Lebensberatung Praxistipps

Lebe selbst, statt Dich leben zu lassen!

Lesezeit: 3 Minuten Sie fühlen sich krank. Sie sind ständig müde, fühlen sich ausgelaugt und überfordert. Sie sehen manchmal keinen Sinn darin, morgens aufzustehen. Es wird ja wieder ein Tag wie jeder andere. Voll von Verpflichtungen, Aufgaben und Zeitnöten. Klar - Sie leiden an Burn-out.

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Lebe selbst, statt Dich leben zu lassen!

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Daraus wird wohl nix. Zu einfach gedacht. Burn-out ist nämlich keine Krankheit, sondern – psychologisch betrachtet – eine Ansammlung von Symptomen, die mit Problemen bei der Lebensbewältigung einhergehen. Klar, Symptome wie beispielsweise Kopfschmerzen, Verdauungsbeschwerden, Gewichtsabnahme, Rückenzwicken oder auch Bauchweh weisen auf Burn-out in. Doch sie bleiben eben eine Anhäufung von Symptomen. Burn-out st nach wie vor in Deutschland keine Diagnose im ärztlichen Sinn. Sie zählt zu den Lifestyle-Krankheiten. Betroffene finden allerdings immer häufiger den Weg zum Arzt und es wird ihnen geholfen. Egal, ob es sich am Ende "nur" um ein Erschöpfungssyndrom oder eben eine handfeste Depression handelt.

Wer die typischen Burn-out Symptome kennt weiß, wie belastend die ganze Situation ist. Für den Betroffenen selbst wie für sein Umfeld. Dabei finden sich insbesondere leistungsbereite, engagierte Perfektionisten in diesem Zustand – also Menschen, die in allen Bereichen des Lebens 100 Prozent geben. Egal, ob Manager oder Arbeitslose, Hausfrau oder Halbtagskraft.

Nehmen Sie Ihr Leben selbst in die Hand

Doch an einer Stelle geben diese Menschen keine 100 Prozent: Wenn es um ihre Selbstwahrnehmung geht. Sie wechseln unbemerkt von der aktiven (= Täter) in die reaktive (= Opfer) Rolle. Das bedeutet, dass sie die Selbstbestimmung aufgeben und sich fremd bestimmen lassen. Fortan entscheidet der Chef, der Partner, der Kunde oder die Kinder über den Tagesablauf und das Arbeitspensum. Der Betroffene "verkümmert", weil er seine Ziele denen von anderen unterordnet. Weil er sich zu wenig um sich selbst kümmert.

Fünf "S" spielen eine Rolle, wenn es um menschliches Wohlbefinden geht:

  • Selbstwert – Ich mag mich so, wie ich bin
  • Selbstständigkeit – Ich treffe meine Entscheidungen selbst
  • Sinnhaftigkeit – Ich weiß, was und warum ich etwas mache
  • Selbstverantwortung – Ich trage 100% Eigenverantwortung für meine Entscheidungen
  • Selbstwirksamkeit – Ich will in meinem Leben etwas verändern und bewegen

Wem diese Faktoren in maßgeblichen Teilen fehlen, der wird notgedrungen depressiv, denn die eigenen Gestaltungsspielräume gehen verloren. Dabei ist es nicht so, dass andere die Betroffenen dazu zwingen würden. Nein, sie geben ihre Spielräume ganz von selbst auf. Sie fühlen sich gut, weil sie sich für unentbehrlich halten. Doch genau das ist falsch. Jeder ist ersetzlich. Und jeder ist eben auch für sich selbst verantwortlich. Insbesondere in Zeiten von drohender Arbeitslosigkeit oder massiver Existenzangst sollte das Überleben in geistiger und körperlicher Gesundheit immer im Vordergrund stehen. Denn nur so bleiben Arbeitskraft und Lebenswille erhalten.

Strategie gegen das Burn-out

Ein Perspektivwechsel ist angesagt. Weg von der Reaktion, hin zur Aktion. Leicht gesagt, doch schwer getan? Sicher. Wer in Burn-out-Symptomen gefangen ist, tut sich schwer, die Denkrichtung zu wechseln. Deshalb macht das offene Gespräch mit einem Coach oder Therapeuten ganz sicher Sinn, denn es unterstützt Betroffene durch Fragen, Aufgaben und gezielte Provokation. Wichtig ist, dass der Betroffene die Leidenschaft für die aktive Gestaltung des eigenen Lebens wiederentdeckt. Dass wieder Ziele im eigenen Leben in den Fokus rücken, soziale Bindungen wieder aufgenommen werden und die Waage aus Energieräubern und Energielieferanten wieder in ein Gleichgewicht gerät.

Jeder Mensch hat einen sinnvollen Platz auf dieser Erde und jeder wird an genau diesem Platz von der Gesellschaft gebraucht. Alle Akteure in unserer Gesellschaft sind gefragt, wenn es darum geht, Betroffenen Hilfe und Unterstützung zu gewähren. Lebenslust statt Suizidgedanken sind das Ziel jeder medizinischen oder therapeutischen Unterstützung. Indem Unternehmen langsam beginnen, Programme zur Früherkennung von Burn-out zu schaffen, ist ein erster wichtiger Schritt getan, Betroffene frühzeitig zu erkennen und zu stützen.

Der wichtigste Partner bei der Burn-out-Vermeidung oder -Heilung ist jedoch der Erkrankte selbst. Er muss die Entscheidung treffen, aus dem Sog der Resignation zurück ins Licht zu treten. Es ist von hoher Bedeutung, dass er den Stand der eigenen Belastung erkennt, rechtzeitig Unterstützung sucht und annimmt.

5 mögliche Haltestellen gibt es – auf dem Weg über den Burn-out-Zustand bis zur Depression:

  1. Idealismus – Hohe Begeisterung im Job, massives Engagement und das Gefühl der Unentbehrlichkeit. Das soziale Umfeld empfindet den Menschen als Workaholic. Die eigenen Bedürfnisse (Pausen, Essen, Sport, private Termine) werden zunehmend unterdrückt.
  2. Realismus – Langsames Schinden von Idealismus und Begeisterung bei weiter steigendem Arbeitseinsatz und sinkendem Erfolg. Dem Betroffenen schwindet die Kontrolle, er versucht, fehlenden Erfolg mit höherer Leistung und mehr Zeiteinsatz zu kompensieren. Alles wird als dringlich und wichtig empfunden. Ab hier werden Burn-out-Signale für Außenstehende erkennbar.
  1. Stagnation – Es beginnt eine Phase der Lustlosigkeit, der Schuldzuweisungen gegenüber anderen und der mangelnden Initiative. Konzentrationsstörungen, Schlaflosigkeit und Kreativitätsmangel nehmen spürbar zu.
  2. Frustration – Rückzug aus dem sozialen Lebens, denn die Mitmenschen werden als zusätzliche Belastung empfunden. Aufgabe von Hobbies und Interessen, die einen Ausgleich ermöglichen würden. Innere Kündigung. Einsatz von Alkohol, Drogen, Tabletten u.a. bis zur Gefahr von Abhängigkeit.
  3. Verzweiflung – Verlust jeglicher Hoffnung auf Besserung oder Veränderung des Zustandes. Sinnlosigkeitsgefühl nimmt rapide zu, ebenso die Wahrnehmung als "leistungsschwach" durch andere. Die Abwärtsspirale dreht immer schneller bis zu echten Suizidgedanken.
  4. Depression

Der Einzelne kann an jeder dieser "Haltestellen" aus dem Zug mit dem Endziel Depression aussteigen – oder von liebevollen Mitmenschen herausgelockt werden. Wichtig ist, dass der eigene Zustand erkannt und benannt wird. Sobald dem Erkrankten bewusst wird, dass er unbemerkt in die Rolle des Opfers gerutscht ist, erhält er die Chance zum Richtungswechsel. Er kann selbst den Weg zurück in die Aktivität und Selbstbestimmung einschlagen. Gute Freunde, ein erfahrener Coach oder ein von der Krankenkasse finanzierter Therapeut können wertvolle Hilfe leisten, den eigenen Zustand klar zu erkennen. Und sie begleiten auf dem Weg zurück in die Lebensfreude. Indem sie den Perspektivenwechsel vom "gelebt werden" hin zum aktiven "leben" bewusst machen und den Weg stückweise mitgehen.

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