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MRSA: Die 6 wichtigsten Fragen und Antworten

Lesezeit: 4 Minuten Multiresistente Keime wie MRSA (= Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) sind gegen viele Antibiotika unempfindlich und kommen vor allem in Krankenhäusern vor. Daher werden sie umgangssprachlich auch als Krankenhauskeime bezeichnet.

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MRSA: Die 6 wichtigsten Fragen und Antworten

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In diesem Artikel finden Sie die Antworten auf die 6 am häufigsten gestellten Fragen zum Thema MRSA-Infektion und ihrer Behandlung. Die 6 Fragen sind:

  1. Was sind MRSA-Keime und wie sind sie entstanden?
  2. Wo kommen MRSA-Erreger vor und wie werden sie übertragen?
  3. Welche Symptome treten bei einer Infektion mit MRSA auf?
  4. Was macht MRSA-Infekte so gefährlich?
  5. Wie werden Infektionen mit MRSA-Keimen behandelt?
  6. Was geschieht bei einer Sanierung im Rahmen der MRSA-Therapie?

1. Was sind MRSA-Keime und wie sind sie entstanden?

Der Methicillin-resistente Staphylococcus aureus ist ein Bakterium aus dem Stamm Staphylococcus aureus. Diese Bakterienart ist weitverbreitet und besiedelt den Menschen in der Regel ohne eine Erkrankung auszulösen. Sie kommt besonders häufig in der Nase, im Rachen, unter den Achseln oder in der Leistengegend vor. Erst dann, wenn dieser Keim in offene Wunden oder über die Schleimhäute in den Körper gelangt, kann er dort unter Umständen Infektionen auslösen.

Als in den 1960er Jahren in England das Antibiotikum Methicillin entwickelt wurde, stellten Forscher schon kurz darauf erste resistente Bakterienstämme fest. Diese wurden als MRSA (= Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) bezeichnet. Methicillin war daher nur eine kurze Zeit auf dem Markt, dennoch behielt MRSA seinen Namen bis heute bei.

Teilweise wird der multiresistente Erreger inzwischen auch ORSA genannt, nach dem Antibiotikum Oxacillin, das zusammen mit Dicloxacillin und Flucloxacillin zu den heute noch gebräuchlichen Wirkstoffen dieser Gruppe gehört. Bei MRSA-Keimen wirken inzwischen die meisten der Beta-Laktam-Antibiotika nicht mehr, die wirksamsten Waffen bei der Therapie von grampositiven Staphylococcus-Infektionen.

2. Wo kommen MRSA-Erreger vor und wie werden sie übertragen?

MRSA-Keime traten zuerst auf Intensivstationen und in Operationssälen auf. Also an Orten, wo regelmäßig Antibiotikagaben in hoher Dosis notwendig sind. Von dort aus breiteten sie sich rasch auf andere Stationen des Krankenhauses sowie in Alten- und Pflegeheimen aus.

Grund für die schnelle Verbreitung ist die einfache Übertragung von MRSA-Bakterien durch bloßen Hautkontakt. Auch durch Klimaanlagen, auf Gegenständen und Textilien können sich MRSA-Bakterien vermehren. Fachleute gehen inzwischen davon aus, dass weite Teile der Weltbevölkerung diese antibiotikaresistenten Keime auf dem Körper tragen. Die Besiedelung durch MRSA-Keime ist symptomlos und kann nur durch einen Abstrich und die Untersuchung im Labor nachgewiesen werden.

3. Welche Symptome treten bei einer Infektion mit MRSA auf?

Das äußere Auftreten einer MRSA-Infektion präsentiert sich sehr unterschiedlich. Häufige Anzeichen sind:

  • schlecht heilende OP-Wunden,
  • Geschwüre,
  • Abszesse (mit Eiter gefüllte Hohlräume),
  • Furunkel (schmerzhafte Entzündungen des Haarbalgs),
  • Karbunkel (tiefe, eitrige Infektionen nebeneinanderliegender Haarfollikel),
  • Atemwegsinfekte,
  • Harnwegsinfekte,
  • Entzündungen und Abszessbildung am Kieferknochen nach einer Zahnbehandlung,
  • Endokarditis (Entzündung der Herzinnenhaut),
  • Sepsis (lebensbedrohlicher Zustand durch die Vergiftung des Blutes durch MRSA-Keime oder deren Abbauprodukte).

Zu den üblichen Entzündungsmerkmalen wie Schmerzen, Hautrötung und Fieber können je nach Schwere des Infekts gravierendere Komplikationen wie Kreislaufversagen, Nierenversagen und Bewusstseinseintrübungen hinzutreten.

4. Was macht MRSA-Infekte so gefährlich?

Generell stellen MRSA-Bakterien für gesunde Menschen keine Gefahr dar. Diese Bakterienstämme sind nicht aggressiver als die üblichen auf dem Körper vorkommenden Kulturen des Staphylococcus aureus. Es sind vor allem kranke und schwache Menschen, die unter MRSA-Infektionen leiden. Hierbei ist ebenfalls nicht der Erreger selbst das Problem, sondern seine Resistenz gegen viele geläufige Antibiotika.

