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Konfliktmanagement: Veränderung des Umgangs und der Kommunikation

Lesezeit: 4 Minuten Wir werfen einen Blick auf die Arten der Partnerschaftsprobleme und deren Konfliktmanagement, wie fehlerhafte und oft unreflektierte Konflikterledigung in einer Partnerschaftsbeziehung. Diesmal geht es um das ins Unglück rennen lassen, eine Technik, die beileibe nicht hilfreich ist.

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Konfliktmanagement: Veränderung des Umgangs und der Kommunikation

Konfliktmanagement: Veränderung des Umgangs und der Kommunikation

Lesezeit: 4 Minuten

Agnes und Achim haben sich auseinandergelebt, so zumindest meinen das beide. Achim gedenkt aber nichts zu tun, denn er fühlt sich in der Partnerschaft hinreichend versorgt, für Sex sorgt eine Freundin.

Agnes, so hat er herausgefunden, hat sich in einen Mann verliebt, von dem er weiß, dass er kriminell  ist, und die jeweilige Flamme immer nach kurzer Zeit sitzenlässt, wenn er bemerkt, dass bei ihr nichts zu holen ist. Na ja, und Agnes kann ihm finanziell nichts bieten. Das ist Achim klar. Er sagt nichts, freut sich diebisch, als Agnes, wie zu erwarten, in ihr Unglück rennt.

Die Rechnung geht aber irgendwie nicht auf, das Konfliktmanagement funktionierte nicht auf die gewünschte Weise. Anstatt sich voller Schadenfreude die Hände zu reiben, tut ihm Agnes leid und er merkt, dass er doch noch sehr an ihr hängt. Ob die beiden allerdings wieder zueinander finden – wer weiß? Da gäbe es doch das eine oder andere zu klären, vor allem nach den Ursachen von Konflikt und Art der Kommunikation zu suchen.

Nur so kann ein sinnvolles Konfliktmanagement erfolgen. „Auseinanderleben“ ist ein   bequemes Wort, besagt doch aber eigentlich nicht, dass das zur Trennung führen muss.

Konfliktmanagement: Durch Nebenschauplatz (Scheinkonflikt), um vom eigentlichen Kampf abzulenken

Achim und Agnes sitzen im Auto und fahren zu ihrer Mutter. Beide sind ärgerlich, denn sie zanken sich schon seit einer Weile. Achim ist wütend darüber, dass die Schwiegermutter wieder mal Terror macht und beide zwingt, sie zu besuchen. Agnes ist wütend, weil er ihre Mutter als „hysterische Ziege“ bezeichnet, die alle Welt terrorisiert.

Plötzlich schert kurz vor ihnen ein Auto aus, und Achim kann die Situation nur durch eine Notbremsung retten. Beide haben einen gehörigen Schreck bekommen, sitzen mit Herzklopfen und zitternden Händen im Auto. Dann geht es los. Übrigens eine interessante Art von Konfliktmanagement:

Beide schimpfen auf den Autofahrer, der ein rücksichtsloser Egoist sei, ein Raser dazu und was ihnen, zum Teil sogar an berechtigten Vorwürfen einfällt. Sie ereifern sich immer mehr und der ursprüngliche Konflikt ist vergessen. Als sie sich wieder beruhigt haben, gehen sie ganz friedlich miteinander um. Die Wut, der Ärger ist kanalisiert worden, hat sich an jemand anderem restlos entladen.

Es gibt aber auch andere Möglichkeiten! Beispielsweise: Ich aktiviere das Interesse für ein allergisches Thema und kann meins so nebenbei durchsetzten.

Strategie: Ein allergisches Thema aktualisieren

Achim möchte gern seinen Arbeitsplatz wechseln. Das bedeutet jedoch, dass sie beide langfristig umziehen müssten. Agnes schätzt so etwas überhaupt nicht. Achim ist jedoch ein cleverer Bursche, der eine bestimmte Art von Konfliktmanagement plant.

Er weiß, dass Agnes mit den Nachbarn im Nebenhaus in Unfrieden lebt. Im Moment ist zwar gerade wieder Burgfriede, nicht zuletzt durch Achims diplomatisches Geschick, aber das muss ja nicht so bleiben. Also sorgt er dafür, dass wieder Sand ins Getriebe kommt. Agnes schäumt, ist zu allen möglichen Aktivitäten bereit.

