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Mit einer Geschichte erfahren, was Ihr Kind bedrückt

Lesezeit: 3 Minuten Sie haben den Eindruck, Ihr Kind bedrückt etwas? Es rückt aber nicht mit der Sprache heraus, wenn Sie direkt danach fragen? Versuchen Sie über einen Umweg. Lesen Sie Ihrem Kind meine Geschichte vor und überlegen Sie gemeinsam, welche Wünsche Ihnen "Gurinius, der Geist aus dem Gurkenglas" erfüllen soll.

3 min Lesezeit
Mit einer Geschichte erfahren, was Ihr Kind bedrückt

Mit einer Geschichte erfahren, was Ihr Kind bedrückt

Lesezeit: 3 Minuten

Kindersorgen auf der Spur

Auch Kinder haben Sorgen. Diese können ganz harmlos sein, weil sie – aus unserer Erwachsenensicht – am nächsten Tag vergessen sind. Dazu gehört ein kindlicher Streit mit der besten Freundin. Ebenso der verschossene Elfmeter in der Bambini-Klasse. Doch Kinder tragen auch Lasten, die sich auf das ganze Leben auswirken: Hat Mama mich nach dem Streit noch lieb? Werde ich es aufs Gymnasium schaffen?

Sie haben einen Wunsch frei

Ob es klein oder groß ist, was Kinder bedrückt. Oft rücken Sie mit der Sprache nicht heraus, wenn Sie direkt danach fragen. Eine Geschichte hilft dabei, die geheimen Ängste und Sehnsüchte Ihres Kindes zu erfahren.

Lesen Sie gemeinsam die kurze Geschichte: „Gurinius, der Gurkengeist“. Überlegen Sie anschließend, was Ihr Kind oder Sie selbst sich wünschen würden, wenn Sie im Sommerurlaub am Strand ein Gurkenglas ausbuddeln, aus dem ein bunt schillernder Guter Geist wabert. Es muss aber ein Herzenswunsch sein. Denn anders als bei der guten Fee, gewährt Gurinius nur einen einzigen.

Drucken Sie zum Vorlesen die Geschichte „Gurinius, der Gurkengeist“ mit Illustration als pdf-Datei aus.

Gurinius – der Gurkengeist

Rebekka grub ihre Zehen in den feuchten Sand. Das fühlte sich so gut an. Eine Welle schwappte über ihre Füße und zog sich wieder zurück. Nanu! Das Meerwasser hatte Sand mitgenommen und unter ihren Füßen etwas Glattes, Hartes freigelegt. Einen Stein vielleicht? Rebekka bückte sich und grub mit der Hand. Das war nicht einfach, denn in der anderen hielt sie ihre Tüte Eis. Schnell war klar. Ein Stein war es nicht.

Es war eine Flasche. Nein: „Ein Gurkenglas“, stieß sie überrascht hervor. Im Glas bewegte sich etwas. Das Eis tropfte ihr über die Hand, doch vor Aufregung bemerkte sie das nicht. Sie zog das Glas aus der Sandkuhle, klemmte es zwischen ihre Knie und schraubte es auf. Heraus waberte eine bunte Wolke. Rebekka ließ das Glas in den Sand fallen und starrte mit offenem Mund und großen Augen auf die blubbernde Farbenpracht.

„Ahhhhh. Endlich recken, endlich strecken“, seufzte es aus der Wolke. Rebekka erkannte ein freundliches Gesicht darin. Es grinste sie an und meinte verschmitzt: „Tagchen. Ich bin Gurinius, der Gurkengeist. Du hast einen Wunsch frei.“ Rebekka erholte sich schnell vom ersten Schreck und fragte: „Wieso nur einen? Im Märchen gibt es immer drei Wünsche.“

Gurinius kicherte. „Du hast recht. Die Flaschengeister aus dem Morgenland sind großzügiger als ich. Die guten Feen auch. Bei mir gibt es nur einen Wunsch.“

Rebekka stammelte: „Ja, also, dann hätte ich gern … mehr Süßigkeiten.“ Gurinius runzelte die Stirn: „Mehr als was. Mehr als letzte Woche, mehr als dein Bruder?“ Das Mädchen winkte ab. „Nein, vergiss die Süßigkeiten. Ich möchte einen Hund.“ „Einen Collie, Pudel oder Bernhardiner?“, fragte der Gurkengeist.

„Ich weiß nicht“, stotterte Rebekka. „Vielleicht nehm´ ich lieber eine Katze?“ „Getigert, gefleckt, mit wuscheligen oder glatten Haaren?“, wollte Gurinius es genauer wissen. Das Mädchen sah ratlos aus. Wünschen war gar nicht so leicht. In diesem Moment hörte Rebekka ihre Mutter rufen. „Oh nein. Ich muss gehen. Wir fahren nach Hause.“ Tränen schossen in ihre Augen. „Mir fällt kein Wunsch ein. Hätte ich doch nur mehr Zeit.“

Gurinius beugte sich hinunter und flüsterte ihr etwas ins Ohr. „Das ist es!“, rief das Mädchen und sprach feierlich: „Ich wünsche mir, dass wir uns im nächsten Urlaub wieder hier treffen.“ Der Gurkengeist nickte. Der Wunsch war gewährt.

Rebekka machte sich auf, durch den Sand zur Mutter zu stapfen. Doch Gurinius tippte ihr mit der wolkigen Hand auf die Schulter und räusperte sich: „Darf ich mir auch was wünschen? Rebekka nickte. „Ich würde gerne an deinem Eis schlecken. Immer nur der Geschmack von sauren Gurken auf der Zunge. Das wird mit der Zeit langweilig.“

Strahlend hielt das Mädchen ihm das Waffelhörnchen mit dem tropfenden Eis-Rest entgegen. Genüsslich leckte Gurinius daran und verschwand mit einem jubelnden Heuler im Gurkenglas. Und nun willst du wissen, ob Rebekkas Wunsch in Erfüllung gegangen ist? Natürlich. Gurinius hielt Wort. Im nächsten Jahr fand sie an derselben Stelle das Gurkenglas wieder und wusste dann ganz genau, was sie sich wünschte.

Was wünschst du dir, wenn du Gurinius ausbuddelst?

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Bildnachweis: AYAimages / stock.adobe.com

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