Familie Praxistipps

So beraten Sie die Eltern von Kindern mit Rechenschwäche

Lesezeit: 2 Minuten Noch mehr üben, noch länger an den Hausaufgaben sitzen, noch häufiger ermahnen – dies sind Reaktionen, mit denen Mütter häufig versuchen, gegen die Rechenschwäche ihres Kindes anzugehen. Wenn Sie merken, dass das "Noch-mehr" sowohl in der Schule als auch zu Hause nicht die erhoffte Wirkung erzielt, beraten Sie die Eltern professionell über das Phänomen "Rechenschwäche".

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So beraten Sie die Eltern von Kindern mit Rechenschwäche

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Rechenschwäche bei Kindern: Den Lernstand mithilfe der Eltern feststellen
Tragen Sie im Elterngespräch die Beobachtungen über die Rechenkompetenz des Kindes zusammen:

  1. Was beobachten die Eltern bei den Hausaufgaben?
  2. Was erleben Sie im täglichen Unterricht bei der Einführung eines neuen Zahlenraums, in Übungsphasen und bei Transferaufgaben?
  3. Was zeigen die Leistungserhebungen?

Rechenschwäche erkennen
Kinder mit einer Rechenschwäche machen die gleichen Fehler wie andere. Doch der Unterschied ist, dass sie diese viel häufiger und viel länger machen. In den ersten beiden Schuljahren fällt auf, dass sie sehr lange Zählhilfen brauchen, z.B. die Finger. Denn sie rechnen zählend, schaffen den Übergang zu operativen Strategien oft lange Zeit nicht und merken sich auch einfache Operationen nicht.

Sie können Mengen schwer einschätzen, vertauschen die Stellenwerte und lernen das Rechnen mit Maßeinheiten nur schwer. Der Zehnerübergang, die Zerlegung von Zahlen und erst recht Umkehr- und Tauschaufgaben gelingen oftmals auch nach vielfachen Wiederholungen nur mechanisch und werden bald wieder vergessen. Das Kind versagt, sobald die Umsetzung bzw. eine Variation verlangt wird.

Eltern berichten oft, dass ihr Kind durch das fleißige Üben die geforderten Rechenoperationen beherrscht.  Doch sobald bei einer Lernzielkontrolle verschiedene Aufgabentypen gefordert werden, versagt es wieder.

Die Eltern frühzeitig einbeziehen
Beobachten Sie diese Probleme über mehrere Monate hinweg, stellen Sie mit den Eltern zusammen einen Förderplan für die Schule und für zu Hause auf. Geben Sie den Eltern außerdem folgende Tipps mit:

  1. Nehmen Sie Ihr Kind so an, wie es ist. Stellen Sie es keinesfalls vor Geschwistern oder anderen Personen wegen seiner Rechenschwäche bloß.
    Stärken Sie Ihrem Kind den Rücken, z.B. mit folgenden ermutigenden Worten: „Rechnen ist nicht deine Stärke. Doch du kannst gut lesen."
  2. Machen Sie Ihrem Kind keine kurzfristigen überhöhten Hoffnungen, z.B. mit: „Wenn du jetzt fleißig übst, bekommst du bestimmt eine Eins."
  3. Legen Sie das Üben vielmehr langfristig an: „Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Ich helfe dir, ein Stückchen besser zu rechnen."
  4. Rechnen Sie spielerisch in Alltagssituationen: Fordern Sie es z.B. beim Tischdecken, beim Aufteilen von Süßigkeiten oder auf dem Weg zum Einkaufen zum Zählen von Tellern, Bonbons oder Straßenkreuzungen auf.
  5. Besorgen Sie Tischspiele, mit denen das Erfassen von Mengen und das Rechnen Spaß macht.
  6. Betonen Sie, was das Kind bereits kann, anstatt die Fehler aufzuzählen. Erkennen Sie das Bemühen an, selbst wenn der Erfolg mager war. Erhalten Sie so das Selbstvertrauen Ihres Kindes.
  7. Finden Sie die Lernstrategien Ihres Kindes heraus. Erweitern Sie diese in kleinen Schritten durch Ihre Unterstützung bei den Hausaufgaben.
  8. Halten Sie die Übungszeit in Grenzen. Das „Mehr" bringt nicht unbedingt mehr, sondern erschöpft und entmutigt.

Empfehlen Sie den Besuch beim Experten
Empfehlen Sie beim Verdacht auf Rechenschwäche auf jeden Fall, den Schulpsychologen einzuschalten. Denn es gilt, das weitere Absinken der Leistungen und Sekundärstörungen aufzuhalten: Teilleistungsschwächen wie die Rechenschwäche strahlen oft auf das gesamte schulische Lernen aus.

Das Kind verliert das Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten und gibt regelrecht auf. Es ist nur noch schwer zur Beschäftigung mit Zahlen und Mengen zu bewegen. Die häufigen Misserfolgserlebnisse dämpfen meist die Freude am gesamten Schulbesuch.

Bitten Sie die Eltern, den Spezialisten aufzusuchen, bevor es zu Vermeidungsreaktionen und psychosomatischen Beschwerden wie Bauch- oder Kopfweh am Morgen kommt. Über sein Fachgutachten oder – je nach Bundesland – das Gutachten eines Facharztes für Kinder- und Jugendlichenpsychiatrie kann das Kind psychologische Hilfestellung durch einen Dyskalkulie-Therapeuten bekommen. In der Regel übernimmt das Jugendamt die Kosten für die Therapie wegen einer drohenden seelischen Behinderung.

Praxis-Tipp
Der Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie bietet Eltern viele ausführliche Informationen. Der Austausch mit anderen Eltern hilft oft über die großen Sorgen hinweg, die durch eine Rechenschwäche entstehen: http://www.legasthenie.net/.

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