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Lassen Sie sich nicht ködern: So wehren Sie sich gegen Psychospiele

Lesezeit: 3 Minuten Kommt Ihnen eine der folgenden Situationen bekannt vor? Immer wenn Sie an Ihrem Arbeitsplatz ein neues Projekt vorstellen, ist ein Kollege erst einmal grundsätzlich dagegen. Er äußert Bedenken und sieht katastrophale Konsequenzen für das gesamte Unternehmen voraus. Solche Psychospiele kennt jeder. Wehren Sie sich dagegen!

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Lassen Sie sich nicht ködern: So wehren Sie sich gegen Psychospiele

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Hatten Sie schon einmal den Verdacht, dass es bei solchem Verhalten eigentlich um gar nichts geht? Dass hier nur „Psychospiele" ablaufen, bei denen keiner lange nachdenkt?

Spielen Sie nicht mit!
Um nicht in solche „Psychospiele" verstrickt zu werden, müssen Sie erst einmal erkennen, dass gerade ein neues Spiel beginnt. Das ist recht einfach, wenn Sie die Regeln und den Ablauf kennen.

Zu jedem „Psychospiel" gehören zunächst mindestens 2 Mitspieler und ein Anlass. Der Anlass ist dabei oft völlig beliebig. Nach dem Startschuss laufen häufig festgelegte Spielzüge ab. Dazu gehören zum Beispiel:

  • verdeckte Spitzen („Es gibt doch tatsächlich Leute, die das nicht verstehen wollen…"),
  • Vorwürfe („Dass ausgerechnet du mir in den Rücken fällst…"),
  • Drohungen („Wenn das jetzt nicht sofort aufhört, dann…"),
  • Klagen („Ich arbeite, arbeite und arbeite. Trotzdem wird der Stapel immer höher…") und Ähnliches.

Ähnlich wie ein Tennis-Match funktionieren aber auch „Psychospiele" nur dann, wenn alle Spieler mitmachen und sich an die Spielregeln halten. Wenn Sie beispielsweise gar nicht reagieren – den Ball also nicht zurückspielen –, ist das Spiel in der Regel sehr schnell zu Ende.

Wie das Spiel tatsächlich ausgeht, ist meist gar nicht so wichtig. Selbst wenn der Gegenspieler am Ende gewinnt, kann sich doch der andere „Psychospieler" oft noch sagen: „Ich habe es doch gleich gewusst. Immer muss ich für alles den Kopf hinhalten." Oder: „Immer muss ich alles machen."

Warum „Psychospiele" so beliebt sind
Die Motive sind unterschiedlich. Häufig stecken individuelle Probleme oder Wünsche dahinter. Möglicherweise möchte jemand schlicht interessant erscheinen und sucht Anerkennung. Und genau diese Anerkennung bekommt er, wenn er vermeintlich „Interessantes" zu berichten weiß. Jemand anderes provoziert vielleicht gerne, weil er sich darüber freut, wie andere sich deshalb aufregen.

„Psychospiele" haben aber auch ganz konkrete Hintergründe: Wenn jemand eine Aufgabe nicht fristgerecht fertig bekommt und es schafft, einem anderen die Schuld zuzuschieben, ist er erst einmal aus dem Schneider.

Wer sich immer wieder mit Absicht und System extrem ungeschickt anstellt, muss irgendwann bestimmte Arbeiten nicht mehr übernehmen. Denken Sie nur an die vielen zerbrochenen Teller beim Geschirrspülen. Denselben Effekt erreicht jemand, der sich dauernd darüber beklagt, dass er so wahnsinnig viel zu tun hätte. Irgendwann wird sich wahrscheinlich ein anderer erbarmen und die Arbeit übernehmen – und sei es nur, damit das Gejammer endlich aufhört.

