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Kindern eine vegetarische Ernährung vorschreiben?

Lesezeit: 2 Minuten Die vegetarische Ernährung ist in Deutschland derzeit klar im Trend. Viele Untersuchungen weisen darauf hin, dass eine vegetarische oder gar vegane Lebensweise sehr gesund sein kann. Dennoch kommt es mitunter zwischen Eltern und Kindern zu Konflikten, wenn die Kinder sich anders ernähren wollen als die Eltern. Lesen Sie hier, welche Rechte Sie als Eltern bzw. Ihre Kinder in solchen Fällen haben.

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Kindern eine vegetarische Ernährung vorschreiben?

Kindern eine vegetarische Ernährung vorschreiben?

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Grundsätzlich dürfen Sie als Eltern aufgrund Ihres Erziehungsrechts auch darüber bestimmen, was Ihr Kind essen soll und was nicht. Wenn die Eltern überzeugte Veganer sind, dürfen sie daher auch ihren Kindern eine vegane Lebensweise nahebringen. Es gelten hier also die gleichen Prinzipien wie in Fragen der Religion: Die Eltern haben das Recht, Ihre Kinder nach Ihren Glaubensvorstellungen oder Weltanschauungen zu erziehen. Auch der Veganismus kann als Weltanschauung gesehen werden.

Diesem Elternrecht stehen aber zwei wichtige Schranken gegenüber: Zum einen dürfen die Eltern das Kindeswohl nicht aus dem Auge verlieren. Wenn sich eine bestimmte Ernährung für das Kind als schädlich oder ungesund herausstellt, darf der Staat im Extremfall eingreifen, um das Kindeswohl zu gewährleisten.

Zum anderen steht dem Erziehungsrecht der Eltern auch das Persönlichkeitsrecht des Kindes gegenüber. Dem Kind eine vegane Ernährung aufzuzwingen, wenn das Kind das nicht will, kann daher bedenklich sein. Das Gleiche gilt aber auch umgekehrt: Wenn Ihr Kind von der vegetarischen Ernährung überzeugt ist, sollten Sie diese Lebenseinstellung grundsätzlich tolerieren und das Kind nicht gegen seinen Willen zum Fleischkonsum zwingen, solange es keine gesundheitlichen Probleme gibt.

Tipp: Üben Sie im Alltag Toleranz gegenüber der Lebenseinstellung Ihres Kindes

Eltern können meist schnell spüren, ob das Kind nur einer momentanen Laune folgt oder zu einer festen Welt- und Lebensanschauung gelangt ist. Viele Kinder und Jugendliche lehnen den Fleischkonsum vor allem aus ethischen Gründen ab, z.B. weil Tiere in den Schlachthäusern grausam behandelt werden.

Gegenüber solchen Überzeugungen sollten Sie als Eltern tolerant sein. Beobachten Sie, wie die Lebens- und Ernährungsweise sich gesundheitlich auf das Kind auswirkt. Nur, wenn es zu ernsten gesundheitlichen Problemen kommt, sollten Sie eingreifen.

Eine vegane, also rein pflanzliche Ernährung, wird inzwischen von vielen Experten als grundsätzlich gesund eingestuft. Lediglich bei der Versorgung mit bestimmten Vitaminen, vor allem Vitamin B12, kann es nötig sein, Nahrungsergänzungsmittel zu verabreichen.

Wichtig: Sie müssen eine teure vegane Ernährung nicht unbedingt bezahlen

Viele Fleischersatzprodukte sind im Handel recht teuer. Auch wenn Ihr Kind sich für eine vegane Ernährung entschieden hat, sind Sie nicht als Eltern verpflichtet, diese teuren Lebensmittel für Ihr Kind zu kaufen. Eltern schulden ihren Kindern nur die übliche Versorgung mit Nahrung, Kleidung, Unterkunft, Ausbildung und Erziehung.

Sie können also von Ihrem Kind verlangen, dass es teure Extrawünsche bei der Ernährung mit seinem Taschengeld selbst bezahlt. Überspitzt formuliert: Eltern sollten zwar gegenüber den Ernährungswünschen ihrer Kinder tolerant sein, aber sie müssen sich umgekehrt auch nicht tyrannisieren lassen.

Grenzen der Toleranz beachten

Wenn Sie umgekehrt feststellen, dass sich Ihr Kind total ungesund ernährt und z.B. ständig mit fettigen Hamburgern, Pommes und Cola vollstopft, dann dürfen Sie Ihr Kind selbstverständlich zu einer ausgewogenen und gesunden Ernährung anhalten. Sie müssen nicht aus Gründen der Toleranz zusehen, wie Ihr Kind zum “Fettsack degeneriert”. Und wenn Sie selbst vegan leben, dürfen Sie auch Ihr Kind vegan ernähren, solange es keine gesundheitlichen Probleme gibt.

Zusammenfassend gilt: Sie dürfen Ihr Kind bis zu dessen Volljährigkeit zu derjenigen Ernährungsweise anhalten, die Sie als Eltern für die beste und gesündeste halten, sollten dabei aber immer gegenüber dem Kind Toleranz üben. Zwang gegenüber dem Kind ist in solchen Fragen nur bei einer Gefahr für die Gesundheit angebracht.

Entwürdigende Erziehungsmethoden und Gewalt sind unzulässig

Dass Eltern ihren vegan lebenden Kindern mit Gewalt eine Bratwurst in den Mund stopfen, dürfte in der Praxis zum Glück selten vorkommen. Der Gesetzgeber hat festgelegt, dass bei der Kindererziehung entwürdigende Erziehungsmethoden wie auch körperliche oder psychische Gewalt unzulässig sind. Die meisten Konflikte – auch in Ernährungsfragen – lassen sich sicher durch wechselseitige Toleranz und vertrauliche Gespräche lösen.

Bildnachweis: Oksana Kuzmina / stock.adobe.com

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