Pflege Praxistipps

Was tun bei Gewalt durch Pflegebedürftige?

Lesezeit: 2 Minuten Sobald ein Mensch von einem anderen abhängig wird, weil er krank, behindert und/oder geistig verwirrt ist, spielen Gefühle eine große Rolle. Nicht jeder Pflegebedürftige schätzt den Einsatz seines Angehörigen oder ist gar nicht in der Lage dazu. Die Folgen sind Aggressionen in verbaler, psychischer oder körperlicher Form gegenüber dem Pflegenden. Wie können Sie dieses Problem lösen?

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Was tun bei Gewalt durch Pflegebedürftige?

Was tun bei Gewalt durch Pflegebedürftige?

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Solange Ihr pflegebedürftiger Angehöriger seine Situation noch begreifen kann, versuchen Sie in einem entspannten Moment zu klären, warum er Sie angreift. Nehmen Sie seine Gefühle ernst, aber machen Sie auch Ihre Position deutlich und schildern Sie, wie Sie sich fühlen, wenn Sie trotz aller Fürsorge von ihm attackiert werden.

Einige männliche Patienten belästigen ihre Pflegerinnen durch sexuelle Handlungen oder Worte. Erklären Sie Ihrem Angehörigen ruhig und bestimmt, dass Sie ein solches Verhalten auf keinen Fall akzeptieren und dass Sie die Pflege unter solchen Bedingungen nicht weiterführen können.

Gewalt gegen Pflegende aufgrund von Depressionen

Häufig ist auch eine versteckte Depression die Ursache für die Wutanfälle Ihres Pflegebedürftigen. Lassen Sie dies abklären und beraten Sie sich gemeinsam mit dem Betroffenen und dem Arzt über Therapiemöglichkeiten. Wenn der Pflegebedürftige eine Behandlung ablehnt, erläutern Sie ihm, dass ihn ein Medikament oder eine Maßnahme wieder ins Gleichgewicht bringen kann und er sich besser fühlen wird. Oft nehmen ältere Patienten den Rat eher an, wenn er von einem Arzt kommt, dem er vertraut.

Aggressionen durch Erkrankungen oder Medikamente

Viele Aggressionen von Pflegebedürftigen kommen durch eine Erkrankung, zum Beispiel eine Demenz, oder durch Medikamente zustande. Gerade in solchen Fällen sollten Sie sich immer wieder vor Augen halten, dass der Pflegebedürftige seine Wut nicht gegen Sie richtet, sondern im Grunde seine Hilflosigkeit ausdrückt. Treten Sie innerlich einen Schritt zurück und betrachten Sie das Geschehen als eine Nebenwirkung. Sprechen Sie den behandelnden Arzt darauf an und überprüfen Sie gemeinsam die Medikation.

So können Sie Gewalt durch den Pflegebedürftigen vorbeugen

Sollten dennoch aggressive Übergriffe stattfinden, die nicht gesteuert werden können, beugen Sie vor: Stellen Sie eine entspannende Atmosphäre her, indem Sie auf rote Farbtöne für die Ausstattung des Pflegezimmers verzichten und lieber Blau, Grün und Gelb in Pastell wählen. Vermeiden Sie grelles Licht und lassen Sie beruhigende Musik spielen. Lassen Sie sich ausreichend zeitlichen Spielraum für die Pflegetätigkeiten, damit Sie selbst Ruhe ausstrahlen können.

Entspannende Düfte können den Pflegebedürftigen ausgleichen. Geben Sie je nach Raumgröße einige Tropfen Lavendel-, Melissen- oder Mandarinenöl in eine Duftlampe und lassen Sie die ätherischen Öle eine Weile wirken, bevor Sie mit der Pflege beginnen. Manchmal hilft nur noch Ablenkung: Stellen Sie während der Versorgung Ihres Angehörigen zum Beispiel ein Video an, das seine Aufmerksamkeit beansprucht, ihn jedoch nicht aufregt.

Schützen Sie sich vor körperlichen Attacken

Räumen Sie alles aus dem Weg, mit dem der Pflegebedürftige Sie verletzen könnte. Lange Haare stecken Sie am besten hoch, damit er nicht daran ziehen kann. Greift er Ihnen trotzdem in die Haare, binden Sie ein Kopftuch um oder setzen Sie eine dünne Mütze auf. Gegen Kratzen schützen Sie sich mit einem T-Shirt mit langen, enganliegenden Ärmeln, die nicht so leicht hochgeschoben werden können. Wenn ein Demenzkranker Sie ständig sexuell berühren will, ziehen Sie einen Kittel aus festem Baumwollstoff an, der ein Zugreifen nicht so leicht möglich macht. Eskaliert eine Situation, verlassen Sie kurz den Raum.

Wenn Gewalttätigkeiten gegen pflegende Angehörige krank machen

Wenn Sie die Pflegesituation nicht mehr aushalten oder regelrecht krank macht, ziehen Sie die Konsequenzen und übergeben Sie die Pflege an einen anderen Angehörigen oder an eine Einrichtung. Sobald die häusliche Versorgung trotz ambulanter Unterstützung für Sie nicht tolerierbar ist, sollten Sie sich nicht dazu zwingen. Ständige Gewalt vom Pflegebedürftigen zu erdulden, kann auch bei Ihnen Aggressionen hervorrufen. Schlechte Gefühle sind keine Grundlage für eine liebevolle Pflege daheim.

Informieren Sie sich auch über das Thema Gewalt durch pflegende Angehörige und wie Sie Aggressionen vermeiden.

Bildnachweis: Robert Kneschke / stock.adobe.com

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