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Umschulden: Warum es für so viele Kreditnehmer sinnvoll ist

Lesezeit: 3 Minuten Kredite gehören heute für viele Verbraucher zum Alltag. Möchte man sich etwas leisten, hat eine nötige Anschaffung zu machen oder muss durch einen Umstand eine höhere Summe aufbringen, die nicht zur Verfügung steht, dann nimmt man einen Kredit auf. Ob Hochzeit, Reise, Wohnungseinrichtung oder Auto, insgesamt belief sich die Höhe der an Privatpersonen vergebenen Kredite in Deutschland im ersten Halbjahr 2020 auf 1319,4 Milliarden Euro. Hierin sind auch die Immobilienkredite enthalten.

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Umschulden: Warum es für so viele Kreditnehmer sinnvoll ist

Umschulden: Warum es für so viele Kreditnehmer sinnvoll ist

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Welche Kosten entstehen durch einen Kredit?

Ginge es nur um den reinen Betrag der Abzahlung, müsste man sich um eine Umschuldung keine Gedanken machen, denn der bliebe ja immer gleich. Es entstehen jedoch weitere Kosten, und zwar:

  1. Zinsen. Sie sind der große Kostenfaktor. Ihre Höhe hängt von vielerlei Umständen ab, von der Lage am Markt, von der Bonität des Kreditnehmers und von der Art des Kredites. Kreditnehmer mit einer schlechteren Bonität müssen etwa höhere Zinsen bezahlen, womit die Bank das höhere Risiko abfedert. Manche Kredite haben einen festen, manche einen variablen Sollzins.
  2. Abschläge und Gebühren. Beim Vergleich von Krediten ist es wichtig, neben dem Sollzins auch den effektiven Jahreszins zu berücksichtigen, denn dieser enthält alle weiteren Abschläge und Gebühren.
  3. Mittelbare Zusatzkosten. Neben den beiden Zinsarten gibt es noch weitere Zusatzkosten, die im Kreditvertrag mit aufgeführt werden müssen. Das können sein: Kontoführungsgebühren, Bereitstellungszinsen und verschiedene Versicherungen.

Es gibt also beim Vergleich verschiedener Kreditangebote deutlich mehr zu beachten als nur den Sollzinsbetrag. Das gilt auch, wenn man nach einem Anbieter für eine Umschuldung sucht.

Was ist eine Umschuldung?

Hier der Dispo, dort der Kredit für das Haus oder die Möbel, da die Kreditkarte – im Lauf der Zeit sammeln sich verschiedene Abzahlungen an, die alle unterschiedliche Konditionen haben und verschieden hohe Kosten verursachen. Vielleicht hat man aber auch nur einen großen Kredit laufen, den man zu ungünstigen Bedingungen abgeschlossen hatte und möchte nun von den niedrigen Zinsen profitieren, die durch die Zinspolitik der EZB zustande gekommen sind.

Umzuschulden bedeutet, dass man einen laufenden Kredit vorzeitig zurückzahlt, als eigentlich vereinbart war. Es ist eine vorzeitigen Tilgung, die jedoch durch die Aufnahme eines neuen Kredites, meist bei einer anderen Bank, möglich gemacht wird. Darum heißt es Um-Schuldung.

Was sind die Vorteile einer Umschuldung?

  • Der größte Vorteil liegt auf der Hand: Die Höhe der Zinsen kann gesenkt werden. Seit einiger Zeit befinden wir uns in einer Niedrigzinsphase, von der man als Kreditnehmer profitieren kann. Die meisten Preise erhöhen sich im Lauf der Zeit, die Zinsen und damit die Nebenkosten von Krediten sind jedoch gesunken.
  • Mehrere Darlehen können zu einem gebündelt werden. Das hilft dabei, den Überblick zu behalten und sich von schlechten Konditionen zu verabschieden. Zudem kann im gleichen Zug auch weiteres Geld aufgenommen werden.
  • Der Abzahlungsbetrag kann angepasst werden, was bei laufenden Krediten nicht einfach möglich ist.