Risikogruppen sind:

  • Patienten im Krankenhaus sowie Bewohner von Alten- und Pflegeheimen,
  • kürzlich operierte Patienten,
  • Dialysepatienten,
  • Diabetiker,
  • Menschen mit Immunschwäche,
  • Patienten mit Kathetern, venösen oder arteriellen Zugängen,
  • Menschen mit Hautverletzungen oder Brandwunden.

Wie bereits erwähnt, sind MRSA-Keime unempfindlich gegen die meisten Antibiotika der Beta-Laktam-Gruppe. Damit fehlt bei der Behandlung von MRSA-Infekten eine der wichtigsten Medikamentensparten, um diese Erreger in Schach zu halten. Außerdem schädigen diese Bakterienstämme gezielt die weißen Blutkörperchen (Leukozyten), indem sie ihre Zellmembran durchlöchern und dadurch das Absterben der Zellen verursachen.

Da die weißen Blutkörperchen einen wichtigen Beitrag bei der Immunabwehr leisten, wird diese durch die MRSA-Infektion teilweise außer Gefecht gesetzt, was die Entstehung hartnäckiger Infekte weiter begünstigt. Die Therapie einer durch MRSA verursachten Infektion ist daher oft langwierig.

5. Wie werden Infektionen mit MRSA-Keimen behandelt?

Vor der Therapie wird im Labor ein sogenanntes Antibiogramm erstellt. Das bedeutet, dass ein Abstrich von dem Infektionsherd genommen wird, um die Art der Keime zu bestimmen. Die Erreger werden anschließend auf ihre Empfindlichkeit hinsichtlich der einzelnen Antibiotika-Arten untersucht. Mittels dieses Antibiogramms sieht Ihr behandelnder Arzt, welche Medikamente er für die Therapie verschreiben kann.

Zum Einsatz kommen unter Umständen sogenannte Reserveantibiotika. Diese Gruppe der Antibiotika sind ausschließlich für schwere Erkrankungen oder spezielle Infekte mit multiresistenten Keimen vorgesehen. Durch ihre seltene Nutzung haben die Bakterienstämme in der Regel noch nicht ausreichend Zeit gehabt, auch gegen diese Resistenzen zu entwickeln.

Ein Nachteil der Reserveantibiotika ist ihre schlechtere Verträglichkeit. Ebenso sind einige weniger wirksam gegen Infekte mit dem Staphylococcus aureus. Aus diesem Grund wird Ihnen Ihr Arzt in vielen Fällen eine Kombibehandlung mit mehreren verschiedenen Präparaten vorschlagen.

6. Was geschieht bei einer Sanierung im Rahmen der MRSA-Therapie?

Unter Sanierung versteht der Fachmann die Entfernung der MRSA-Erreger aus dem Körper. Dieses Verfahren wird auch Dekontaminierung genannt. Diese Maßnahme ist sowohl bei infizierten Patienten sinnvoll als auch bei gesunden Trägern.

Die Sanierung besteht bei gesunden Menschen mit MRSA meist in der Gabe von desinfizierenden Produkten wie Seife, Shampoos, Nasensalbe, Hautsalbe und Rachensprays. Die Behandlung dauert etwa fünf bis sieben Tage an, dann erfolgt ein Kontrollabstrich. Weisen die Laboruntersuchungen keine MRSA-Bakterien mehr nach, gilt die Sanierung als erfolgreich. Anderenfalls werden die Maßnahmen gegebenenfalls noch einige Tage fortgeführt.

Bei Menschen mit MRSA Infektionen ist die Sanierung in der Regel ebenfalls Teil der Therapie. Oft erschweren hier das Bestehen offener Wunden, Katheter oder Zugänge die Behandlung. Daher kann sie oftmals erst nach erfolgreicher Wundheilung und/oder der Entfernung dieser Fremdkörper erfolgreich wirken. Wie bei gesunden Trägern gehören auch hier regelmäßige Laborkontrollen zu den Sanierungsmaßnahmen.

Fazit:

MRSA-Keime tragen viele Menschen in sich, ohne es zu bemerken. Diese Erreger werden erst dann zum Problem, wenn sie in Wunden gelangen oder in die Körper abwehrgeschwächter Menschen eindringen können. Wichtige Hygienemaßnahmen, um eine Übertragung von oder eine Infektion mit MRSA-Keimen zu vermeiden, sind daher:

  • regelmäßiges, gründliches Händewaschen,
  • gute Handhygiene vor und nach einem Besuch im Krankenhaus,
  • schnelle Wundversorgung von Schnitten und Abschürfungen mit geeigneten Desinfektionsmitteln (z. B. Jodsalbe) und sauberem Verbandszeug.

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