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Treppenlift: Grundsätzliches zum Treppenlift

Hier bekommen Sie nützliche und wichtige Informationen zum Kauf eines Treppenlifts oder Aufzugs. Dieser Beitrag gibt Ihnen einen Überblick darüber, welche Arten und Formen von Treppenliften es gibt.

Grundsätzliches zum Treppenlift/Treppenschrägaufzug
Treppen findet man fast überall. Egal, ob nun von einem Stockwerk ins andere oder nur ein paar Stufen, um einen Höhenunterschied zu überwinden. Solange man keine körperlichen Einschränkungen hat, sind Treppen, beziehungsweise das Treppensteigen kein Problem.

Wenn jedoch eine Behinderung oder ein Unfall das Gehen einschränkt oder nicht mehr möglich macht, z. B. durch eine Querschnittslähmung oder aufgrund von typischen Alterserkrankungen wie Rheuma, Arthrose oder Hüftproblemen, kann ein Treppenlift eine wichtige Hilfe sein.

Es wird bewusst das Wort kann verwendet. Ein Treppenlift ermöglicht nur dann ein leichteres Vorwärtskommen im Haus und trägt zur Selbstständigkeit und Mobilität der Gehbehinderten bei, wenn er auf die jeweilige Behinderung abgestimmt ist. Anderenfalls kann er ein teures, nutzloses Hindernis werden, über das man sich nur ärgert.

Mit einem Treppenlift ist zumeist ein Treppenschrägaufzug gemeint. Technisch betrachtet handelt es sich dabei um ein Transportmittel, das eine Last oder eine Person über eine Treppe hinweg befördern kann, der Schräge der Treppe folgend. Ein Treppenlift wird von Personen genutzt, die aus eigener Kraft nicht (mehr) in der Lage sind, die Treppen zu steigen.

Es gibt auch noch andere Geräte und Aufzüge die in den Bereich Treppenlift fallen, jedoch kein Treppenschrägaufzug sind. Hier wird von einem Treppenlift oder Aufzug, im Sinne des überwinden eines Höhenunterschieds gesprochen.

Treppenlift: Im Haus / Außenlift
Der Treppenlift ist grundsätzlich für den Bereich im Haus konzipiert (trocken, wenig bis mittlere Luftfeuchte und Temperaturen zwischen 5-40°C). Es werden jedoch ebenfalls Treppenlifte für den Bereich außerhalb des Hauses angeboten. Diese müssen Regen oder Schnee, daraus resultierende höhere Luftfeuchtigkeit oder Kondensation und ein breiteres Temperaturspektrum (-30-65°C) abdecken. Dies kostet zwangsläufig mehr.

Treppenlift: Unterscheidungsmerkmale
Es gibt den geraden Treppenlift und den kurvigen Treppenlift.

Grader Treppenlift
Der gerade Treppenlift kann ausschließlich eine Gerade fahren, die von der Neigung her eingestellt werden kann. Gängige Treppenneigungen sind 30-35° diese werden von allen Liften bewältigt.

Flachere Winkel sind eigentlich keine Treppen mehr sondern aneinander gereihte Podeste. Wenn diese allerdings regelmäßig verlaufen, kann auch hier fast jeder Lift eingesetzt werden. (Die Neigungsverstellung des Sitzes oder der Plattform muss sich so weit herunter stellen lassen und mechanische Sicherheitseinrichtungen müssen ebenso angepasst werden.)

Treppen zu Dachböden oder Watschel-Treppen (versetzt angeordnete Stufen zum begehen) haben Treppenneigungen von 60-75°. Diese Neigung wird nur von sehr wenigen Liften bewältigt. Wenn es überhaupt geht, kann der Treppenlift meist nur noch die Hälfte des gängigen Gewichts tragen. Die technischen Grenzen machen es an diesen Stellen nur in den seltensten Fällen möglich, einen Treppenlift einzubauen oder. nutzen zu können.

