Arbeit & Beruf Praxistipps

Ist Vertrauensarbeitszeit erlaubt?

Corona und Home Office haben gezeigt, dass es funktionieren kann: Arbeitgeber und Arbeitnehmer verschiedener Berufssparten können Vertrauensarbeitszeit einsetzen. Doch ist diese Form von Arbeitszeitmodell tatsächlich erlaubt? Und wer kontrolliert die Richtigkeit und Erledigung von vereinbarten Arbeitsschritten sowie Aufgaben?

Ist Vertrauensarbeitszeit erlaubt?

Ist Vertrauensarbeitszeit erlaubt?

Welche Ziele verfolgt die Vertrauensarbeitszeit?

Verschiedene Unternehmen vertrauen ihren Mitarbeitern und lassen sie im Home Office arbeiten. Dabei kommt die Vertrauensarbeitszeit zum Tragen. Mitarbeiter sollen in diesem Rahmen höchstens 10 Stunden pro Tag arbeiten und nach mindestens 6 Stunden eine Pause von einer halben Stunde einlegen. Die Ruhezeiten von 11 Stunden und mehr zwischen den Arbeitszeiten sind verpflichtend. Soweit die Arbeitsbestimmungen. Doch hält sich der Arbeitnehmer tatsächlich an diese Vorgaben?

Das Vertrauensarbeitszeitmodell gibt dem Arbeitnehmer gewisse Freiräume, die er allerdings nicht missbrauchen sollte. Die fehlende Kontrolle von Arbeitszeiten ist dabei der Grundaspekt dieses Arbeitszeitmodells. Eine Pflicht zur Zeiterfassung besteht noch nicht, demnach vertraut der Arbeitgeber seinem Mitarbeiter im Hinblick auf Arbeitszeiten voll und ganz. Dennoch gibt es auch ein paar Beeinträchtigungen, die dieses Arbeitsmodell mit sich bringt. 

Anders als bei Voll- oder Teilzeit sowie Gleitzeit kann der Arbeitnehmer seine Überstunden nicht ausbezahlen lassen oder durch freie Tage genießen. Stattdessen lassen sich die Stunden eher durch kürzere Arbeitstage „abbummeln“, bis sich das Überstundenkonto wieder in einem grünen Bereich befindet. 

Welche Vorteile bietet die Vertrauensarbeitszeit?

Immer mehr Unternehmen setzen auf dieses Arbeitsmodell und vertrauen ihren Mitarbeitern in vollem Umfang. Der Arbeitnehmer kann hingegen seine Arbeitszeiten natürlich dokumentieren, damit eine Nachverfolgung stattfinden kann, muss das jedoch nicht tun. Vielmehr genießt der Mitarbeiter freie Zeiteinteilung und kann die Arbeiten individuell im Laufe des Tages selbständig erledigen. Sie stehen somit weniger unter Leistungsdruck, können ihre Arbeiten vorteilhafter koordinieren und im Eigenheim erledigen. 

Arbeitgeber sparen hingegen Räume ein und somit auch Strom- oder Heizkosten. Im Zuge dessen können große Bürokomplexe aufgegeben und kleinere Standorte angemietet werden, die wiederum deutlich kostengünstiger in der Anmietung sind. 

Welche Nachteile bringt die Vertrauensarbeit mit sich?

Auch wenn das Home Office viele Vorteile mit sich bringt, haben viele Arbeitnehmer deutlich mehr Aufgaben als zu Bürozeiten zu erledigen. Vermehrte Teammeetings, ständige Erreichbarkeit und zusätzliche Verantwortung können den Arbeitstag bestimmen. Doch nicht nur der Arbeitnehmer muss bei diesem Arbeitsmodell Nachteile hinnehmen. 

Damit der Arbeitsalltag reibungslos funktionieren kann, müssen Arbeitgeber solide digitale Systeme zur Verfügung stellen. Arbeitnehmer müssen zwar die nötige Hard- und Software mitbringen, Arbeitgeber haben dafür zu sorgen, dass Server funktionieren. 

In welchen Branchen lässt sich die Vertrauensarbeitszeit umsetzen?

Während Unternehmen in der Kreativbranche sowie Vertriebler, Entwicklungsteams und viele weitere Büroarbeiten sehr gut die  Vertrauensarbeitszeit umsetzen können, ist diese Arbeitsweise in vielen anderen Jobs nicht möglich. So können Personen, die im Einzelhandel tätig sind, nicht von diesem Arbeitsmodell profitieren. Sie stehen im ständigen Kontakt zu Kunden, müssen Arbeiten vor Ort erledigen und persönlich als Ansprechpartner erreichbar sein. 

Auch Mitarbeiter im medizinischen Bereich, Kundenberater und viele Handwerksberufe können die Vertrauensarbeit nicht nutzen, da ihre Anwesenheit am Arbeitsplatz unerlässlich ist. 

Welche Auswirkungen hat die Vertrauensarbeitszeit auf den Workflow?

Bieten Arbeitgeber ihren Mitarbeitern das Vertrauensarbeitszeitmodell an, so lässt sich für beide Parteien eine angenehme Arbeitsweise ermöglichen. Der Mitarbeiter kann frei wählen, wann er seine Arbeit beginnt und wann er sie beendet. Der Arbeitgeber kann sich mit anderen Dingen und Aufgaben befassen, vertraut seinem Mitarbeiter aber in jeglicher Hinsicht. 

Wichtig ist, das Vertrauen nicht auszureizen. Die Zeiten, die im Arbeitsvertrag geregelt sind, müssen auf jeden Fall erfüllt werden. Dabei gilt es ebenso, Höchstgrenzen nicht zu überschreiten. Somit kann die Arbeitsqualität auf beiden Seiten im höchsten Maß angehoben werden. Demnach lassen sich verschiedene Aufträge, Projekte und Themenbereiche sehr entspannt und freier erledigen. 

Dennoch ist der Arbeitnehmer weiterhin Teil eines Unternehmens. Er muss seine Arbeit zuverlässig erfüllen und muss diese – je nach Bedarf – auch nachweisen können. 

Bildnachweis: pikselstock / stock.adobe.com

PS: Qualitätsmanagement ist uns wichtig!

Bitte teilen Sie uns mit, wie Ihnen unser Beitrag gefällt. Klicken Sie hierzu auf die unten abgebildeten Sternchen (5 Sternchen = sehr gut):

Bitte warten...

PPS: Ihnen hat der Beitrag besonders gut gefallen?

Unterstützen Sie unser Ratgeberportal: