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Was ist ADS und welche Therapien gibt es?

Lesezeit: 4 Minuten ADHS (Aufmerksamkeitsdefizithyperaktivitätsstörung) ist eine besondere Ausprägung der Diagnose ADS, die in vielen Facetten auftritt. Es gibt den ADS-Typ Zappelphilipp mit Hyperaktivität, den ADS-Typ Träumer (ohne Hyperaktivität) und den kombinierten ADS-Mischtyp, der beides aufweist: er ist hyperaktiv, aber er träumt auch. Entsprechend gestaltet sich auch die jeweilige erfolgreiche Therapie.

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Was ist ADS und welche Therapien gibt es?

Was ist ADS und welche Therapien gibt es?

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ADS, ADHS  – was ist das?

ADS (oder ADHS – eine besondere Ausprägung von ADS: die Aufmerksamkeitsdefizithyperaktivitätsstörung) ist ein großes Problem, so lange man nichts davon weiß. ADS hat viele Facetten, aber die Ausprägung ADHS ist die auffälligste, die zu einem erkennbaren Problem wird. Andere Facetten gehen eher unter, weil sie nicht so stören wie ADHS.

Ist die Diagnose ADS erst einmal gestellt, erleben es die Eltern als große Hilfe, weil sie nun wissen, dass keine falsche Erziehung als Ursache für das auffällige Verhalten ihres Kindes zugrunde liegt und dass ADS erfolgreich therapierbar ist. ADS-Kinder werden sehr oft missverstanden, weil ihr Umfeld oftmals nicht besser mit ihnen umzugehen weiß. Deshalb bringt allein das Wissen über ADS schon eine gewisse Entlastung und zeigt den halben Weg zum Erfolg.        

ADS ist keine Modekrankheit

ADS ist keine bloße Marotte der Kinder, kein Erziehungsfehler und keine Modekrankheit, mit der sich alle „Unarten von Kindern“ erklären lassen. Und es liegt auch nicht an der Gesellschaft (oder seiner politischen Ausrichtung) als solche, die immer mehr „Unruhegeister“ hervorbringt, nicht am zu vielen Fernsehen gucken oder der Ernährung.

Vielmehr bezeichnet ADS die international anerkannte Diagnose einer „Aufmerksamkeitsstörung mit und ohne Hyperaktivität“. Der Begriff A.D.S (Aufmerksamkeits.Defizit.Syndrom) basiert auf der amerikanischen Bezeichnung ADD (Attention Deficit Disorder). Genauer handelt es sich um eine Störung mit neurobiologischen Besonderheiten in den Informations-Verarbeitungs-Prozessen des Gehirns.

ADS – Auslöser der häufigsten Entwicklungsprobleme

ADS ist eine der häufigsten Ursachen für Entwicklungs- und Verhaltens-Probleme bei Kindern, es zieht Wahrnehmungs-Defizite, Störungen im Verhalten, im Lernverhalten und in der Entwicklung nach sich. Kinder mit ADS fallen auf durch starke Ablenkbarkeit, Unaufmerksamkeit, niedrige Toleranz für Ärgersituationen, Impulsivität,  Aktivitätsüberschuss oder Verträumtsein.

Es sind jene Verhaltensweisen, die auch die Betitelung „Unruhegeist“, „Störenfried“, „Zappelphilipp“, „Außenseiter“, „Versager“, „Faulpelz, der ja könnte, wenn er nur wollte“, „Hans-guck-in-die-Luft“, „ungezogener Flegel“ oder „Tagträumer“ hervorrufen. ADS hat viele Facetten und bedarf ebenso unterschiedlicher Therapien.

Für Menschen mit ADHS gibt es drei Symptombereiche:

  1. Motorische Auffälligkeit, die mehr in eine Hyperaktivität, aber auch in ein ganzes Trödelverhalten umschlagen kann
  2. Unaufmerksamkeit
  3. Impulsivität in allen Bereichen

Entsprechend kristallisieren sich auch die drei Facetten-Bereiche der ADS-Diagnose heraus, wobei der dritte der häufigste ADS-Typ ist:

  1. ADS-Typ Zappelphilipp mit Hyperaktivität
  2. ADS-Typ Träumer (ohne Hyperaktivität), der „Hans-guck-in-die-Luft“
  3. ADS-Mischtyp, der beides aufweist: er ist hyperaktiv, aber er träumt auch    

Ursachen für ADS

In der Literatur gibt es viele Theorien und Ansätze, das Entstehen des Phänomens ADS zu erklären. Dies besagt bereits, dass es sich um theoretische Ansätze handelt – nicht um Nachweise seiner ursächlichen Entstehung.

Die meisten Fachleute (etwa die Diplompsychologin und Autorin der Bücher „Das ADS-Buch“, „Lernen kann man lernen“) sehen die Ursache  in einem medizinischen Konzept, wonach eine Neurotransmitterdisbalance (oder Störung des Hirnstoffwechsels), insbesondere im Frontalhirnbereich dazu führt, dass die Bereiche Unruhe, Aufmerksamkeit und Impulsivität beeinträchtigt werden. Das ist nachvollziehbar, denn genau in diesen drei Ausprägungen zeigen sich auch die unterschiedlichen Typen der ADS-Störungen und die entsprechenden Symtombereiche.

