Praxistipps Reisen

Vintage-Cars aus aller Welt luden zum Grand Prix Malta 2015 ein

Lesezeit: 6 Minuten Der "Mdina Grand Prix" ist schon heute eine lebende Legende, denn die Classic-Car-Show und Rallye auf der Mittelmeerinsel Malta fand bereits das neunte Mal mit großem Erfolg in Folge statt. Lassen Sie sich mit diesem Bericht in den kleinsten EU-Staat entführen, schnuppern Sie Motorenluft und führen Sie Benzingespräche.

6 min Lesezeit

Autor:

Vintage-Cars aus aller Welt luden zum Grand Prix Malta 2015 ein

Lesezeit: 6 Minuten

Die Metropolitan Kathedrale in der alten Hauptstadt Mdina, noch auf Steinen aus dem Mittelalter errichtet und nach dem großen Erdbeben von 1693 durch den maltesischen Architekten Lorenzo Gafa bis 1703 wieder aufgebaut, bietet die exzellente Kulisse für den alljährlichen Classic-Car-Event "Mdina Grand Prix".

Parade der eleganten Fahrzeuge "Concourse d`Elegance"

Während sich der Cathedral Square langsam mit Kulturgut aus sechs Jahrzehnten füllt, kann einer der Organisatoren schnell ein Blitzinterview geben: "The opening of "Mdina Grand Prix" is called Concourse d`Elegance. To take part, classic-cars have to be 30 years old and besides this openingshow with 50 selected vehicles you can watch six to seven racingcars from different hotspots in one challenge."Um als einer von 50 ausgewählten Teilnehmern am Concours d´ Elegance teilzunehmen, so Anthony Vassallo, einer der Organisatoren, muss ein Oldtimer 30 Jahre vorweisen. Neben der Show der eleganten Gefährte können Sie von verschiedenen Hotspots jeweils sechs bis sieben Fahrzeuge in einem Wettkampf beobachten.

Neben einem auberginefarbenen Ford Cortina 1600 E aus dem Baujahr 1971 reiht sich ein elfenbeinweißer Karmann Ghia desselben Baujahrs ein. Schmuckstück nach Schmuckstück bevölkern Vintage-Cars den historischen Platz.

Ford-Besitzer Christopher aus Mgarr (Malta) ist glücklich, dass der Wagen noch kurz vor dem Event seine Registrierung bekam, denn die Totalrestaurierung dauerte sechs Jahre. Wagen und Mann feiern heute zudem ihr zehnjähriges Zusammensein.

Die Geschichte des Karmann Ghia reicht zurück bis nach Berlin, wo die Besitzerin den Wagen vor 32 Jahren von einer Sekretärin erwarb (im Volksmund wird der Karmann Ghia übrigens "Sekretärinnenporsche" genannt, da die Karosserie an einen 356er Porsche erinnert, den sich eine Sekretärin nicht leisten konnte). Weil er restaurierungsbedürftig war, kam der Ghia auf einem Hänger vom Norden in den Süden Deutschlands, wo er seine Totalrestaurierung erhielt. Zum "Mdina Grand Prix" wurde er auf die Insel verschifft.

Ebenfalls von weit her, aus North Hamptonshire in Großbritannien kommt der Morris Cowley (Baujahr 1927). Dass der Wagen wie eine Eins anspringt, demonstrieren die Besitzer Joseph und Bernadette Zerafa mittels der seinerzeit brandheißen Technik, eines E-Starters (Dinarstarter) immer wieder gerne. An der Classic-Car-Parade nimmt das Trio zum ersten Mal teil.

Enthusiasten mit Benzin im Blut

Unter maltesischer Sonne flanieren Sie entlang der Oldtimerreihen – bestaunen ein extrem seltenes Sportcoupé Mitsubishi Celeste aus dem Baujahr 1976, bewundern den knallroten Alfa Romeo Giulia Sprint GT des italienischen Designers Bertone (designo di Bertone), einen Mercedes Benz 230-6, den elfenbeinweißen "Sekretärinnen-Porsche" Karmann Ghia und den echten 356 Porsche Super 90 aus dem Baujahr 1962, den seine Besitzer Ernest und Odelle Sullivan von Großbritannien mit auf die Insel Malta brachten.

"Wie der Volkswagen wurde der Porsche ebenfalls bei Karmann in Osnabrück/Deutschland gebaut. Schauen Sie mal: das Karmann-Emblem an beiden Fahrzeugen", verweist Ernest Sullivan auf den Schriftzug auf schwarzem Untergrund.