Wann lohnt sich eine Umschuldung?

Eine Umschuldung lohnt sich immer dann, wenn die Zinsen der Neufinanzierung günstiger sind als bereits bestehenden. Gerade bei Kreditkarten oder Dispositionskrediten ist das in der Regel immer der Fall, denn diese Kredite haben Zinsen, die oft im zweistelligen Bereich liegen.

Auch wenn sich die Bonität des Kreditnehmer optimiert hat, kann er bessere Konditionen erzielen als beim ursprünglichen Abschluss eines Kreditvertrages.

Weiterhin ist es hilfreich, in Geldangelegenheiten den Überblick zu behalten, was bei einer Bündeldung von Verpflichtungen wesentlich einfacher zu realisieren ist.

Eines muss jedoch einberechnet werden, und zwar die Entschädigung, welche die Bank dafür berechnet, dass ihr durch eine vorzeitige Rückzahlung Zinsen entgehen.

Ist eine Umschuldung jederzeit möglich?

Rechtlich gesehen zählt eine Umschuldung als vorzeitige Gesamttilgung. Laut § 500 BGB ist das jederzeit möglich. Es gibt keine gesetzlich vorgeschriebene Kündigungsfrist.

Etwas anders sieht es bei Immobilienkrediten aus. Hier gibt es ein eingeschränktes Kündigungsrecht gemäß § 489 BGB. Es besagt, das erst nach Ende der Sollzinsbindung umgeschuldet werden kann, oder, wenn die Sollzinsbindung mehr als zehn Jahre beträgt, zehn Jahre nach der Auszahlung oder der letzten Anpassung des Vertrages. Die Kündigungsfrist beträgt dann sechs Monate.

Sind Umschuldungen in der aktuellen Lage sinnvoll?

Die Lage auf dem Zinsmarkt ist historisch einmalig. Die EZB hat den Leitzins extrem abgesenkt. Das ist der Zins, zu dem Banken sich von der EZB Geld leihen können. Demzufolge sind auch die Zinsen für Verbraucherkredite stark gesunken. Die extremsten Formen waren Minuszinskredite, bei denen man am Schluss sogar weniger zurückzahlen musste, als man sich geliehen hatte. Diese Konditionen haben natürlich nur Personen mit einer sehr guten Bonität bekommen.

Zinsen unter einem oder zwei Prozent sind auch bei einer normalen Bonität aktuell problemlos möglich. Man muss eben nur ordentlich vergleichen und auch die anderen Kriterien einberechnen. Durch die niedrigeren Zinsen sind Ersparnisse von bis zu mehreren tausend Euro möglich. Das lohnt sich in mehrfacher Hinsicht, denn einerseits spart man und andererseits hat man einen sehr guten Überblick über seinen Finanzen.

Welche Kosten können durch eine Umschuldung entstehen?

Die bisher kreditgebende Bank macht durch die vorzeitige Ablösung natürlich einen Verlust, denn ihr entgehen Zinsen. Aus diesem Grund berechnet sie eine  Vorfälligkeitsentschädigung. Diese darf jedoch nicht beliebig hoch sein, sondern darf bei Darlehen, die nach dem 10. Juni 2010 aufgenommen wurden:

  • nur maximal  ein Prozent der Restschuld betragen, wenn noch mehr als 12 Raten fällig wären,
  • nur maximal ein halbes Prozent der Restschuld betragen, wenn nur noch 12 oder weniger Raten offen sind.

Diese Gebühr muss mit der Ersparnis verrechnet werden. Einen Sonderfall stellen Immobilienkredite dar, denn hier gibt es keine Obergrenze bei der Vorfälligkeitsentschädigung.

Es lohnt sich, bei der Suche nach einem Kredit zum Umschulden auch darauf zu achten, dass kostenlose Sondertilgungen möglich sind. Man weiß nie, wann man das gebrauchen kann!

Bildnachweis: Kittiphan / stock.adobe.com

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