(Sprechen Sie in einem solchen Fall mit der Technischen Abteilung, die Ihnen (schriftlich) zusichert, dass der Treppenlift dies kann! Hier spielen nicht nur die Tragfähigkeit des Lifts eine Rolle, sondern, dass ebenso die sicherheitstechnischen Einrichtungen (z.B. Fangsicherung) diesen Belastungen standhalten und eine sichere und tragfähige Befestigung gewährleistet ist.)

Treppen, die nicht regelmäßig verlaufen (Toleranz >5cm), Treppen die Podeste zwischendurch haben oder am Anfang oder Ende etwas gewendelt sind, eignen sich zumeist ebenfalls nicht für den Einsatz gerader Treppenlifte. Der Einzelfall sollte geprüft werden und hängt maßgeblich von der verbliebenen Beweglichkeit des Nutzers ab.

Ein gerader Treppenlift ist immer günstiger als ein kurviger Treppenlift
Einen geraden Treppenlift auf eine der oben genannten Treppen zu bauen erfordert Sonderbefestigungen und oft kleinere Zusatzumbauten. Maßgeblich ist eine Herstellerkonforme Befestigung (Das heißt, eine wackelige und falsche Befestigung kann Sie mitsamt des Treppenlifts zum Umfallen und somit zu weiteren Schäden bringen (wie steht es dann mit der Haftung für Sie? (schriftliche Zusicherungen))

Die Absturzhöhe darf 50 cm nicht überschreiten, welches bei Treppen mit Podest dann oft vor der 1. Stufe der Fall wäre. Bei gewendelten Stufen muss zum sichern Ein- und Ausstieg auf den Treppenlift die letzte/n Stufe/n verlängert werden und diese müssen von dem Nutzer ohne Treppenlift bewältigt werden. Sofern dies gewährleistet ist, stellt der gerade Treppenlift die günstigere Alternative zum kurvigen Treppenlift dar.

Im Normalfall können Sie den geraden Treppenlift über den Preis und optische Gefälligkeit aussuchen (sogar in Internet). Die geraden Treppenlifte sind inzwischen so einfach geworden, dass eine technisch versierte Person mit der Aufbauanleitung dies in do-it-yourself erledigen kann. (Haftung dann allerdings bei Ihnen selbst.)

Sobald allerdings Sonderlösungen eine Rolle spielen ist der Preis nicht mehr das wesentliche Entscheidungskriterium, sondern Ihre Sicherheit. (Was nützt Ihnen der preiswerteste Treppenlift wenn Sie damit verunglücken (abstürzen) und sich dadurch noch schlimmere Behinderungen zuziehen? Zusätzlich der Frage wer Haftet dafür? 

Kurviger Treppenlift
Der kurvige Treppenlift ist immer eine Sonderlösung. Er wird den speziellen Verhältnissen Ihrer Treppe angepasst. Der kurvige Treppenlift fährt sowohl Geraden als auch Kurven und vollzieht Neigungswechsel.

Der kurvige Treppenlift kann in den meisten Fällen Innenkurven (Treppenlift zeigt zum Mittelpunkt der Kurve) als auch Außenkurven (Treppenlift zeigt vom Mittelpunkt der Kurve weg) fahren. Je nach Modell sind die Kurvenradien unterschiedlich.

Ein kleiner Kurvenradius kann in engen und schmalen Treppenhäusern wichtig sein, um weit genug an der Wand fahren zu können und genügend Platz für den Treppenlift und Restdurchgangsplatz zu haben.

Einrohrsysteme können Bauartbedingt meist engere Kurvenradien fahren als Zweirohrsysteme. Dafür sind Zweirohrsysteme meist kostengünstiger, weil die Stabilisierung und Ausrichtung des Treppenliftes mechanisch über das Zweirohrsystem erfolgt.

Die Fahreinheiten eines kurvigen Treppenlifts sind austauschbar, weil dies immer Standarteinheiten sind (gegebenenfalls müssen Neigungswinkel nachjustiert werden).

