Gesundheit Praxistipps

Krankmeldung ohne Arztbesuch – so funktioniert die elektronische AU

Wer unter einer Magen-Darm-Grippe oder einer fiesen Erkältung leidet, möchte sich für die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung nicht zum Arzt schleppen müssen. Zukünftig wird das nicht unbedingt nötig sein, denn der klassische „gelbe Schein“ hat ausgedient. Seit Januar 2022 ersetzt in der Mehrzahl der Arztpraxen die eAU die Papierform. Zunächst diente diese dazu, nur die Krankenkasse über den Krankheitsfall zu informieren. Ab Mitte des Jahres soll das elektronische Meldeverfahren auch als Krankmeldung beim Arbeitgeber akzeptiert werden.

Krankmeldung ohne Arztbesuch – so funktioniert die elektronische AU

Krankmeldung ohne Arztbesuch – so funktioniert die elektronische AU

Wie konnten sich Arbeitnehmer bislang krankmelden?

Neben typischen Krankheitserregern können schlechte Lebensgewohnheiten und Stress das Krankheitsrisiko erhöhen. Möchten sich Arbeitnehmer im Ernstfall krankmelden, blieben ihnen in der Vergangenheit nur wenige Möglichkeiten. Ab spätestens dem vierten Tag der Krankheit ist die ärztliche Krankschreibung gesetzlich vorgeschrieben. Um die Bescheinigung für die Arbeitsunfähigkeit zu erhalten, mussten sich Patienten bislang meist persönlich beim Arzt vorstellen. Dieser konnte nach Feststellung der Symptome den Schein auf dem charakteristischen gelben Papier ausstellen.

Alternativ besteht die Möglichkeit, online eine Telefon- oder Videosprechstunde zu vereinbaren. Kann der Arzt die Erkrankung anhand eindeutiger Symptome diagnostizieren, laden sich die Patienten eine Online-Krankschreibung herunter. Wie alle digitalen Krankschreibungen (AU) handelt es sich hier um eine private Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU), welche ausschließlich zur Vorlage beim Arbeitgeber dient. Als Nachweis einer Arbeitsunfähigkeit ist sie voll rechtsgültig (§ 5 EFZG)

INFO: Eine temporäre Alternative bestand bis zum 31. Mai 2022 in einer telefonischen Krankschreibung. Diese konnten Arbeitnehmer mit leichten Beschwerden der oberen Atemwege – einem Symptom für Corona – in Anspruch nehmen. Die Voraussetzung lag in einer ausführlichen Befragung durch den Arzt. Die telefonische Krankschreibung behielt ihre Wirksamkeit für sieben Kalendertage. Sie konnte anschließend einmalig um weitere sieben Tage verlängert werden. Ab Juni 2022 entfällt jedoch die telefonische Krankschreibung. 

Gilt die klassische AU weiterhin?

Die Papierbelege als Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung dürfen Arztpraxen bis zum 30. Juni 2022 als Ersatzverfahren zur eAU benutzen. Obgleich diese bereits Anfang des Jahres flächendeckend in Deutschland eingeführt werden sollte, gab es in einigen Praxen Probleme im Bezug auf die Digitalisierung. 

Wann sollte die eAU kommen und warum kommt sie erst jetzt?

Die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, kurz eAU, sollte ursprünglich ab 1. Januar 2021 für alle Praxen verpflichtend sein. Statt den Patienten den bekannten Krankenschein in die Hand zu drücken, sollten die Ärzte die AU in elektronischer Form selbst an die Krankenkassen übermitteln. Allerdings traten organisatorische Schwierigkeiten auf. Die KBV einigte sich mit dem GKV-Spitzenverband und unter Zustimmung des Bundesministeriums auf die bereits genannte Übergangsmethode. Laut dieser sollte sich das Verfahrung, um die bisher geltende AU auszustellen, erst am 1. Oktober 2021 ändern.

INFO: Trotz der eAU, die Ärzte den Krankenkassen zusenden, erhalten die Patienten weiterhin den Papierausdruck. Bisher mussten sie diesen an den Arbeitgeber weiterreichen. 

Welches Ziel verfolgt die eAU?

Das eAU-Verfahren, wie es ab Juli 2022 funktionieren soll, dient der Entlastung der Arbeitgeber. Dieser kann sich dann online über die Arbeitsunfähigkeit der gesetzlich versicherten Arbeitnehmer informieren. Schließlich müssen die Bescheinigungen in Papierform verschickt und bearbeitet werden. Für alle Beteiligten geht das mit einem bürokratischen Aufwand einher. Kommt der „gelbe Schein“ nicht rechtzeitig, drohen schlimmstenfalls Unstimmigkeiten. Durch die elektronische AU sollen beide Probleme der Vergangenheit angehören. 

Wie funktioniert die eAU?

Obgleich Ärzte bereits eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung in elektronischer Form ausstellen, erhalten die Patienten bislang zusätzlich noch einen Papierausdruck. Dieser dient als Beweismittel und muss dem Arbeitgeber nicht zwingend vorgelegt werden. Der behandelnde Arzt kann nach dem Feststellen einer Krankheit die AU an die Krankenkasse, die den Versicherungsschutz des Patienten übernimmt, senden. Dafür übermittelt er sie über die Telematikinfrastruktur. 

INFO: Die eAU muss mithilfe des eArztausweises signiert werden. Für die Weiterleitung der Krankmeldung nutzt der Arzt den Kommunikationsdienst im Medizinwesen, kurz KIM

Ab dem 1. Juli 2022 entfällt für Arbeitnehmer zusätzlich die Vorlagepflicht. Das bedeutet, sie brauchen ihre Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung dem Arbeitgeber nicht in Papierform vorzulegen. Ab diesem Zeitpunkt kann Letzterer die eAU direkt bei der zuständigen Krankenkasse abrufen. Vollkommen digital soll die Übermittlung der eAU an den Arbeitgeber erst ab 1. Januar 2023 erfolgen. Dieser Termin war ursprünglich ebenfalls für Jahresbeginn 2022 festgesetzt, musste aufgrund Verzögerungen der Technik jedoch verschoben werden. Welche technischen Voraussetzungen die eAU genau erfordert, veröffentlicht die KBV auf einer übersichtlichen Informationsseite

Ohne elektronische Signatur keine eAU

Der klassische Krankenschein auf Papier erhält seine Gültigkeit durch die Unterschrift des Arztes. Auch in elektronischer Form wird eine eindeutige Signatur benötigt. Dafür nutzen Ärzte die QES. Das Kürzel steht für eine qualifizierte elektronische Signatur. Damit diese erstellt werden kann, braucht es das Auslesen des elektronischen Heilberufsausweises und die Eingabe des PINs. Am Tag müssen Ärzte jedoch zahlreiche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen erstellen. Laut einer Statistik belief sich der jährliche Krankenstand 2021 in der gesetzlichen Krankenversicherung auf 4,34 Prozent. Folglich brauchen täglich viele Menschen die eAU und die klassische QES würde zu viel Zeit in Anspruch nehmen. Um den Praxisalltag zu erleichtern, soll es eine Komfortsignatur geben. Mit deren Eingabe können Ärzte für einen bestimmten Zeitraum bis zu 250 Signaturenfreigeben.

Bildnachweis: Klaus Eppele / stock.adobe.com

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