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Prostatakrebs – wie wird er eingeteilt?

Lesezeit: 2 Minuten Prostatakrebs wird in verschiedene Risikogruppen eingeteilt. Hierzu muss seine Aggressivität bestimmt werden (Grading) und der gesamte Körper auf mögliche Absiedlungen untersucht werden (Staging).

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Prostatakrebs – wie wird er eingeteilt?

Prostatakrebs – wie wird er eingeteilt?

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Grading (Das Gleason-System)

Wenn Prostatakrebszellen im Gewebe einer Probeentnahme (Biopsie) gefunden werden, muss der Pathologe diese Zellen beurteilen. Seine Einstufung beurteilt, wie wahrscheinlich Zellen sich teilen und ausbreiten, also wie aggressiv der Tumor wächst. Wichtig ist auch, wie viele der entnommenen Proben befallen sind.

Die gängigste Klassifizierung heißt „Gleason-Score“. Bei diesem System wird jedem veränderten Gewebebereich ein Wert zwischen 3 und 5 zugeordnet. Werte unter 3 sind „fast normal“. Der Wert 3 beschreibt einen langsam wachsenden Tumor, der Wert 5 steht für eine aggressive Hochrisiko-Form von Prostatakrebs. Zur Bestimmung des Gesamtscores wird der Punktewert der häufigsten Erscheinungsform in den Gewebeproben mit dem aggressivsten Score addiert. Findet sich zum Beispiel überall nur der Wert 3, so ergibt sich ein Gesamt-Gleason-Score von 3 + 3 = 6. Dies ist der am langsamsten wachsende Prostatakrebs. Der höchste Wert von 10 hingegen steht für einen extrem aggressiven Krebstyp. Anderes Beispiel: Finden sich fast nur Tumorzellen mit dem Wert 3, aber vereinzelt auch sehr bösartige der Stufe 5, so ergibt sich ein Gleason-Score von 3 + 5 = 8.

Dieser Gleason-Wert hilft also den behandelnden Ärzten dabei, den Tumor in eine niedrige, mittlere oder hohe Risikogruppe einzuteilen. Im Allgemeinen werden Gleason-6-Tumore als Niedrig-Risiko-Krebs behandelt. Gleason-Stufe 7 stellt die mittlere Risikogruppe dar und alle Werte von 8 oder höher gehen mit einem erhöhten Risiko einher. Daher sollten Sie im Falle einer Prostatakrebsdiagnose mit Ihrem behandelnden Arzt über diesen Wert und seine Auswirkungen auf die möglichen Behandlungsformen sprechen.

Ausbreitungsdiagnostik (Staging)

Nach der Diagnose eines Prostatakrebses muss seine Ausbreitung untersucht werden. Diese Untersuchungen heißen „Staging“. Das Staging beschreibt, ob ein Tumor noch innerhalb der Prostata wächst oder die Organgrenzen verlassen hat, wie ausgedehnt er ist oder ob er sich sogar in andere Bereiche des Körpers ausgedehnt hat.

Das Staging erfolgt einerseits durch die Tastuntersuchung mit dem Finger vom Enddarm her, andererseits auch durch spezielle bildgebende Verfahren.

Zur Beschreibung der Tumorausbreitung im Körper wird das sogenannte TNM-System verwendet. „T“ steht für „Tumor“ und beschreibt das Wachstum in und um die Prostata. „N“ steht für „Noduli“, also Absiedlungen in Lymphknoten und „M“ steht für „Metastasen“, also Fernabsiedlungen in anderen Organen oder im Knochen.

Die Beurteilung des lokalen Wachstums erfolgt über den tastenden Finger und einen Ultraschall mit einer speziellen Enddarmsonde. Prostatakrebs kann in die benachbarten Samenblasen oder in die Harnblase einwachsen. Auch eine Streuung über Lymphbahnen oder die Blutbahn ist möglich. Die Beurteilung der Lymphknoten im Becken und der übrigen Bauchorgane erfolgt durch eine Computertomographie (CT) oder eine Magnetresonanztomographie (MRT). Selten streut Prostatakrebs in andere Organe oder die Lunge, häufig jedoch in das Knochensystem. Die Untersuchung der Knochen heißt Skelettszintigraphie.

Diese Zusatzuntersuchungen sind in der Regel dann notwendig, wenn der Gleason-Score 7 oder mehr beträgt und der Prostatakrebswert PSA höher als 10 ist. Im Verlaufe einer Behandlung werden diese Untersuchungen regelmäßig wiederholt, um mögliche Veränderungen frühzeitig zu entdecken.

Erst wenn alle notwendigen Informationen vorliegen, können Sie gemeinsam mit Ihrem behandelnden Arzt eine Therapieentscheidung treffen und eine mögliche Prognose über den Krankheitsverlauf erhalten. Manchmal werden statistische Erfahrungen aus großen Studien (sogenannte Nomogramme) zu Rate gezogen. Die möglichen Therapieoptionen reichen von einem abwartenden Vorgehen über operative Verfahren und Strahlentherapien bis hin zu medikamentösen Behandlungen.

Viele Männer sterben nicht an ihrem Prostatakrebs, sondern durch andere Ursachen. Dennoch ist die Überlebenswahrscheinlichkeit umso besser, je früher ein Prostatakrebs entdeckt wird. In den letzten Jahren sind die Überlebensraten durch Früherkennungsmaßnahmen und verbesserte Therapieoptionen deutlich gestiegen. Die 5-Jahres-Überlebensrate liegt heutzutage bei 99%, viele Männer können sogar komplett geheilt werden. Auch bei fortgeschritteneren Krankheitsstadien gibt es mehrere neue Therapieoptionen.

Bildnachweis: VadimGuzhva / stock.adobe.com

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