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Mangelnde Liquidität mit Factoring ausgleichen

Das Monatsende naht und Ihr Geschäftskonto weist nicht genug Guthaben aus, um Gehälter, Versicherungsbeiträge, Kreditraten und Miete zu zahlen? Dann befindet sich Ihr Unternehmen in einem Liquiditätsengpass, den Sie schnell beheben sollten. Als Lösung bietet sich Factoring an. Dabei handelt es sich um den Verkauf offener Rechnungen mit Zahlungsziel an einen Factoringanbieter. Den genauen Ablauf des Forderungsverkaufs zur Steigerung der Liquidität erfahren Sie hier!

Mangelnde Liquidität mit Factoring ausgleichen

Mangelnde Liquidität mit Factoring ausgleichen

Was ist Factoring?

Der Begriff Factoring stammt von der lateinischen Vokabel factura ab, die übersetzt Rechnung bedeutet. Es handelt sich um die Übertragung einer offenen Forderung auf einen neuen Gläubiger. Dabei kann es sich um ein Kreditinstitut oder um einen speziellen Factoringanbieter handeln. Für den Ankauf der offenen Forderungen berechnet der Factor Zinsen und Gebühren. Diese Kosten muss der Verkäufer tragen, der auch als Kreditor bezeichnet wird. Ein anderer Begriff für die Schuldner ist Debitoren.

Es handelt sich um eine zeitgemäße Form der Unternehmensfinanzierung, die Sie schnell und einfach in die Wege leiten und nutzen können. Damit Sie bei Abschluss des Factoringvertrages die passende Finanzierung erhalten, informiert Sie der Factoringanbieter über die verschiedenen Factoringarten, die er im Programm hat.

Welche Factoringarten gibt es?

Da es den Verkauf offener Forderungen schon seit dem 17. Jahrhundert gibt, haben sich im Laufe der Zeit verschiedene Factoringarten entwickelt. Hier ein Überblick über die am meisten genutzten Varianten:

  • Echtes Factoring, bei dem das Risiko eines Zahlungsausfalls, auch als Delkredererisiko bezeichnet, auf den Factoringanbieter übergeht.
  • Unechtes Factoring, bei dem der Kreditor das Delkredererisiko weiterhin selbst trägt.
  • Offenes Factoring, bei dem die Debitoren durch einen Abtretungsvermerk in der Rechnung oder im Kaufvertrag über den Forderungsverkauf informiert werden.
  • Stilles Factoring, bei dem es keine Information an die Schuldner gibt.
  • Full Service Factoring, bei dem der Factoringanbieter neben der Finanzierungsfunktion auch die Delkrederefunktion und die Dienstleistungsfunktion übernimmt, indem er auch die Debitorenbuchhaltung ausführt.
  • Inhouse Factoring, bei dem der Kreditor nur die Finanzierungsfunktion nutzt und das Debitorenmanagement selbst übernimmt.
  • Reverse Factoring, bei dem sich der Debitor darum kümmert, dass der Verkäufer die offene Rechnung von einem Factoringanbieter vorfinanziert bekommt.
  • Fälligkeitsfactoring, bei dem der Kreditor die Dienstleistungsfunktion und die Delkrederefunktion des Factors nutzt, aber das Geld erst bei Erreichen des Zahlungsziels erhält.
  • Sonderformen wie VOB-Factoring für die Baubranche oder Mietfactoring als Absicherung gegen Mietausfälle.

In der Praxis nutzen vor allem kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in Deutschland das Full Service Factoring. Diese Factoringart bietet den Unternehmen die meisten Vorteile, da sie sofort ihre Liquidität steigern können, keinen Zahlungsausfall mehr befürchten müssen und sie die Debitorenbuchhaltung auslagern können.

Wie gleicht Factoring mangelnde Liquidität aus?

Ein großer Vorteil des Forderungsverkaufs ist der schnelle Zahlungsfluss. Nachdem Sie einen Vertrag mit einem Factoringanbieter abgeschlossen haben, erhalten Sie Zugang zum Online-Portal des Factors. Ab diesem Zeitpunkt können Sie Rechnungen mit Zahlungsziel online zur Prüfung einreichen. Wenn die Rechnung allen Anforderungen entspricht, überweist der Factor schon nach 24–48 Stunden circa 80 % des Rechnungsbetrages. Das restliche Geld erhalten Sie bei Fälligkeit der Rechnung.

Wenn Sie sich für Full Service Factoring entschieden haben, spielt es keine Rolle, ob Ihr Kunde die Rechnung pünktlich bezahlt oder nicht. Sie erhalten in jedem Fall das Geld und können so die Liquidität Ihres Unternehmens stärken oder eine Liquiditätslücke schließen. Da es sich um einen fortlaufenden Prozess handelt, gleicht jede ausgestellte Rechnung mangelnde Liquidität sofort aus. Dadurch können Sie Ihren Kunden großzügige Zahlungsziele von 30–90 Tagen anbieten, ohne den Cashflow zu unterbrechen. Bei allen Vorteilen, die Ihnen der Verkauf offener Forderungen bietet, müssen Sie jedoch auch die Kosten beachten, die Ihnen der Factoringanbieter in Rechnung stellt.

Was kostet der Forderungsverkauf?

Wenn Sie den passenden Factoringanbieter für Ihre Branche und Ihre Bedürfnisse gefunden haben, schließen Sie einmalig einen Vertrag mit dem Factor ab. Der Vertrag enthält neben anderen wichtigen Angaben wie Laufzeit, Auswahl der Debitoren, Abrechnungsbedingungen und Art der Forderung auch Angaben über die Kosten, die durch den Forderungsverkauf entstehen.

So setzen sich die Factoringkosten zusammen:

  1. Factoringgebühr: Mit der Factoringgebühr stellt der Factoringanbieter seinen administrativen Aufwand für die Prüfung der eingereichten Rechnungen und die schnelle Überweisung an den Kreditor in Rechnung. Die Höhe der Gebühr hängt außerdem davon ab, welche Dienstleistungen der Factor übernimmt.
  2. Prüfgebühr: Mit der Prüfgebühr berechnet der Factor seine Aufwendungen für die Bonitätsprüfung der Debitoren. Die Überprüfung der Zahlungsfähigkeit findet bei Abschluss des Factoringvertrages und danach einmal im Jahr statt.
  3. Zinsen: Für die Vorfinanzierung der offenen Rechnungsbeträge stellen die Factoringanbieter Zinsen in Rechnung. Die Höhe des Zinssatzes richtet sich nach der Bonität und dem Jahresumsatz des Kreditors.

Der Factoringanbieter stellt die Kosten monatlich oder vierteljährlich in Rechnung. Ein Vergleich mit einem Bankkredit zeigt in vielen Fällen, dass der Forderungsverkauf eine günstige Alternative zu einem Darlehen ist. Daher stellt Factoring vor allem für KMU eine gute Alternative zum Ausgleich mangelnder Liquidität dar.

Bildnachweis: makibestphoto / stock.adobe.com

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