Die Fahrschiene ist der Teil, der immer individuell angefertigt wird. Deswegen ist ein genaues Aufmaß (Toleranz < 2 cm) der Treppe und der Raumverhältnisse im Bereich des Treppenlift notwendig. Hierzu müssen auch Stürze, Hindernisse wie Heizungen oder Fenstersimse, der Raum vor und nach der Treppe und so weiter aufgenommen werden.

Fehler, die im Aufmaß gemacht werden, sind in den seltensten Fällen korrigierbar. Sofern Sie sich nicht in dieser Materie wirklich auskennen, machen Sie keine Maßangaben und bestätigen Sie keine Zeichnungen oder geben diese frei. Es gehört zum Auftrag dazu, dass Ihre Treppe (fachmännisch) aufgemessen wird und ebenso die Freigabeverantwortung für Sie übernimmt.

(Die Freigabeverantwortung beinhaltet, dass die Schiene vom Treppenlift einwandfrei passt und der Treppenlift ohne anecken durchfährt.) In Einzelfällen wir sogar ein Vermessungsbüro beauftragt.

Treppenlift: links / rechts (Innenläufer / Außenläufer)
Auf welcher Seite Ihr Treppenlift läuft, ersehen Sie, wenn sie unten vor der 1. Stufe Ihrer Treppe sind. Ist dies links ist es ein Linksseitiger Treppenlift, ist dies rechts ist es ein Rechtsseitiger Treppenlift. Beim geraden Treppenlift oder einem Lift mit nur Neigungswechseln (aber geraden Treppe) gibt es nur linker oder rechter Treppenlift.

Manchmal werden die Begriffe Innenläufer oder Außenläufer verwendet. Dies sagt jedoch nichts darüber aus, ob es ein Linker oder Rechter Treppenlift ist, sondern nur (bei einer gewendelten Treppe) auf welcher Seite der Treppe der Lift fährt.

Am deutlichsten würde dies bei einer Wendeltreppe. Läuft der Treppenlift nahe dem Mittelpunkt der Treppe (Innengeländer / kürzester Weg) wäre es ein Innenläufer. Läuft der Treppenlift am entferntesten Punkt vom Mittelpunkt (Außengeländer / längster Weg) wäre es ein Außenläufer.

Da es aber links- als auch rechtsgewendelte Treppen gibt, wäre die Treppenliftseite wieder von unten vor der 1. Stufe Ihrer Treppe zu ersehen. Lassen Sie sich also durch Innenläufer oder Außenläufer nicht verwirren.

Dazu ist nur anzumerken:
Außenläufer legen einen (von der Neigung) flacheren aber längeren Weg zurück. Durch die geringere Neigung kann dies jeder kurviger Treppenlift.

Allerdings befinden sich im Außenbereich der Treppe an deren Enden oft Türen, die mit der Treppenliftschiene dann verdeckt würden oder sich nicht mehr öffnen lassen würden. Oder die Schiene versperrt einen Durchgang. In solchen Fällen lassen sich Klappschienen einsetzen (dazu später an anderer Stelle mehr).

Der Treppenlift wir oft mit der Länge der Schiene berechnet, weswegen ein Außenläufer teurer als ein Innenläufer kommen kann. Innenläufer legen einen (von der Neigung) steileren aber kürzeren Weg zurück. Je nach Wendelung der Treppe können hier Neigungen von bis zu 90° vorkommen (senkrechtes Hochfahren). Solche Neigungen schafft nicht jeder Treppenlift. Zweischienensysteme enden bei etwa 65° Neigung (bauartbedingt), Einschienensysteme enden bei etwa 75° Neigung.

Ein paar Treppenlifte schaffen die 90° Neigung, jedoch nur für Anfahrten und kurze Strecken. Oft verhindern Treppen-Stürze und die einzuhaltende Absturzhöhe (<50cm) eine längere Senkrechtfahrt (ist nicht zulässig oder machbar). Es mag zwar sein, dass der Treppenlift senkrecht hoch fahren könnte, dies jedoch praktisch keinen Sinn macht, weil Sie z. B. mit dem Kopf gegen die Decke gefahren würden. Es bedarf schon etwas Erfahrung, um Innenläufer zu konzipieren, die nach Einbau praktisch nutzbar sind (dazu später an anderer Stelle mehr).