Lassen Sie sich nicht ködern
Die große Gefahr bei „Psychospielchen": Sie machen oft auch dann mit, wenn Sie es gar nicht wollen. Denn viele „Psychospieler" legen ganz gezielt Köder aus, die Sie in das Spiel ziehen sollen. Dazu gehören:

  1. eine Aufforderung, der Sie nicht widerstehen können,
  2. eine Provokation, die Sie nicht mit einem Achselzucken abtun können, oder
  3. eine Bitte um Hilfe, der Sie zum x-ten Mal nachgeben.

Ein Beispiel: Herr Rohr ist ein sehr hilfsbereiter Mensch. Als Frau Kläsgen ihn aber wieder einmal bei seiner Arbeit stört, damit er ihr zum 100. Mal ihren Eingabefehler am Computer korrigiert, ärgert er sich. Trotzdem lässt er sich sehr einfach ködern – nämlich mit der Bitte „Könnten Sie mir nicht noch ein allerletztes Mal dabei helfen? Ich schaffe das einfach nicht!"

Damit Sie nicht so einfach in „Psychospielchen" zu locken sind, sollten Sie sich genau überlegen, auf welche Köder Sie ansprechen. Fragen Sie sich:

  • Wo fühle ich mich schnell angegriffen?
  • Worauf reagiere ich sehr spontan ohne langes Nachdenken?
  • Was kann ich nicht ohne Widerspruch hinnehmen?
  • Welche Behauptungen oder Unterstellungen zwingen mich geradezu, mich zu verteidigen?
  • Wo verspüre ich einen inneren Druck zu handeln?

Überlegen Sie sich, wie Sie auf solche Köder reagieren wollen. Denn wenn Sie einmal angebissen haben, sind Sie schon mitten im Spiel drin. Sie können Köder zum Beispiel freundlich, aber bestimmt ablehnen und Regeln festlegen.

Herr Rohr hat zum Beispiel so auf den Köder von Frau Kläsgen reagiert: „Ich habe Ihnen schon oft geholfen. Eigentlich sollten Sie solch grundlegende Dinge am Computer ja selbst lösen können. Es wird Ihnen ja auch nicht gefallen, mich immer wieder fragen zu müssen. Ich schlage vor, ich erkläre Ihnen noch einmal ausführlich, wie man mit Eingabefehlern umgeht. Danach müssten Sie sich an unsere Hotline wenden, wenn Sie alleine nicht weiterkommen."

Ähnlich kann man auch bei anderen Ködern vorgehen – zum Beispiel einer Provokation: Sie wollen einen Arbeitsablauf umstrukturieren. Ein Mitarbeiter sagt in der Diskussion zu diesem Thema halblaut, da hätten Sie sich aber wieder etwas Schönes ausgedacht. Statt sich zu verteidigen, sagen Sie zu Ihrem Mitarbeiter: „Es ist wichtig für uns alle, dass wir zu guten Arbeitsergebnissen kommen. Wenn Sie mit etwas nicht einverstanden sind, sagen Sie es bitte. Dann können wir darüber reden."

Bleiben Sie konsequent
Wenn Sie einen Köder abgelehnt haben, sollten Sie konsequent bei Ihrer Haltung bleiben. Denn viele „Psychospieler" sind hartnäckig und versuchen es mit neuen Ködern. Frau Kläsgen steht eine Stunde später wieder bei Herrn Rohr in der Tür und sagt: „Entschuldigen Sie, ich habe alles so gemacht, wie Sie es gesagt haben. Aber jetzt habe ich einen Fehler, da komme ich nun wirklich nicht weiter."

Lehnen Sie auch die neuen Köder ab, selbst wenn Sie das dringende Bedürfnis haben, der Bitte nachzugeben, damit Sie den Störenfried loswerden. Wenn Sie jetzt einlenken, haben Sie zwar vielleicht für den Moment Ihre Ruhe, steigen aber wieder voll in das Spiel ein. Bleiben Sie freundlich und sachlich – auch wenn Ihr Gegenüber noch mehr bettelt oder noch mehr jammert. Wenn der „Psychospieler" gar nicht aufhört, geben Sie ihm eine eindeutige Rückmeldung: Sagen Sie ihm direkt, was Sie an der Situation oder an seinem Verhalten stört.

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