Nicht nur im Design sondern auch motorseitig ähneln sich beide Gefährte. Einen 1600er Motor besitzen beide – aber natürlich hat der Porsche mit seinem 4-Zylinder-Boxermotor (90 PS) mehr Speed und nur er hat den legendären Weber Doppelvergaser.

"Gegen einen 356er würde ich meinen Ghia vielleicht noch eintauschen", so die Besitzerin des Karmann, die den Wagen seit über dreißig Jahren fährt. "Während all der Jahre rieten mir die Leute immer wieder, den Wagen zu verschrotten, da irgendwann in den 1980ern der Unterboden mit unzähligen, übereinander geschweißten Reparaturblechen übersät war. Aber ich habe mich nicht beirren lassen und vor einigen Jahren bekam der Wagen dann seine Totalrestaurierung", so die Ghia-Besitzerin. Nur fehle jetzt noch eine bessere Stoßstange.

Da gut erhaltene Bügelstoßstangen schwer zu bekommen sind und Repliken oft nicht korrekt sitzen, entwickelt sich neben dem Vehikel ein Benzingespräch und die Kontaktadresse eines sizilianischen Galvaniseurs, der Stoßstangen restauriert, wechselt vom Renault-Besitzer zur Volkswagen-Besitzerin.

"In einem R4 konnte man auf zwei Rädern um die Kurve kommen, ohne umzukippen", erinnert sich die Ghia-Fahrerin an Fahrten mit dem Viertürer in den 70er Jahren. "Unseren silbergrauen Franzosen (Baujahr 1962), einen der ersten Modelle, habe ich als zweiter Besitzer in Zabbar (Malta) erworben", erinnert sich Besitzer Willy. Die Geschichte, warum seine Frau Maria eine voll bepackte Eierkiste auf dem Beifahrersitz abgestellt hat, erzählt er gern: "Nur auf solch einem gut gepolsterten Sitz und mittels der legendären Federung des Renault 4 konnten französische Farmer diese empfindliche Wage heil nach Hause bringen."

Classic-Car-Turniere

Rund um den Platz findet reger Austausch statt. Um den schönsten Wagen aller Zeiten, den 356er Porsche aus der B-Serie (1959 bis 1962) hat sich bereits eine fachsimpelnde Traube gebildet. Ebenso auch um einen anderen Schönen, den Sportwagen Alfa Romeo GTV 1750 mit 150 PS (Baujahr 1968) aus dem Fuhrpark von Classic-Car-Enthusiast Ernest Sullivan: "I admire and own this Alfa Romeo since about ten years. Car and driver Mauro Portelli will take part in the "Grand Prix"-Race at the weekend." Den Sportwagen Alfa Romeo GTV 1750 bewundert sein Besitzer seit über zehn Jahren. Alfa-Pilot Mauro Portelli wird ihn das Wochenende über auf die Piste bringen.

Von der Empore vor den Festungsmauern der historischen Hauptstadt Mdina können Sie die Rennstrecke gut überblicken, nur Duke muss in die Luft gehoben werden. Der Hund von Vintage-Car-Fan Tony Camillieri scheint genauso wie sein Herrchen gern Motorenluft zu schnuppern. An diesem Racing-Wochenende fiebern Hund und Herr gemeinsam auf den Ausgang der ersten Runde hin.

Der Kommentator ruft Gewinner und Wagen aus: "Dr. Paul Sultana on Fiat 850 won group 6 at the first race."

Das italienische Sportcoupé in Rosso Monza aus der Serie Zwei (Baujahr 1969) mit Doppelscheinwerfern vorn und runden Doppelrückleuchten von Paul Sultana besitzt neben dem Gewinnerimage Eycatcher-Charakter. "I saw the car and took it over in 2005 from a german owner who was working at the Deutsche Welle Radio." Das Sport-Coupé habe er von einem Deutschen, der bei Deutsche Welle Radio gearbeitet habe im Jahr 2005 als dritter Besitzer übernommen, erzählt der noch heute glückliche Besitzer und Gewinner der ersten Runde.

Für die maltesische Straße war der zudem nur 43.000 Kilometer gelaufenen Wagen mit seinem links sitzenden Lenkrad wie geschaffen. Heute steht der Wagen schön restauriert da. Falls Teile notwendig würden, kann Paul Sultana für den 850er auch heute noch auf einen großen Ersatzteil-Fundus zugreifen. H&N (holtmann-niedergerke.de) liefern fast alles rund um das schöne Sport-Coupé.