Jetzt nun beginnt Achim seine argumentative Offensive. Er erklärt, es werde immer wieder Krieg geben, man könne schließlich nicht mit seinem Haus zwei Grundstücke weiterziehen, um Ruhe zu bekommen. Er schlage vor, zu versuchen, für sich einen neuen Arbeitsplatz zu suchen. Dann würden sie beide am neuen Ort schon ein passendes Häuschen bekommen – und auch Frieden.

Scheinbar der nette und liebevolle Mann der nach konstruktiven Lösungen sucht. Agnes fällt auf diese Technik herein. Ist das toll? Hier wird doch, um ein eigenes Ziel zu erreichen, eine Methode angewendet, die alles andere als offen, partnerschaftlich und konstruktiv ist. Zum Konfliktmanagement wird das allergische Thema als Druckmittel und Tarnung zur Durchsetzung eigener Interessen eingesetzt.

Konfliktmanagement: Durch Sammeln von belastendem Material

Agnes und Achim haben ein chronisches Problem: Achims Hobby ist seine elektrische Eisenbahn. Er gibt dafür unverhältnismäßig viel Geld aus, ist zu Recht stolz auf seine tolle Anlage. Agnes, die seine Ausgaben mit Sorge betrachtet, stößt bei ihm auf taube Ohren, er wiegelt immer ab und behauptet, das sei gar nicht so teuer, wie sie ihm vorwerfe.

Agnes lässt sich zunächst beruhigen. Als jedoch sein Verhalten unverändert bleibt, greift sie zu einem nicht selten verwendeten Konfliktmanagement: Sie geht ohne sein Wissen an die Schublade, in der er die Unterlagen und Kaufbelege für seine Erwerbungen aufbewahrt. Nun trägt sie die Ausgaben fein säuberlich über einen Zeitraum von einem Jahr zusammen. Dann bittet sie ihn zu dieser stolzen Summe Stellung zu nehmen. Das Geld hätte ausgereicht um einen wunderschönen Urlaub zu finanzieren.

Diese Art von Konfliktmanagement ist sicher nicht ohne Erfolg, denn Achim ist zwar wütend, fühlt sich bespitzelt, aber letztlich kann er nicht umhin zuzugeben, dass er doch sehr viel für sein Hobby ausgibt. Das führt dazu, dass er nur noch nach Absprache Erwerbungen tätigt. Das heißt aber, na ja, der eigentliche Konflikt, der dahinter steckt ist in keiner Weise erledigt, ganz im Gegenteil, er schmort weiter und findet neue Wege sich bemerkbar zu machen, denn eine Veränderung fand ja nicht wirklich statt.

Achim ist lediglich in seinem bisherigen Verhalten gestoppt worden. Uns fallen schon ein paar Fragen ein. Nämlich, ob Achim bedenkt, dass er in einer Gemeinschaft lebt und deshalb sein Verhalten hinterfragen muss, denn auch Agnes hat Wünsche und Bedürfnisse. Andererseits: Wie sieht es denn mit der Gleichberechtigung bei den Beiden aus. Ob diese Art von Konfliktmanagement wirklich optimal ist? Wie wäre es denn mit dem ausdiskutieren und der gemeinsamen Suche nach einer vernünftigen Lösung. Beide können dies aber gerade nicht. Das hat bestimmt Gründe – bei beiden – und wahrscheinlich verschiedene. Die beiden haben noch einen weiten Weg vor sich – sie haben aber durchaus Chancen, das Geschehen vernünftig in den Griff zu bekommen.

Grundsätzliches zum Management von Partnerschaftskonflikten

Das führt zu einem wichtigen Thema, nämlich, wie bin ich eigentlich und wie sieht mein Verhalten aus? Aus welchen Quellen speist es sich? Welche Art von Konfliktmanagement bevorzuge ich?

Wir werden später noch ausführlich auf diese Fragen zu sprechen kommen. Vielleicht interessiert sich der eine oder andere Leser jedoch schon jetzt für die Klärung dieser Fragen. Ich empfehle für diese Aufgabe mein Buch: “Das Ego Projekt – Baustelle Charakter“.

Sie tauchen ein in grundsätzliche Themen, die Schritt für Schritt die Fähigkeit der Selbsterkenntnis verbessern helfen. Auch Wege aus einer unerwünschten Verhaltensweise herauszufinden werden aufgezeigt. Wir wollen aber zunächst fortfahren in der Beschreibung der an der Oberfläche erkennbaren Verhaltensweisen, die deutlich machen, dass etwas geschehen sollte.

Bildnachweis: klublu / stock.adobe.com

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