Praxistipps Reisen

Lernen Sie die heimliche Hauptstadt der Schweiz vom Wasser aus kennen

Lesezeit: 7 Minuten „Nein, Zürich ist nicht Hauptstadt der Schweiz, das ist Bern“. Darauf wird Sie jeder Schweizer hinweisen, falls Sie Zürich zur Hauptstadt ernennen. Die am meisten besuchte Schweizer Stadt ist nur die heimliche Hauptstadt. Sie sollten die heimliche Hauptstadt Zürichs unbedingt vom Wasser aus kennenlernen. Ich nehme Sie mit Kapitän Sigillo mit auf eine kleine Kreuzfahrt.

7 min Lesezeit
Lernen Sie die heimliche Hauptstadt der Schweiz vom Wasser aus kennen

Lernen Sie die heimliche Hauptstadt der Schweiz vom Wasser aus kennen

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„Nein, die „Regula“ ist kein High-Society-Boot eines reichen Reeders, auch kein Partyschiff“, erklärt der Kapitän des Limmatbootes auf gut verständlichem Schweizerdeutsch.

Das Schiff kreuzt als ganz normales Verkehrsmittel den Zürich-See und die Limmat, den Fluss der Stadt. Steigen Sie ein und genießen Sie die Aussicht von Bord aus oder steigen Sie ein und aus, um die vielen Sehenswürdigen am Wegesrand kennenzulernen.

Tickets für die Limmat- und Zürichsee-Schifffahrt können Sie an den Zentralpunkten Schiffssteg Enge oder Bürkliplatz kaufen: „Entweder Sie machen die kleine Rundfahrt über Küsnacht, Erlenbach, Thalwil und zurück, die große Rundfahrt über Küsnacht – in Küsnacht wohnt übrigens Tina Turner-, Meilen, die Insel Ufenau bis nach Rapperswil, über Richterswil, die Halbinsel Au und wieder zurück oder an die große Rundfahrt anschließend noch die Obersee Rundfahrt von Rapperswil nach Schmerikon ans Ende des Sees, über Lachen und die Insel Ufenau wieder zurück“, rattert der Ticket-Verkäufer all die Sightseeing-Hotspots am Zürich-See herunter. „Oder Sie fahren ab Bürkliplatz mit dem Limmatboot auf dem Stadtfluss in die andere Richtung.“

Dort schippern Sie mit der schnittigen „Regula“ entlang unzähliger Sehenswürdigkeiten. Eine schöner als die andere. Die Fahrt bietet eine wunderbare Möglichkeit, Stadt, Land und Fluss kennenzulernen.

An Bord der „Regula“, „Felix“ oder „Turicum“

Neben exakten Anlegemanövern steuert Sigillo das Limmatboot „Regula“ unter den nur wenige Meter niedrigen Brücken hindurch. Die Münsterbrücke zum Beispiel zwischen Nieder- und Oberdorf schwebt nur 2,1 Meter Pfeilhöhe über der Wasseroberfläche.

Im 19. Jahrhundert gab es hier nur ein Holzsteg, der es Reitern verbot, die Brücke mit Pferden zu passieren. „Das ging so weit, dass ein Pferd beschlagnahmt werden konnte“, weiss der Kapitän zu berichten: „Die Brücke, wie sie bis heute aussieht, wurde erst im Jahr 1838 erschaffen.“

Die Fahrt geht vorbei am „Bauschänzli“, einem Rest der barocken Stadtbefestigung aus dem 17. Jahrhundert, die damals Anlegeplatz für die Dampfschiffe war. Heute ist die Location mit 1000 Sitzplätzen eine der größten Gartenbeizen (Biergarten) Europas und bei Oktoberfest-Fans aus aller Herren Länder beliebt. Auf der schweizerischen Variante der Münchner Wiesn, der „Züri-Wiesn“ leeren hier Zürich-Fans mit speziell gebrautem Oktoberfestbier gefüllte Krüge anstelle der in München beliebten „Augustiner- oder Löwenbräu-Maß“. (nächste Züri-Wiesn: 7. Oktober bis 5. November 2016).

Auf dem Oktoberfestareal der „Landiwiese“ findet ebenso das alljährliche Theater-Spektakel statt, wo die dargestellte Kunst im Vordergrund steht.

Neben Performances und Bier, Gauklern und Leckereien stellt der Künstler „Eden Tal“ aus dem Kreis 2 dieses Mal die viele Meter lange Kunstkarte seiner Stadt aus. Das in Bleistift gefertigte Werk ist grandios-filigran und regt zu einer heiteren Diskussion mit dem Künstler an: Er zeigt Ihnen gern auf, wo was liegt.

Die Sieben-Brücken-Tour

Durch die Gischt, knapp über der Wasseroberfläche, schauen Sie durch die großen Schiffsfenster direkt aufs Ufer und damit auf die Zürcher Sehenswürdigkeiten. „Bleiben Sie an Bord, dauert die Fahrt circa 50 Minuten“, erklärt Kassiererin Jennifer Dali – daneben sei sie auch Matrose: „Nein, nicht Matrosin. Matrose.“

Auf der Fahrt zieht ein Zürich-Sightseeing-Hotspot nach dem nächsten an Ihnen vorbei, wie das im Jahr 1888 erbaute „Frauenbadi“, das damals ein in sich abgeschlossener Bau war, der die badenden Frauen vor Blicken schützte. Das offene Aussenbecken kam erst später dazu.

Tagsüber steht das Bad weiterhin nur den Frauen zur Verfügung – abends wandelt es sich in eine „Barfußbar“, die ebenso Männer willkommen heisst.

Gleich nebenan liegt das neugotische „Stadthaus“ aus den Jahren 1888 bis 1900. In seinen Säulengalerien werden heute wechselnde Kunstausstellungen gezeigt.

Das im Jahr 853 nach Christusvon König Ludwig dem Deutschengestiftete „Fraumünster“ mit seinem Kloster ist eines der großen Wahrzeichen Zürichs. Das spektakuläre Gotteshauses präsentiert die grösste Orgel im Umkreis der Stadt und die berühmten Kirchenfenster von Marc Chagall und Augusto Giacometti.

Die Bronzestatue Hans Waldmanns davor stellt einen der bedeutendsten Zürcher Bürgermeister dar, der im Jahr 1483 in dieses Amt gewählt, sechs Jahre später auf Druck der Bauern, die seine diktatorischen Landesreformen nicht akzeptierten, hingerichtet und dann im „Fraumünster“ beigesetzt wurde.

Spaziergang durchs Dörfli

Entweder legen Sie mit dem Limmatboot im Niederdorf an, oder Sie gelangen zu Fuss über die Rathausbrücke ins Dörfli. Die fast wie ein Platz so breite Rathausbrücke, im Volksmund Gemüsebrücke genannt, geografischer Mittelpunkt der Altstadt und verbindet beide Ufer und war bis ins 19. Jahrhundert einzige befahrbare Verbindung über den Fluss. Damals boten Bauern aus der Umgebung auf dem Marktplatz der Stadt Gemüse, Obst und andere Waren feil.

„Nächster Halt Limmatquai!“

Am Limmatquai kann es sein, dass mit einem Kapitänswechsel (Kapitän Sigillo) auch Matrose Jennifer Dali das Schiff verlässt, denn die Fahrt verantwortet ein jeweils ein Zweierteam.

„Die Limmatboot-Begleiterin Jennifer Dali ist ein besonders nettes „Aushängeschild“ für all jene, die in meine Stadt kommen“, so eine im „Dörfli“ arbeitende Serviererin.

Gefalle Menschen aus aller Welt ihre Stadt und kämen sie gern wieder, sei sie auch ein wenig stolz, so die Schweizerin, denn Zürich ist ja die heimliche Hauptstadt der Schweiz und eben auch ein Schmuckstück.“

Bevor das Limmatboot „Regula“, das nach einer der Schutzheiligen der Stadt benannt ist, mit neuer Besatzung unter Kapitän Gamma wieder beidreht, können Sie im Niederdorf aussteigen.

Direkt am Quai befindet sich die „Wasserkirche“ mit ihrer turbulenten Geschichte. Hier sollen die Stadtheiligen „Felix“ und „Regula“ den Märtyrertod gestorben sein.

Beliebter Pilgerort im Mittelalter, Warenlager während der Reformation, spätere Markthalle, ab 1634 Herberge der Stadtbibliothek und seit 1942 wieder Gotteshaus, können Besucher heute den angeblichen Hinrichtungsstein der Stadtheiligen in der unterirdischen Krypta besichtigen.

Direkt an die Kirche angebaut, beherbergt das historische „Helmhaus“ heute wechselnde Kunstausstellungen.

Art, Magazine zur Kunst und Fotografie, antiquarische Bücher oder Postkarten finden Sie auch im Kunstkiosk des Architekten Conrad Bluntschli unter den Arkaden des Baus.

In der Niederdorfgasse, zum Beispiel in der „Tina Bar & Brasserie Louis“ sollten Sie unbedingt einen Break machen und hier fast wie in Italien mit einem einheimischen Bier oder einem Wein das „Dolce far niente“ – das süße Nichtstun genießen – bevor Sie sich zum „Großmünster“ aufmachen.

Sightseeinghotspot Grossmünster

Im hinteren Niederdorf liegt das monumentale „Grossmünster“ mit seinen beiden Türmen, dessen Gründung ins Jahr 1100 zurückreicht. Das Grossmünster ist „Das“ Wahrzeichender Stadt.

Charakteristisch für den Sakralbau aus dem Jahr 1230 (deutsche Romanik) ist der Westbau mit zwei Türmen, jedoch ohne Portal an seiner Front. Beide Türme trugen spitze Abschlüsse, die nach einem Blitzschlag im Jahr 1763 restauriert werden konnten. Vom öffentlich zugänglichen „Karlsturm“ genießen Sie eine atemberaubende Sicht über die Stadt, den See und den Fluss bis hin zu den Alpen.

Ebenso rechtsseitig der Limmat befindet sich das „Rathaus“ (Bauzeit 1694 bis 1698), das der Stadt-BaumeisterJohann Holzhalb dem Stil der Renaissancepaläste nachempfunden hat.

Wenn Sie hier wieder auf das Limmatboot steigen, schippern Sie entlang der Zunfthäuser, vorbei am „Hotel zum Storchen“, „St. Peter“ und der „Schipfe“, sehen am Ufer den „Lindenhof“, die „Urania Sternwarte“ und die „Urania Polizeihauptwache“.

Wo sich heute der Mühle-Steig befindet, verband damals der Untere Mühle-Steg das rechte Limmatufer mit dem „Werd“ (Insel), auf dem Pulver-, Mehl- und Papiermühlen angesiedelt waren. Von dort aus führte das „gedeckte Brüggli“ über einen schmalen Flussarm zum linken Limmatufer – im Jahr 1950 wurde es abgetragen, an diese Stelle des Flussarmes eine Strassenunterführung gesetzt und die ehemalige Insel mit einem Kaufhaus-Provisorium (Architekt Karl Egender) überbaut, das heute als bekanntes Baudenkmal die Schweizer Avantgarde kennzeichnet.

Auf dem Werd-Areal im Limmatfluss residierte „Globus“ zur Zeit der Errichtung des neuen Standortes an der Bahnhofstrasse. Heute können Sie hier auf „Langen Shopping-Nächten“ auch nach Sonnenuntergang einkaufen gehen.

Sightseeinghotspot „Zunfthaus zur Meisen“

Das „Zunfthaus zur Meisen“, ein repräsentativer Rokoko-Bau aus dem 18. Jahrhunderts gilt als schönstes Zunfthaus der Stadt Zürich. Wenn Sie mögen, können Sie aussteigen und im Zunfthaus das Porzellanmuseum besuchen.

Sightseeinghotspot „Hotel zum Storchen

Das einzige 4-Sterne-Hotel am Weinplatz zeichnet sich seit 650 Jahren für seine Gastlichkeit aus. Der Legende nach bekam das Haus am Fluss seinen Namen durch ein Storchenpaar, das auf dem Dach des Hauses nistete. Störche gelten als Glücksbringer für Haus, Hof und deren Gäste.

Sightseeinghotspot „St. Peter“

Die erstmal 857 nach Christus erwähnte Kirche „St. Peter“, eine der drei Altstadt-Kirchen, ist das älteste religiöse Zentrum der Stadt, dessen Turm bis 1911 als Brandwache genutzt wurde. Heute ist „St. Peter“ für Europas grösstes Ziffernblatt mit 8,7 Metern Durchmesser berühmt.

Sightseeinghotspot „Schipfe“

In einem der ältesten Teile der Stadt, unterhalb der Mauern des Lindenhofes finden Sie die Gasse „Schipfe“, die im Mittelalter Umschlagplatz für allerlei wichtige Güter war. Sie ist bis heute jene Handwerkergasse geblieben, in der sich die Fachleute gern ein wenig mehr Zeit für Ihre Kunden nehmen.

Sightseeinghotspot „Lindenhof“

Der „Lindenhof“ mit seiner Aussichtsterrasse hoch über der Limmat war einst Zentrum der römischen Siedlung „Turicum“, dem heutigen Zürich. Lange Zeit war die Anlage Zürichs einzige öffentliche Grünanlage innerhalb der Stadtmauern.

Sightseeinghotspot „Urania Sternwarte“

Die „Urania Sternwarte“ mit Ihrem 51 Meter hohen Turm ist nicht nur Aussichtspunkt in die Sterne, sondern auch höchste Weinbar der Stadt. Von hier aus genießen Sie tags wie nachts einen grandiosen Blick bis hin zu den Bergen.

Sightseeinghotspot „Polizeihauptwache Urania“

Die „Polizeihauptwache Urania“mit ihrer gewölbten und bemalten Eingangshalle im Amtshaus 1 beherbergte seinerzeit das Waisenhaus, die sogenannte „Blüemlihalle“ des Künstlers Augusto Giacometti wurde im Jahr 2000 restauriert.

Sightseeinghotspot Zürcher Hauptbahnhof

Der „Zürcher Hauptbahnhof“ wurde im Jahr 1871 eingeweiht – an seiner Front befindet sich die goldene Säule, die den Kilometer Null des Schweizerischen Bahn-Streckennetzes markiert. Im Jahr 1847 startete von hier erstmals die sogenannte „Spanisch-Brötli-Bahn“ nach Baden.

Durch die schnelle Hin- und Rückfahrt konnte ab sofort die reiche Zürcher Gesellschaft mit den beliebten ofenfrischen Blätterteig-Spezialitäten (Spanisch-Brötli) aus Baden beliefert werden.

Sightseeinghotspot „Landesmuseum“

Der schlossartige Bau des „Landesmuseums“ aus dem Jahr 1898 beherbergt die größte Sammlung der Schweizer Kulturgeschichte – in seinem Innenhof finden zahlreiche Veranstaltungen statt. Hinter dem Gebäude finden Sie den Platzspitz-Park, der sich bis in die Landspitze hineinzieht, an der der Fluss Sihl, der unter dem Hauptbahnhof hindurch fließt, in die Limmat mündet.

Sightseeinghotspot „Eidgenössische Technische Hochschule“

Auf der gegenüberliegenden Seite liegt die im Jahr 1855 als „Eidgenössisches Polytechnikum“ gegründete Eidgenössische Technische Hochschule (ETH).

Im Jahr 1864 bezog die Schule das von Gottfried Semper entworfene klassizistische Hauptgebäude. Von der Polyterrasse vor dem Haus aus genießen Sie einen weiten Blick über die Stadt. Die Hochschule ist mit der im Jahr 1889 in Betrieb genommenen Polybahn vom „Central“ (Haltestelle) aus in wenigen Minuten erreichbar.

Sightseeinghotspot „Predigerkirche

Der Predigerorden findet in Zürich erstmalig im Jahr 1231 Erwähnung, die „Prediger-Kirche“, im Stil einer romanischen Basilika im Jahr 1269 vollendet, ist zum großen Teil noch heute erhalten.

Sightseeinghotspot Universität Zürich

Die „Universität Zürich“ wurde im Jahr 1833 als erste demokratische Universität ohne Einfluss von Kirche oder Landfürsten gegründet und ist bis heute eine angesehene Bildungsstätte. In den Jahren zwischen 1908 und 1914 wurde ihr Hauptgebäude nach Plänen des Architekten Karl Moser erbaut.

Tickets für die Schifffahrt

Wo Sie das Limmatboot finden, wo Sie Tickets buchen können und Fahrplanauskünfte bekommen:

  • Bürkliplatz Zürich (nahe Steg 6)
     
  • Zürichsee Schifffahrt Mythenquai 333

Spezial-Niederdorf-Tipp

Um das Jahr 1916 trafen sich Poeten, Schriftsteller, Künstler, Revolutionäre, Philosophen,Psychoanalytiker und Wissenschaftler aus dem Ausland in Zürich, um dem Ersten Weltkrieg zu entkommen. Hier, in der neutralen Schweiz fanden sie Zuflucht – hier konnte die DADA-Bewegung („Revolte“, „Psyché“ und „Amusement“) entstehen, die Sie heute 100 Jahre später im „Cabaret Voltaire“ kennenlernen können und wo Sie erfahren, woher das Wort DADA kommt.

Bildnachweis: emperorcosar / stock.adobe.com

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