Finanzen Praxistipps

Quo vadis Ölpreis?

Warum es mit dem Ölpreis wieder aufwärts gehen könnte

Quo vadis Ölpreis?

Quo vadis Ölpreis?

Liebe Leser,

In den vergangenen Jahren hat der Ölpreis heftige Kapriolen geschlagen. Auch Investments in Ölkonzerne waren beileibe nichts für schwache Nerven. Während der Ölpreis vom Sommer 2002 bis Mitte 2008 von 25 bis auf 150 Dollar je Barrel (WTI) regelrecht explodierte, folgte mit der Finanzkrise und der anschließenden Rezession ein heftiger Absturz, bevor eine massive Gegenbewegung einsetzte. Nach einer längeren Seitwärtsphase von 2001 bis Mitte 2014 um die 100-Dollar-Marke ging es im Folgenden erneut stark bergab.

Fracking sorgte für massives Überangebot….

Der Grund lag vor allem in der drastischen Ausweitung der Ölförderung in den USA. Durch das sogenannte Fracking kam es zu einem massiven Überangebot an Öl. Sie müssen wissen: Alleine von 2012 bis 2015 stieg die Ölförderung in den USA von 6 Mio. Barrel am Tag auf 9,5 Mio. Barrel. Die Zahlen sind umso beeindruckender, wenn Sie diese mit den führenden Ölförderländern vergleichen. Denn mit dem stark erweiterten Angebot hat die USA die Lücke zu den beiden größten Ölproduzenten Saudi Arabien und Russland quasi geschlossen. Die beiden Länder können es in der Spitze auf ein Ölangebot von 10,5 Mio. Barrel am Tag bringen.

…..mit massivem Preisverfall

Die Folgen kennen Sie alle. Der Ölpreis gab bis zum Februar 2016 kräftig nach und notierte zeitweilig nur noch bei 25 Dollar je Barrel. Dieser massive Preisverfall hat vor allem in den USA eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Die Zahl der Bohrtürme in den USA sank um 80% auf nur noch 300 von Oktober 2014 bis zum Mai 2016. Die Ölproduktion brach in der Folge von 9,6 auf 8,4 Millionen Barrel pro Tag ein. Dieser Effekt hat dazu beigetragen, das globale Ölangebot und die Ölnachfrage wieder ins Lot zu bringen. Seit dem vergangenen Sommer ist die Ölproduktion mehr oder weniger konstant während die Nachfrage wieder leicht gestiegen ist.

Was Sie in den kommenden Monaten erwarten können

Die Verdoppelung des Preises seit dem vergangenen Frühjahr hat dazu beigetragen, das Fracking in den USA wieder attraktiver zu machen. Aber nicht nur der wieder anziehende Preis hat die Fracking-Industrie wieder vorangebracht. Auch der starke Fokus auf die Kosten der Unternehmen hat diese deutlich wettbewerbsfähiger gemacht. Denn viele Experten gehen mittlerweile davon aus, dass die Fracking-Firmen bereits ab einem Ölpreis von 35 Dollar je Barrel profitabel arbeiten können. Vor wenigen Jahren benötigten die Firmen hierfür noch Preise von über 80 Dollar.

Es hängt alles von den vereinbarten Förderkürzungen ab

Der zu erwartenden Fördermengenausweitung in den USA und in anderen Ländern steht die Ankündigung von elf der dreizehn OPEC-Länder aus dem November 2016 entgegen, die Ölförderung um 1,2 Millionen Barrel pro Tag zu reduzieren. Hinzu kommen weitere angekündigte Fördermengenkürzungen von elf anderen Nicht-OPEC-Ländern in Höhe von knapp 600.000 Barrel pro Tag.

Werden die Kürzungen der Fördermengen wie vereinbart von allen 22 Ländern umgesetzt, dürfte die Ölnachfrage im Laufe der nächsten Monate das Ölangebot übersteigen. Das wiederum könnte dem Ölpreis spürbaren Rückenwind verleihen.

Aber ob sich wirklich alle Länder an die Förderkürzungen halten, darf stark bezweifelt werden. Zwar ist es für die gesamt Gruppe förderlich, wenn das Ölangebot nicht weiter nach oben gefahren wird. Aber für einzelne Länder besteht natürlich ein Anreiz, die eigene Produktion auszuweiten und zu hoffen, dass sich die anderen Länder an die Vereinbarungen halten.

Für Anleger wie für Experten ist und bleibt die Prognose der Ölpreisentwicklung damit ein schwieriges Unterfangen. Zu kompliziert und undurchsichtig sind die Interessenlagen und Strategien der einzelnen Länder. Sie sollten sich daher auch zukünftig auf eine hohe Volatilität bei der Preisentwicklung des Öls einstellen.

Bildnachweis: phongphan5922 /adobe.stock

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