Gut eingespieltes Siebener-Team

Das Siebener-Team aus Charles A. Zahra (Vorsitzender), Josef Abela, Karl Borg, Adrian Runza, Joe and George Said und Ivan Bartolo hat auch im Jahr 2015 wieder einen grandiosen Großevent auf die Beine gestellt.

Die Gründung der Ralley im Namen der "Valletta Grand Prix Foundation" fand im Jahr 2009 erstmalig in der maltesischen Hauptstadt statt. Seit der Event Jahr für Jahr wächst, konnten "Concours d´ Elegance" und Races ab 2013 ins Landesinnere umziehen.

Und der Event rund um die alte Hauptstadt Mdina boomt. Auf die Frage, was ihn antreibe, einen solchen Event mit zuorganisieren, stellt Ivan Bartolo, einer der Organisatoren die Ziele vor:"My aim for Malta is, to bring each and everyone in classic-car-events, like you know it from Monte Carlo. Over the years lots of people are "in classic cars" and we have exzellent response from maltese and british owners." Er möchte alle und jeden für Classic-Car-Events begeistern, wie das zum Beispiel in Monte Carlo der Fall ist. Über die Jahre hinweg steige die Zahl von maltesischen und britischen Teilnehmern, Menschen kommen mehr und mehr auf den Geschmack, ein Classic-Car zu besitzen und an einer Show teilzunehmen.

Ivan Bartolo: "During the weekend we have 25.000 people around the track and this year 70 cars from different parts of the world with their drivers take part in the event." Dieses Jahr wären 25.000 Menschen an der Rennstrecke gewesen um 70 Vintage-Cars unterschiedlicher Nationen und deren Besitzer zu sehen.

Racing-Cars from Overseas

Seinen Austin Healy 100 hat Jan Osbourne aus Großbritannien mit herüber gebracht: "I am very excited, because me and the car take part in the ralley for the first time." Dass der Austin Healy-Fahrer aufgeregt ist, kann man verstehen. Er fährt den kostenbaren Wagen das erste Mal auf dieser Rennstrecke.

David Waterhouse aus Wolverhampton (GB) mit seinem knallroten "Turner" aus dem Jahr 1961 ist dagegen ein alter Fuchs im Racing-Geschäft. Zum diesjährigen "Mdina Grand Prix" kam er mit fünf Racing-Freunden auf einem Grimaldi-Frachter nach Malta, um seinen "Turner" mit 95 PS diesmal unter Freunden auf die Piste zu bringen und einen Pokal mit nach Hause zu tragen.

Ein anderer Gewinner des "Mdina Grand Prix" ist Lotus 23B-Fahrer Roberto Farneti aus Ravenna (Italien). Der Rennfahrer hat eine großen Racing-Karriere und nimmt mit seinem Wagen (Baujahr 1963) an zahlreichen historischen Racing-Events europaweit teil – und natürlich auch am "Mdina Grand Prix".

Etwas langsamer angehen lassen es die drei Damen mit ihrem knallgelben Mini-Cooper aus den späten 70ern. Das genaue Geburtsdatum weiß ihr Mann Joseph Zammut, der sich um das immer noch komplett originale Gefährt all die Jahre liebevoll kümmert, erzählt die Besitzerin Vanessa. Im Posen im ebenso originalen 70er Outfit sind die drei Damen vor dem Mini Cooper gewinnerverdächtig: Schlaghosen, Schlapphut, Minirock, Clogs und ein tragbarer Kassettenrecorder sind ebenso Originale aus dieser Zeit.

Die Verlosung zum "Best dressed couple" passend zum Baujahr ihres Classic-Cars ist spannend wie die Wagen und die Rennen selbst. In der Kategorie "Elegance" ruft Gavin Gulia, Chairman of MTA den englischen Rover von Jeffrey in dunkelblau und den elfenbeinweißen Porsche 356 von Ernest Sullivan auf. Als "Best dressed couple" dann noch einmal das Paar mit dem schönsten Wagen der Welt, dem 356 Porsche – Ernest und Odelle Sullivan.

Quellen: Vor-Ort-Recherche und Blitzinterviews mit Dr. Paul Sultana, Ernest und Odelle Sullivan, David Waterhouse und Ivan Bartolo.

PS: Qualitätsmanagement ist uns wichtig!

Bitte teilen Sie uns mit, wie Ihnen unser Beitrag gefällt. Klicken Sie hierzu auf die unten abgebildeten Sternchen (5 Sternchen = sehr gut):

Bitte warten...

PPS: Ihnen hat der Beitrag besonders gut gefallen?

Unterstützen Sie unser Ratgeberportal: