Familie Praxistipps

Wie Kinder verlieren lernen

Fast alle Eltern kennen dieses Drama: Die Familie spielt fröhlich zusammen, aber kaum zeichnet sich für ein Kind die Niederlage ab, bricht das Chaos los. Mit Wutgeschrei fliegen die Spielfiguren vom Tisch. Fast jedes Kind muss erst verlieren lernen. Schimpfen Sie nicht, sondern versuchen Sie mit unseren Tipps den Spielnachmittag zu retten.

Warum Kinder schlecht verlieren können
Der Erste zu sein oder ein Spiel zu gewinnen, bedeutet im Mittelpunkt zu stehen. Für einen kurzen oder auch längeren Moment gilt dem Sieger alle Aufmerksamkeit. Dieses Gefühl gefällt uns allen, auch Erwachsenen, die selber nicht gerne verlieren. Es ist gar nicht so leicht, sich als Verlierer zu fühlen. Diese Emotionen müssen Kinder aushalten können.

Kindern fällt es leichter, verlieren zu lernen, wenn sie ein positives Selbstwertgefühl haben. Statt über die Wutanfälle der schlechten Verlierer zu schimpfen, versuchen Sie mit unseren Tipps das Selbstwertgefühl Ihres Kindes zu stärken. Dann kann es auch einmal gelassen eine Niederlage wegstecken – oder zumindest das Spiel zu Ende spielen.

Verlieren lernen – Ärgern hilft
Wut über die Niederlage ist völlig normal. Verlangen Sie deshalb nicht von Ihrem Kind, diesen Ärger zu unterdrücken. Erziehung bedeutet nicht, Ihr Kind umzuändern. Stattdessen geht es darum, Ihr Kind zu motivieren, den Ärger über die Niederlage auszuhalten und zu verarbeiten.

Akzeptieren Sie die Emotionen Ihres Kindes und schimpfen Sie es nicht aus. Erklären Sie Ihrem Kind, dass Sie seinen Ärger verstehen. Schimpfen Sie doch einfach gemeinsam die Spielfiguren aus. Darf Ihr Kind seinen Frust herauslassen, wird es sich schnell wieder beruhigen. Versuchen Sie stattdessen Ihr Kind zu beschwichtigen, fühlt es sich missverstanden und ist noch enttäuschter.

Verlieren lernen durch Niederlagen
Da wir Eltern mit unseren Sprösslingen leiden, ist die Versuchung während eines Spieles groß, die Kinder einfach gewinnen zu lassen. Aber das ist nicht die richtige Lösung. Streit und Enttäuschungen gehören zum Leben dazu. Das ist kein Drama für Kinder, sie müssen nur lernen, mit ihren Emotionen umzugehen. Dadurch entwickeln Kinder ihre Sozialkompetenz und lernen miteinander umzugehen. Dabei ist es wichtig, dass Kinder Spiele spielen, die ihrem Alter entsprechen. Es muss eine reelle Chance haben, dass Spiel aus eigener Kraft gewinnen zu können.

Verlieren lernen durch spannende Spiele
Wenn Ihr Kind in einer Trotzphase steckt, wird aus jeder Niederlage oft eine Tragödie. Vermeiden Sie in dieser Zeit Spiele, die den Frust nur noch schüren. “Mensch-ärgere-dich” oder “Monopoly” erhöhen bei Verlierern beträchtlich die Aggressionen. Wählen Sie Spiele, in denen alle miteinander spielen, zum Beispiel “Obstgarten” von Haba. Hier kämpfen alle Spieler gemeinsam gegen einen diebischen Raben.

Auch ein hoher Spielspaß lenkt vom Gewinnen wollen ab, zum Beispiel bei “Kayanak” von Haba. Mit einer Magnet-Angel geht’s zum Eisfischen. Das macht den Kindern so viel Spaß, dass es sie meistens gar nicht interessiert, wer mehr Kugeln geangelt hat.

Verlieren lernen – Spielregeln anpassen
Halten Sie nicht pedantisch an den Regeln eines Spieles fest. Lockern Sie die Regeln ruhig bei jüngeren Kindern. Am besten überlegen sich alle gemeinsam, welche Regeln gelten sollen. Ein Spiel macht auch ohne aggressives Herauswerfen des Gegners Spaß. Manchmal entschärft sich auch ein Spiel, wenn Spieler ein Team bilden und sich gegenseitig unterstützen. Gemeinsam verlieren ist längst nicht so hart.

Verlieren lernen – Stress vermeiden
Achten Sie darauf, wann Sie mit Ihren Kindern Spiele spielen. Obwohl Freizeitvergnügen, verlangen Spiele von Kindern ein hohes Maß an Konzentration und Aufmerksamkeit. Sind Ihre Kinder müde und erschöpft, können sie die Anspannung beim Spielen nicht gut verkraften. Dann wird jedes kleine Missgeschick beim Würfeln sofort zu einem Drama.

Das ist verständlich, denn die Kinder investieren viel Zeit und Einsatz in das Spiel. Wird es verloren, fühlen sie sich um ihren Lohn betrogen. Ist Ihr Kind von der Schule erschöpft, sollten Sie lieber ein Buch vorlesen.

Verlieren lernen – mit Wutanfällen umgehen
Reagieren Sie auf Wutanfälle gelassen und warten Sie einige Minuten, bis sich Ihr Kind wieder beruhigt hat. Sprechen Sie anschließend mit Ihrem Kind über seine Gefühle. Überlegen Sie gemeinsam, wie sich in Zukunft diese Anfälle vermeiden lassen. Vielleicht hilft es, für kurze Zeit das Spiel zu unterbrechen, in ein Kissen zu boxen oder im Kinderzimmer laut den Ärger herauszuschreien.

Beim nächsten Spiel wird die Strategie eingesetzt, wenn sich wieder Ärger anbahnt. Übrigens können sich auch die Eltern eine Strategie überlegen, wie Sie Ihren Ärger auf eine Niederlage verarbeiten. Vielleicht schimpfen Sie mit dem Würfel, wenn wieder einmal nicht die passende Zahl kommt.

Verlieren lernen – Selbstwerfgefühl stärken
Wer ein ausgewogenes Selbstwertgefühl besitzt, braucht nicht unbedingt die Anerkennung für den Sieg. Zeigen Sie deshalb Ihrem Kind, wie sehr Sie es lieben und stärken Sie das Selbstbewusstsein Ihres Kindes mit viel Lob. Gerade beim Spiele spielen erweisen sich gelegentlich Spielzüge als taktisch ungeschickt. Das merkt Ihr Kind ganz alleine, weisen Sie nicht extra darauf hin.

Leider wissen die meisten Menschen immer sehr genau, welche Fähigkeiten ihnen fehlen. Sorgen Sie dafür, dass Ihr Kind dagegen sehr genau seine positiven Eigenschaften kennt.  

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Adelheid Fangrath