Was zu den Hinstoffwechselstörungen führt, ist ungeklärt

Auf die Frage, woher diese Disbalance kommt und was zu den Hirnstoffwechselstörungen führen könnte, gibt es noch kaum schlüssige Hinweise. Dort gibt es noch deutlichen Nachholbedarf in der Erforschung.  Unbestritten ist das deutliche Ansteigen der Zahl der Betroffenen. Sicher gab es auch schon in vorigen Jahrhunderten das Phänomen, das einst nur nicht „ADS“ hieß (denken wir nur an das Buch „Struwwelpeter“, 1847 vom Nervenarzt Dr. Hofmann).

Damals war es eine Besonderheit, heute fast schon das Gegenteil. So massenhaft, wie es sich inzwischen in den Schulen offenbart, hat es eine neue Quantität erreicht, die durchaus mit einer Schwellenänderung einhergehen musste, wo es um neue Einflüsse ging. Welche das sind, ist noch differenziert von entsprechenden Fachleuten zu eruieren.  

ADS ist therapierbar

Bei ADS hat sich zum einen eine Verhaltenstherapie bewährt. Dabei lernen die ADS-Personen, sich zu strukturieren, zu organisieren und zu planen. Bei Schulkindern gibt man meist auch eine Nachhilfeempfehlung. Zum anderen bedarf es einer dauerhaften medikamentösen Behandlung, die hauptsächlich im Bereich des Frontalhirnbereiches wirkt. Sie hat Auswirkungen auf das Arbeitsgedächtnis, da bei ADS die Problematik in diesem Gehirnteil auftritt.

Eine rechtzeitige Diagnose ist wichtig

Die Medikation soll die Informationsverarbeitung unterstützen, damit die Reize in den Gehirnbereichen ankommen, wo sie verarbeitet werden können. Bleibt das ADS untherapiert, bleibt auch das Chaos im Leben des Betroffenen bestehen, worunter seine gesamte Familie leidet. Daher ist eine rechtzeitige Diagnosestellung von besonderer Bedeutung, weil dann mittels angepasster Therapie eine Änderung der Situation erfolgen kann.

Ein Schulkind kann mit der Therapie seine Schulausbildung völlig neu weiterführen. Meist gelingt ihm durch die Behandlung eine beeindruckende Aufholkarriere seiner versäumten Wissenslücken. Ohne Behandlung hingegen würde derselbe Schüler durch Schulversagen auffallen.

ADS-Kinder mit Hyperaktivität

Im Säuglingsalter sind es die etwas anstrengenden, oft schwer zu beruhigenden, aber wissensdurstigen Kinder mit viel Temperament, die immer auf neue Entdeckungstour gehen und schon früh ihren eigenen Willen durchzusetzen wissen. Im Kindergartenalter und später fallen diese Kinder überall auf, weil sie sich nicht an Regeln halten können, durch heftige Trotzanfälle anecken und zum Störenfried avancieren, der andere schubst, auch einmal schlägt und sich schwer in die Gruppe einfügen kann.

Diese Kinder können Gruppen-Anforderungen durch ihre Impulsivität im Verhalten, ihre Ablenkbarkeit und ihren Aktivitätsüberschuss nur schlecht meistern. Alles ist schnell zu langweilig, was sie nicht selbst bestimmt haben. Einerseits sprühen sie vor Energie, andererseits fühlen sie sich bei geringsten Anforderungen erschöpft, wenn diese ihnen in diesem Moment nicht passen.             

ADS-Kinder ohne Hyperaktivität

Das sind jene Kinder, die sich bereits in der Kita lieber zurückziehen und für sich spielen. Sie wirken sehr angepasst und sind eher ruhig. Auffällig werden die ADS-Kinder zumeist erst in der Schule, wo sie zum Problemfall werden, da sie auf einmal, trotz guter Intelligenz, Lernmisserfolge und Frustrationen zeigen.

Hinzu treten weitere zusätzliche Folge-Probleme, wie mangelndes Selbstbewusstsein, Ängste, Schulkopfschmerzen und wenig Freude, weil diese Kinder von einer „Katastrophe“ in die nächste taumeln und von ihren Eltern und Lehrern oftmals nicht als ADS-Kind erkannt werden. Damit bleibt die helfende Therapie lange aus und alle quälen sich unnötig an den Folgen der ADS-Störung.

Nicht alles lässt sich mit ADS erklären

Es wäre auch falsch, nunmehr alle Probleme mit ADS erklären zu wollen. Aber alle, die mit Kindern umgehen, sollten das Phänomen kennen, um diesen rechtzeitig den Weg zur richtigen Diagnose zu weisen und „Entwicklungskatastrophen“ vermeiden zu helfen. Damit erlernen ADS-Betroffene einen besseren Umgang mit der Situation (ihre starken Seiten zu nutzen, wie unglaubliche Energie, Kreativität, Intuition und Begeisterungsfähigkeit) und ihre Schwächen bewusster in den Griff zu bekommen. Weiterführende Literatur sowie Links zum Thema ADS können Sie dabei unterstützen:

Literatur

Aust-Claus, E. / Hammer, P.-M.: Das A. D. S-Buch, Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom, Neue Konzentrations-Hilfen für Zappelphilippe und Träumer, 4. Auflage, Ratingen: Oberstebrink-Verlag, 2000, ISBN 3 – 9804493-6-X

Links

Lesen Sie mehr in der Artikelserie „ADS, ADHS – wie damit umgehen?“

Bildnachweis: imaginando / stock.adobe.com

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