden.

Die FSME ähnelt in ihrem Verlauf der Kinderlähmung, mit der sie daher gelegentlich auch verwechselt wird. Als Folge von Zeckenbissen verläuft sie in zwei Stadien. Zunächst kommt es nach den Zeckenbissen nach einer Inkubationszeit von ein bis zwei Wochen zu drei bis fünf Tagen anhaltendem Fieber, das von Kopf- und Gliederschmerzen begleitet wird.

Anschließend folgt ein ein- bis zweiwöchiges beschwerdefreies Intervall, das von dem zweiten Stadium der Krankheit abgelöst wird, welches in den folgenden fünf verschiedenen Formen abläuft:

  1. als harmloser fieberhafter Infekt
  2. als Meningitis (Hirnhautentzündung)
  3. als Meningoenzephalitis (Hirnhautentzündung, die auf das Gehirn übergreift)
  4. als Meningomyelitis (Entzündung des Rückenmarks und seiner Häute) und
  5. als Meningomyeloenzephalitis (Entzündung der Hirnhaut, des Gehirns und des Rückenmarks)

Die reine Meningitis beschränkt sich als Symptom von Zeckenbissen in der Regel auf Kopfschmerzen, Fieber und Übelkeit. Häufig klingt sie in wenigen Tagen vollständig ab.

Demgegenüber führen andere Formen der FSME zu ernsteren Symptomen wie psychischen Auffälligkeiten, Bewusstseinstrübungen, Krämpfen, Koma und zu bleibenden Lähmungen. Diese Krankheitserscheinungen durch Zeckenbisse dauern normalerweise etwa zwei Wochen, manchmal auch erheblich länger. Ein bis zwei Prozent der Fälle enden sogar tödlich.

Vorbeugung vor Zeckenbissen

Von Zeckenbissen können alle befallen werden, die sich in der freien Natur aufhalten. Der eigene Garten gehört übrigens auch dazu.

Der einfachste Schutz vor Zeckenbissen ist eine entsprechende Kleidung. Lange Hosen und Ärmel und ein breitkrempiger Hut bieten schon einmal einen gewissen Schutz. Kleidung aus hellen Stoffen erhöht die Chance, die schwarzen Zecken auf ihr zu entdecken. Bei Spaziergängen möglichst auf den Wegen bleiben und nicht durch das Unterholz gehen. Beim Picknick hilft eine helle Decke, die Zecken rechtzeitig zu erkennen.

Da die Zecken zuerst eine Weile auf der Haut herumkrabbeln, bevor sie sich für eine Stelle für den Zeckenbiss entscheiden, sollte man sich nach einem Aufenthalt in der freien Natur gleich nach Zecken absuchen. Häufig findet man sie, bevor sie sich festgebissen haben.

Zecken entfernen

Eine Zecke, die bereits zugebissen hat, sollte sofort entfernt werden. Hierzu fasst man das Tier mit einer gut schließenden Pinzette möglichst nah an der Haut und entfernt es unter deutlichem Zug und leichten Drehbewegungen. Anschließend sollte man die Stelle des Zeckenbisses mit einer PVP-Jod-Lösung.

Die Stelle mit dem Zeckenbiss am besten in den folgenden Tagen und Woche beobachten und insbesondere auf Entzündungszeichen oder Rötungen achten. Tritt eine Rötung auf, sollte man den Zeckenbiss von einem Arzt untersuchen lassen, um auszuschließen, dass eine Infektion mit Borrelien erfolgt ist.

Sie sollten auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen,

  • wenn an der Stelle des Zeckenbisses noch Teile der Zecke stecken geblieben sind,
  • wenn es an der Stichstelle zu Hautveränderungen kommt,
  • wenn es in kurzem Abstand zum Zeckenbiss zu Beschwerden kommt und
  • wenn Sie in besonders gefährdeten Gebieten ohne Impfschutz von einer Zecke gebissen worden sich.

Was macht der Arzt nach einem Zeckenbiss?

Gehen Sie mit einem Zeckenbiss zum Arzt, wird dieser zunächst stecken gebliebene Teile der Zecke entfernen und die Wunde versorgen.

Stellt der Arzt eine Borreliose infolge des Zeckenbisses fest, wird er Antibiotika verabreichen. Wenn andere Symptome auftreten, wird der Arzt eine genaue Untersuchung einleiten und Sie vielleicht auch an einen Spezialisten überweisen. Ferner kann er Sie ausführlich über die FSME-Impfung informieren und diese auch durchführen.

Weitere Informationen über Zeckenbisse

Hier finden Sie sehr ausführliche Informationen über Zecken und Zeckenbisse mit zahlreichen Erfahrungsberichten, Kontaktadressen und Anlaufstellen.

Bildnachweis: Marlon Bönisch / stock.adobe.com

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