Gesundheit Praxistipps

Warum Zeit beim Arzt so wichtig ist

Lesezeit: 3 Minuten Das haben viele Patienten schon erlebt: Man hat den lang erwarteten Termin beim Arzt und wird nach ein paar Minuten Konsultation ratlos aus dem Behandlungsraum entlassen. Das sollte nicht so sein – und man kann daran auch etwas ändern. Das allerdings gilt für beide Seiten.

3 min Lesezeit
Warum Zeit beim Arzt so wichtig ist

Warum Zeit beim Arzt so wichtig ist

Lesezeit: 3 Minuten

Beide Seiten sind gefragt

Eine Studie der Medizinischen Universität Innsbruck hat junge Ärzte gefragt, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit sie ihr Arbeitsleben erfüllend finden. Interessanterweise waren es nicht bahnbrechende Forschungen oder die Durchführung komplizierter Operationen, sondern ein gutes Verhältnis zum Patienten. Spannender Aspekt der Studie: Die jungen Mediziner sahen die größten Schwächen des Studiums darin, dass psychosoziale Kontakte und Kommunikation zu wenig vermittelt wurden.

Planung ist alles

Damit sich zwischen Patient und Mediziner ein Verhältnis entwickelt, von dem beide Seiten profitieren, braucht es auch Planung. Denn der längst existierende Ärztemangel in vielen Regionen führt dazu, dass Wartezimmer überfüllt sind und die Zeit für den einzelnen Patienten knapp bemessen ist. Hier können digitale Praxis-Systeme durch detaillierte Terminplanung, moderne Kommunikation mit Patienten oder effektive Praxisorganisation den Ärzten helfen. Dadurch haben Mediziner bei ihrer Konsultationen mehr Zeit – auch, um Patienten Ängste zu nehmen. Eine gute Möglichkeit, um dies zu unterstützen, können beruhigende Klänge sein. Vor allem Klassik ist dabei sinnvoll.

Darüber hinaus kann ein Arzt durch eine freundliche und zugewandte Atmosphäre den Besuch der Praxis für Patienten angenehm machen. Diese beginnt bereits bei einer hellen und gepflegten Einrichtung der Wartezimmer und Behandlungsräume und führt weiter bis zu einem Erscheinungsbild des Arztes, das Vertrauen weckt.

Das Geheimnis guter Kommunikation

Die Zahlen, die von der Frankfurter Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers im sogenannten Healthcare Barometer 2020 veröffentlicht wurden, stimmen nachdenklich. Rund 1000 Bundesbürger wurden dabei nach verschiedenen Aspekten der Gesundheitsversorgung in Deutschland befragt. Das Ergebnis: 40 Prozent kritisierten, dass der Arzt sich zu wenig Zeit nimmt. Und das gilt vor allem für Gespräche zwischen Medizinern und ihren Patienten. Zwar lässt sich durch eine durchdachte Praxis-Organisation einiges an Zeit für Patienten herausholen, aber damit allein ist es auch nicht getan: Die Kommunikation muss stimmen. Dazu gehört, dass Mediziner ihrem Gegenüber bei der Schilderung seiner Beschwerden aufmerksam zuhören. Sogenannte vertikale Kommunikation, bei der eine Position als (überlegener) Lehrer eingenommen wird, sollte vermieden werden. Auch unklare Formulierungen zu Diagnosen oder Befunden – im Volksmund Fachchinesisch genannt – erschweren ein Vertrauensverhältnis enorm.

Einer Schlüsselrolle in der Kommunikation kommt dabei dem sogenannten aktiven Zuhören des Arztes zu: Dabei vermittelt er seinem Gegenüber, dass er aktuell zwar zuhört, aber jederzeit etwas zur Krankengeschichte sagen kann. Ablenkungen wie Tippen am Computer, der Blick aufs Smartphone oder gar telefonieren sind in diesem Zusammenhang ein No-go.

Das gute Verhältnis ist keine Einbahnstraße

Der Begriff Kommunikation leitet sich ab vom lateinischen Verb „communicare“. Das bedeutet übersetzt auch „gemeinsam machen“ oder „teilnehmen lassen“. Bereits mit dieser Übersetzung wird klar, dass gute Kommunikation nicht nur von einem Part erfüllt werden kann. Sie ist ein Wechselspiel, das beide Gesprächspartner gestalten.  Auch für den Patienten gelten im Prinzip also ganz ähnliche Regeln wie für den Arzt. Mit einem gepflegten Erscheinungsbild beispielsweise signalisiert er, dass er sein Gegenüber wertschätzt. Eine Vorbereitung auf einen anstehenden Arztbesuch ist ebenfalls wichtig. Wenn man die Symptome notiert, unter denen man leidet, fällt es im Gespräch einfacher, nichts zu vergessen. Auch für den Patienten sollte übrigens selbstverständlich sein, dass er beim Gespräch mit dem Arzt keine Handy-Anrufe entgegennimmt oder in sozialen Medien stöbert.

Patienten müssen aktiv werden

Ein guter Freund vieler Kranker ist heute Dr. Google. Diese Entwicklung sehen Mediziner mit gemischten Gefühlen. Einerseits ist es sinnvoll, sich vor dem anstehenden Arztbesuch zu informieren. Andererseits ist aber nicht jede Seite im Netz für valide Informationen geeignet. Eine gute Adresse sind in diesem Zusammenhang die sogenannten Patientenleitlinien, die vom Ärztlichen Zentrum für Qualität in der Medizin veröffentlicht werden. Hier werden viele Krankheitsbilder ebenso wissenschaftlich wie allgemeinverständlich aufbereitet.
Die Kommunikationswissenschaftlerin Prof. Annegret Hannawa weist noch auf einen weiteren Punkt hin, den Patienten beachten können: „Sie sollten das Gelingen der Verständigung nicht passiv den Ärzten oder auch Apothekern überlassen“, erklärte sie im Deutschlandfunk. „Sehr häufig ist es am Ende doch der Patient selber, die einen Schadensfall hätten verhindern können, wenn sie sich nur getraut hätten, etwas zu sagen.“

Bildnachweis: ronstik / stock.adobe.com

PS: Qualitätsmanagement ist uns wichtig!

Bitte teilen Sie uns mit, wie Ihnen unser Beitrag gefällt. Klicken Sie hierzu auf die unten abgebildeten Sternchen (5 Sternchen = sehr gut):

Bitte warten...

PPS: Ihnen hat der Beitrag besonders gut gefallen?

Unterstützen Sie unser Ratgeberportal: