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URIAH HEEP in der Kulturhauptstadt Europas 2018

Lesezeit: 4 Minuten Der betrügerische Schreiber Uriah Heep, späterer Teilhaber einer Anwaltskanzlei, der im Charles Dickens-Roman "David Copperfield" den armen aber guten Copperfield in die Enge treibt, gab der Band ihren Namen. Seit der Gründung 1969 rocken die Briten einen zum Stoff passenden liebevoll-sauberen, aber auch messerscharf-harten Sound. Zum Summer-Event kam die Band nun nach Valletta/Malta am Mittelmeer.

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URIAH HEEP in der Kulturhauptstadt Europas 2018

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"Meine Mutter konnte den Namen der Hardrockband nur verschwurbelt über ihre ‚bei dieser ausländischen Popmusik‘-verspannten Lippen bringen," so sich die erinnernde Vinyl-Scheiben-Besitzerin von "Sweet Freedom" aus dem Jahr 1973. "Das sind jetzt 43 Jahre her, dass diese Scheibe gepresst wurde."

Ob es nun das Englische, die "fremdländische" Sprache war oder Neid auf die grenzenlose Rockjugend ihrer Tochter ist nicht überliefert. Glasklar ist die Erinnerung der Tochter: "Diese LP habe ich auf schwindelerregend hohen Plateaustiefeln im Berliner Plattenlanden am Tauentzien gekauft. Heute ist sie eine gut erhaltene Rarität."

Die Stage am Grand Harbour Valletta schaut ungastlich, fast tot aus, in wenigen Minuten wird sie jedoch den britischen Rockern einen geeigneten Boden für den legendären Sound der 70er bieten, den die Band bis Heute durchzieht.

Während oben noch der letzte Soundcheck für die Vorbands läuft, wirbeln unten Bier- und Foodverkäufer. "Wir versuchen unseren Kunden mehr und mehr Veggie-food anzubieten – und natürlich unser in Malta gebrautes Lager ‚Cisk’", sagt der Besitzer von Marcelkitchen.com, während er schnell Ftira und Ciabatta zu mediterranem Gemüse und Quinoa-Salat mit Minze aufschichtet. Zum Nachtisch bietet er gegrillten Brie und Apfel-Feigen-Kompott – nach der Devise, Veggie rockt.

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Einen Steinwurf davon entfernt steht die Soundanlage, um die die Männer von "Besteam Audio" herumwirbeln: "Yesterday we dismantled the equipment from „Joseph Calleja"- "Suzanne Vega" and "Antonello Venditti"-concert, brought it at the very heat over here and installed it for topband "Uriah Heep" and opening bands "Crux" and "Nomad Son", sagt Aaron Galea. Erst gestern haben wir nach der Performance des maltesischen Tenors Joseph Calleja, Antonello Venditti und der amerikanischen Sängerin Suzanne Vega die Soundanlage vor den Toren Vallettas abgebaut und hier zum Hafen herübergebracht, das ist keine leichte Arbeit bei 33 Grad Celsius.

"Just for "Heep"-Drummer Russel Gilbrook we set up twelve microphones, actually this base soundstation can activate 96 microphones." Allein Heep-Drummer Russel Gilbrook`s Anlage bekam zwölf Mikrofone, die Anlage kann aber noch mehr, insgesamt 96 Mics sind möglich. Besonders während der Hitze ist die Arbeit heavy, aber es lohne sich, es werde heute sehr voll", so der Soundingenieur.

Erwartet werden "Uriah"-Fans aus der ganzen Welt. Aber auch Geburtstagsgäste für Leadgitarrist Keith Bunce der Vorband "Crux", der heute neben der gigantischen Session auf der Bühne seinen 18. Geburtstag feiert.

Während sich die Area füllt und die Stimmung steigt, macht "Cyber-Rock" den Auftakt."We are Crux". "Das läuft gut an und ist gut aufgebaut", findet Rockexpertin Katti Mieth und gönnt sich ein Cisk.

"Nomad Son" aus Malta legt nochmals einen Gang zu, heizt die Stimmung zum Siedepunkt hoch, über dem Grand Harbour Valletta flirrt die Nacht. "Nomad Son"-Screamer Jordan Yves Cutajar treibt den Sound in die Nacht hinaus – dann betreten die Rocklegenden das Feld.

Heep-Rocker Mick Box reißt seine blendendweiße "Carparelli" herum – der erste Song "Gypsy" kommt black-metal-mäßig. "We live 46 years of music, so let`s go back to the 70th", bringt Sänger Bernie Shaw die Jahrzehnte der rockenden Legenden auf den Punkt: während andere längst verschwunden sind, leben "Uriah Heep" den Rock seit 46 Jahren.

