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Klassische Homöopathie: Die Anamnese

Lesezeit: 3 Minuten Viele Menschen, die sich zu einer klassischen homöopathischen Behandlung entschließen, wissen nicht, was in der homöopathischen Anamnese auf sie zukommt. Sie haben vielleicht von einer Bekannten oder einem Freund gehört, dass die Klassische Homöopathie bei ihren Beschwerden hilfreich sein könnte und wollen es dann gerne mit einer homöopathischen Behandlung versuchen.

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Klassische Homöopathie: Die Anamnese

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Die Anamnese – ein ausführliches Gespräch am Anfang
Gerade diejenigen Menschen, die zuvor jahrelange Behandlungsversuche bei schulmedizinisch orientierten Ärzten hinter sich haben, sind oft überrascht wie viel Zeit sich ein Homöopath für das Erstgespräch (die so genannten Anamnese) nimmt und welche Fragen er stellt.

Neben der Hauptbeschwerde, die der Patient vorbringt, interessieren einen Homöopathen auch alle anderen Beschwerden, die der Patient im Moment hat und darüber hinaus auch alle Krankheiten, die der Patient früher hatte.

Die Anamnese – alles was dem Patient einfällt ist wichtig
In der Klassischen Homöopathie wird das homöopathische Mittel auf die Summe aller Symptome und Befindlichkeiten des Patienten verschrieben. Sowohl seine momentane Stimmung als auch seine Vorlieben und Abneigungen sind wichtig, um das richtige Mittel zu finden. Homöopathen fragen in der Erstanamnese nach Ängsten, nach Träumen, nach dem Lieblingsfilm oder nach dem Lieblingsbuch.

Sie wollen etwas über die Kindheit wissen und über die Krankheiten der Eltern und der Großeltern. Kurzum – sie wollen sich in der Anamnese ein umfassendes Bild über den miasmatischen Hintergrund der Krankheit des Patienten machen und darüber, wie er in der Welt steht.

Hobbies und Berufswahl in der Anamnese
Auch die Beschreibung von Hobbies und die Begründung der Berufswahl in der Anamnese können wichtige Hinweise auf das richtige homöopathische Mittel geben. Warum ist das so? Meistens verwirklichen sich Menschen entweder in ihrem Beruf oder in ihren Hobbies. Hier können sie sich entfalten. Hier erleben sie unter Umständen völlig unzensiert wichtige Teile ihres Wesens und können dies auch konfliktfreier beschreiben, als wenn sie von ihrer Hauptbeschwerden (z. B. den lästigen Migräneanfällen oder dem heftigen Rheuma) berichten.

Ein Patient, der Segelfliegen liebt und diesen Sport auch dank seiner finanziellen Situation ausüben kann, beschreibt sein Gefühl der Freiheit und des Losgelöstseins von lästigen Verpflichtungen. So kann diese Beschreibung in der Anamnese einen wichtigen Gegenpol zu seiner Hauptbeschwerde, der Herzenge (Angina pectoris) bilden und damit die homöopathische Mittelwahl bestätigen.

Die Frage nach den Modalitäten in der Anamnese
Viele Patienten sind etwas irritiert, wenn der Homöopath sie in der Anamnese immer wieder fragt, was ihre Beschwerde bessert oder was sie denn tun, wenn sie ihre heftigen Kopfschmerzen haben. Einige brauchen eine ganze Weile, bis sie sich an diese Art des Fragens und des Selbstbeobachtens gewöhnt haben.

Auch die Frage nach der Verschlimmerung der Beschwerden kann zu Irritationen führen. Einige Patienten können während der gesamten Anamnese nur ganz wenig Auskunft über die Modalitäten (Verbesserung und Verschlechterung der Beschwerden durch bestimmte Umstände oder etwas was sie tun) in Bezug auf ihre Hauptbeschwerde geben. Andere äußern ganz klar und ohne dass sie gefragt werden, dass es ihnen beispielsweise am Meer besser geht oder dass sie feucht-warmes Klima im Urlaub überhaupt nicht vertragen.

Die Frage nach dem Auslöser der Beschwerden in der Anamnese
In der Klassischen Homöopathie spielt auch der Auslöser der Beschwerden eine wichtige Rolle für die Mittelwahl. Wann ist die Beschwerde das erste Mal aufgetreten? Was war in dieser Zeit? Gab es ein besonderes Ereignis, dass die Beschwerden möglicherweise ausgelöst hat oder gab es eine Krankheit vor der aktuellen Beschwerde, die schulmedizinisch behandelt worden ist?

Jedes homöopathische Mittel hat in seinem Mittelbild spezielle Beschwerden und ganz bestimmte auslösende Situationen oder Umstände. So bekommt beispielsweise ein Belladonna-Kind Beschwerden nach dem Haare schneiden oder ein Bryonia-Kind bekommt Beschwerden, nachdem es sich geärgert hat und diesen Ärger nicht ausdrücken konnte.

Die Allgemeinsymptome in der Klassischen Homöopathie
In der Erstanamnese werden neben der Hauptbeschwerde und den spezifischen anderen Beschwerden immer auch die Allgemeinsymptome erfragt. Unter Allgemeinsymptomen versteht der Homöopath

  • das Temperaturempfinden des Patienten (mögliche Fragen in der Anamnese sind: Friert er schnell oder ist ihm immer zu heiß? Verträgt er Wärme oder sucht er an warmen Tagen immer den Schatten auf?),
  • seinen Schlaf (Fragen in der Anamnese könnten dann sein: Gibt es Probleme beim Einschlafen oder Durchschlafen? Wird der Patient beispielsweise immer zu einer bestimmten Zeit wach oder schläft er wie ein Stein?),
  • Träume (mögliche Fragen, die der Homöopath stellt: Welche Träume haben den Patienten besonders beeindruckt? Gab es Wiederholungsträume in der Kindheit? Gibt es Alpträume aus denen der Patient erwacht? usw.) und
  • den Schweiß (hier wird in der Anamnese besonders danach gefragt, ob der Patient schnell schwitzt oder ob er auch bei besonderer Anstrengung kaum ins Schwitzen kommt; außerdem kann es von Bedeutung sein, ob er vermehrt nachts schwitzt oder nur tagsüber? Wo schwitzt der Patient besonders stark? Fühlt er sich durch das Schwitzen erschöpft oder fühlt er sich besonders wohl, wenn er schwitzt?)

Klassische Homöopathie – nach der Anamnese
Nach dem etwa zweistündigen Gespräch bekommt der Patient in der klassischen homöopathischen Behandlung zunächst ein Kügelchen eines homöopathischen Mittels –  meist in einer C30 oder in einer C200. Es wird ein Folgetermin in etwa 4-6 Wochen ausgemacht und der Patient soll beobachten, ob sich etwas an seiner Stimmung und in Bezug auf seine Beschwerden verändert in der Zeit.

Häufig benötigt der Homöopath auch nach der Anamnese erst noch einige Tage, um die Angaben des Patienten durchzuarbeiten und das richtige homöopathische Mittel zu finden. Manchmal ist es auch nicht möglich das Similimum (das passendste homöopathische Mittel) nach der Anamnese zu finden. Dann sind unter Umständen mehrere Folgetermine nötig, um noch mehr über den Patienten zu erfahren, damit das richtige homöopathische Mittel verschrieben werden kann.

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