Einen normalen Treppenlift für den Bereich im Haus, außerhalb des Hauses aufstellen zu wollen, ist, selbst wenn überdacht, keine wirkliche Lösung und bei älteren Treppenliften sogar riskant. Ältere Treppenlifte werden noch mit 230V~ angetrieben. Für außen brauchen diese Lifte mindestens IP W (W=Wetterschutz) oder IP 65 (staubdicht und Schutz gegen Strahlwasser aus allen Richtungen).

Auch alle anderen Treppenlifte für außen, selbst wenn sie auf Akkubasis mit 24V= betrieben werden (und somit Schutzkleinspannung haben) sollten IP 65 haben. Ohne die Staubdichtigkeit bieten Sie Ameisen oder anderen Insekten einen geschützten Nistplatz und ohne die Wasserfestigkeit können Sie Ihren Treppenlift eventuell mit dem Strahl aus dem Gartenschlauch bewegen.

Der Korrosionsschutz muss beim Treppenlift für außen ebenfalls besser / höher sein als bei Treppenlift für innen. Ebenso muss der Sitz Regenwasser vertragen können (kein aufsaugendes Material und Abläufe für das Wasser). Sie tun sich also keinen Gefallen, aus Preisgründen einen Treppenlift für den Innenbereich Außen aufstellen zu wollen (außer Sie wollen den Treppenlift nur über den Sommer betreiben und anschließend verschrotten).

Wenn Sie einen Treppenlift für den Außenbereich brauchen, lassen Sie sich (schriftlich) zusichern, dass es ein Treppenlift für den Außenbereich ist. (Der Preisunterschied ist so groß, dass Verkäufer der Versuchung nachgegeben haben und einen Treppenlift für Innen als Treppenlift für Außen verkauft haben. Nach dem Motto die Oma merkt das doch nicht.)

Treppenlift: Steuerungen (Arten der Bedienung)
Hier nur ein paar grundsätzliche Worte, auf Details wird dann am einzelnen Gerät nochmals eingegangen. Behindertenlifte, wozu ebenso die Treppenlifte gehören sind mit einer sogenannten Totmann-Schaltung eingerichtet. Das heißt, der Treppenlift bleibt sofort stehen sobald die Taste zum Fahren nicht mehr betätigt ist (unabhängig ob am Treppenlift oder der Fernbedienung).

Dies ist eine Vorschrift zur Sicherheit und das wesentliche Unterscheidungsmerkmal zu automatisch fahrenden Liften / Aufzügen (wie z. B. im Kaufhaus). Im überwiegenden Teil der Treppenlifte sind Druck- oder Kipptaster verbaut, die beim Loslassen in die 0-Stellung zurückgehen (in der Armlehne, am Fahrwerk oder als Handsteuerung (meist mit Spiralkabel)).

Druck- oder Kipptaster sind von Personen mit "Schüttel-Lähmung" meist schlecht zu bedienen. Die Fahrt unterbricht sehr oft, weil der Druck für den Schalter nicht aufrecht erhalten werden kann. Als Alternative können kapazitive Näherungsschalter eingesetzt werden (diese erkennen ob die Hand auf eine Fläche aufgelegt wurde), hier spielt ein Schütteln oder Zittern keine Rolle.

Im Einzelfall sollte man prüfen, ob es nicht einfacher ist, dass eine Begleitperson über die Fernbedienung den Treppenlift fährt (Gesundheitszustand der Person die den Treppenlift nutzt beurteilen). Die Fernbedienung als Außensteuerung ist eigentlich bei jedem Treppenlift Standard. Früher wurden diese noch fest verkabelt, heute sind es Optische- oder Funk-Fernbedienungen.

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Stephan Riemann