Dann beschwört die Band die 70er – "Lock at yourself" kommt heavy und soundstark, Leadgitarrist Mick Box, der die Band im Jahr 1969 gründete, lässt ein langes Gitarrensolo aufsteigen, das 8 Minuten – 10 Minuten – 12 Minuten andauert und das er dann völlig unaufgeregt und glasklar ablegt, Russel Gilbrook`s ebenso völlig unaufgeregtes Schlagzeug liefert den Beat.

Den Song "The Wizard" ziehen die Rocker straight durch und "lassen das so stehen". Und natürlich: solch saubere Arrangements sind wir von den legendären Rock- und Soundmachern gewohnt, konstatieren Musikspezialistin Katti Mieth und die Menge vor der Bühne.

Vor einer im Meer versinkenden Sonne stellt Mick Box "Phil Lanzon, der maltesische Roots hat", an den Tasten vor, der wiederum mit einem sauberen Pianosolo antwortet. Möglicherweise ist es ihm zu verdanken, dass die Briten zum Auftritt in den kleinsten EU-Staat angereist ist.

Mit hereinbrechender Dunkelheit durchschneidet "One Minute" vom neuen Album "Outsider" die Nacht: "One song from first album with new bass player Dave Rimmer. On piano Mr. Phil Lanzon." Der neue Song läuft wellengleich an, bis orkanartig ein sturmflutartiger Donner hereinbricht und den Rhythmusbreak markiert. Absolut grandios. Andere Bands hätten sich möglicherweise damit schwer getan.

Im Play der Profirocker "Uriah Heep" spiegelt sich neben einer solchen Professionalität auch immer wieder Spielfreude – lächelnd liefert Mix Box ein glasklares Gitarrensolo zur sich anschließenden Ballade, während Keyboarder Phil Lanzon vom kanzelgleich aufgebockten Podest den Sound seiner Hammond Orgel über das tiefschwarze Hafenwasser des mehrere Kilometer tiefen Hafenbeckens schickt. "Das ist die absolute Einheit", schreit ein deutscher "Uriah"-Fan. "Ich liebe ich diese Band!"

Engelsgleich beschwört Sänger Bernie Shaw unter dem nachtschwarzen Mittelmeer-Himmel mit "July Morning" (Look at Yourself/1971) noch einmal die Dekade der 70er herauf – stellt dann den Bandleader vor: "Mr. Mick Box an der Gitarre, ohne den es "Uriah Heep" nicht gegeben hätte." Als Antwort lässt dieser ein grandioses heavy Gitarrensolo folgen – um dann messerscharf auf die Akustikversion zurück zuwechseln.

Zum Showdown werden "Lady in Black"-Rufe erhört und der Song aller Songs aus dem "Salisbury"-Album (1970) gibt den Leuten am Hafen, was sie brauchen: eine gute Zeit mit einer guten Band an einem guten Ort und abermals gute Erinnerungen, die in Zuversicht münden.

"Easy livin´", von der Scheibe "Demons and Wizards" aus dem Jahr 1972, Zugabe und zugleich Aufforderung, dem Leben die gute Seite abzugewinnen, rocken die "Uriah"-Legenden in die flirrend-warme Julinacht hinaus.

"Come again over Malta!", so der einstimmige Appell an die "Never-Stop-To-Rock-Band "Uriah Heep". Mit Phil Lanzon – maltesischer Abstammung – am Keyboard sollte das wohl auch kommendes Jahr wieder möglich sein.


Quellen: Vor-Ort-Recherche (Ta`Liesse, Grand Harbour Valletta), Presseinformationen „Arts Council Malta“ (Sarah Lee Zammit); Organisiert wurde das Mega-Konzert von Arts Council Malta, gesponsert von Hard Rock Café Malta und MGA (Malta Gaming Authority).

Songlist: Gypsy, Look At Yourself, Shadow Of Grief, Stealin`, The
Law, The Outsider, Sunrise, Magician`s Birthday, Rain, The Wizard, One
Minute, Can´t Take That Away, July Morning, Lady In Black, Easy Livin`.

Fakten zur Band: Leadgitarist – Mick Box seit 1967, Voice – Bernie Shaw
seit 1986, Keyboards – Phil Lanzon seit 1986, Drums – Russell Gilbrook
seit 2007, Bass – Davey Rimmer seit 2013.

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