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Was ist eine Wassergeburt

Was ist eine Wassergeburt
geschrieben von Adelheid Fangrath

Gegenüber der Wassergeburt haben viele Frauen Vorurteile. Im Hinterkopf stellt sich automatisch die Frage ein, ob das Baby bei der Geburt Wasser in die Lungen bekommt. Wir stellen Ihnen diese Geburtsmethode ausführlich vor, damit Sie sich eine eigene Meinung bilden können.

Tradition Wassergeburt

Berichten zufolge wurde schon im alten Ägypten die Wassergeburt praktiziert. Im westlichen Europa fand die Wassergeburt erst im 20. Jahrhundert Beachtung. Ein Pionier der Geburtshilfe ist Michel Odent. Während seiner Zeit als Chefarzt einer Entbindungsstation in Frankreich stellte der Franzose ein normales Planschbecken auf. Der Verfechter der natürlichen Geburt beobachtete, dass Frauen im warmen Wasser besser die Wehen ertrugen. Daraus entwickelte er die Wassergeburt.

Wie verläuft eine Wassergeburt

Viele Kliniken bieten schwangeren Frauen während der Wehenphase die Möglichkeit zu einem entspannenden Bad. Bei der Wassergeburt findet auch die Austreibungsphase im Wasser statt. Die Frau sitzt aufrecht im brusthohen Wasser, dessen Temperatur zwischen 32 und 37 Grad beträgt. Der Partner und die Hebamme unterstützen die Schwangere vom Beckenrand. Das Baby kommt unter Wasser zur Welt und landet sofort in die Arme der Mutter. Die Nachgeburt bekommt die Schwangere im Becken oder auf dem Trockenen.

Wie sieht ein Geburtsbecken aus

Die heutigen Becken für die Wassergeburt sind große ovalrunde Badewannen oder Eckbadewannen. Sie haben rutschfeste Matten, Polster zum Anlehnen und Griffe zum Festhalten. Manche Gebärbecken haben eine Ein- und Ausstiegsluke. Der Zulauf ist unter Wasser, damit es nicht spritzt. Die Lichtquelle muss so angebracht sein, dass sich das Licht nicht im Wasser spiegelt. Neben diesen festen Geburtsbecken gibt es auch transportable Wannen zum Mieten, die bei der Hausgeburt eingesetzt werden.

Wie sicher ist eine Wassergeburt für das Baby

Ab der 37. Schwangerschaftswoche ist bei dem ungeborenen Baby der so genannte Tauchreflex ausgebildet. Schon im Fruchtwasser trainiert der Säugling seine Muskeln, damit keine Flüssigkeit in die Lungen dringt. Kommt das Gesicht des Babys mit Wasser in Berührung, schließt die Luftröhre sofort wasserdicht ab. Wird das Baby sofort aus dem Wasser herausgehoben, kann es nicht ertrinken. Es besteht auch keine Gefahr, dass es durch das Wasser Verunreinigungen einatmet. Der Tauchreflex verliert sich ab dem 4. Lebensmonat.

Risiken der Wassergeburt

Kritiker an der Wassergeburt betonen, dass der Tauchreflex bei ungünstigen Umständen aussetzt. Bekommt das Baby bei der Geburt zu wenig Sauerstoff, kann es passieren, dass der Reflex nicht funktioniert.

Vorteile der Wassergeburt für das Baby

Die Wassergeburt ist laut Befürworter für Babys eine der sanftesten Geburtsmethoden. Durch das warme Wasser ist die Mutter entspannt und verkrampft nicht. Sie atmet frei und somit erhält das Baby genügend Sauerstoff. Beim Übergang vom Fruchtwasser in warmes Wasser bleibt der Säugling im vertrauten Element. Diese Argumente sind zwar schlüssig, aber niemand weiß, ob eine Wassergeburt die beste Geburtsmethode ist.

Vorteile der Wassergeburt für die Schwangere

  • Schon während der Wehenphase ist ein Bad im warmen Wasser für die meisten schwangeren Frauen angenehm entspannend. Dieser Effekt tritt auch bei der Wassergeburt ein.
  • Die Auftriebskraft des Wassers nimmt den Frauen einen Teil des Gewichts, die Geburtsarbeit schlaucht nicht so extrem.
  • Die Schwangere hat Platz, sich zu bewegen und verschiedene Positionen einzunehmen.
  • Durch das Wasser werden Haut und Gewebe geschmeidig und elastisch, oft ist ein Dammschnitt nicht erforderlich.
  • Den Dammschnitt macht die Hebamme wenn erforderlich unter Wasser – allerdings ist ihre Bewegungsfreiheit eingeschränkt.
  • Die Schwangere kann jederzeit das Gebärbecken verlassen und auf dem Trockenen entbinden.

Nachteile der Wassergeburt für die Schwangere

  • Nicht jede Frau fühlt sich im Wasser in ihrem Element.
  • Ist das Wasser zu warm, kann dies den Kreislauf beeinträchtigen.
  • Schwangere dürfen auf keinen Fall unbeaufsichtigt in der Gebärwanne bleiben.
  • Nach der Geburt steht erst einmal Duschen und Abtrocknen auf dem Programm.
  • Ein vermehrtes Risiko für Infektionen bei Mutter, Kind und Klinikpersonal hat sich nicht bestätigt.
  • Für die Hebamme ist es nicht leicht, den Blutverlust der Schwangeren einzuschätzen.
  • Bei Komplikationen muss die Schwangere die Wanne verlassen.
  • Blut, Urin und Fäkalien landen beim Pressen im Wasser. Vor einer Wassergeburt empfiehlt sich ein Einlauf.
  • Eine Periduralanästhesie (PTA) ist bei der Wassergeburt nicht möglich.
  • Wassergeburten sind nicht in allen Krankenhäusern möglich.

Wann ist die Wassergeburt ungeeignet

Nicht immer kann eine schwangere Frau per Wassergeburt entbinden. Wichtigste Voraussetzung ist ein Schwangerschaftsverlauf ohne Komplikationen. Auch Mehrlingsgeburten, Frühgeburten oder Risikogeburten wie bei einer Steißlage eignen sich nur bedingt für die Wassergeburt. Bevor Sie sich auf eine Wassergeburt festlegen, besprechen Sie sich zunächst mit Ihrem Arzt und Ihrer Hebamme.

Bildnachweis: pingpao / stock.adobe.com

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Adelheid Fangrath