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Ist HDL-Cholesterin doch nicht so gesund?

Lesezeit: 2 Minuten Während ein hoher LDL-Cholesterinspiegel als schädlich gilt, soll ein hoher HDL-Cholesterinspiegel gesund sein. Daher spricht man auch vom "LieDerLichen" Cholesterin und vom "HabDichLieb" Cholesterin. Doch eine aktuelle Studie stellt den Nutzen von HDL-Cholesterin nun infrage.

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Ist HDL-Cholesterin doch nicht so gesund?

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Das "gute" HDL-Cholesterin soll dabei helfen, das schlechte LDL-Cholesterin abzubauen. Daher gehen viele davon aus, dass ein hoher HDL-Cholesterinspiegel dabei hilft, die Gefäße zu schützen. Denn LDL-Cholesterin lagert sich an den Wänden der Blutgefäße ab und kann diese so verstopfen.

Das HDL löst das LDL von den Gefäßwänden und transportiert es in die Leber, wo es abgebaut wird. So kann man sich angeblich mit gutem Cholesterin vor Bluthochdruck, einem Herzinfarkt oder anderen Verschlusskrankheiten schützen.

Gutes Cholesterin nur ein Gerücht?

Doch ob das wirklich so stimmt, wird aktuell hart diskutiert. Grundsätzlich ist es zunächst schwierig, den Cholesterinspiegel zu verändern. Das gelingt in der Regel nur durch den Einsatz von Medikamenten. Doch auch wenn es gelingt, den HDL-Spiegel zu erhöhen, sinkt dadurch die Herzinfarkt-Rate nicht.

Eine so genannte Mendel-Randomisierung-Studie im Lancet 2012 (doi: 10.1016/S0140-6736(12)60312-2) stellt nun den grundsätzlichen Sinn einer solchen Therapie infrage.

LDL-Cholesterin gefährdet das Herz

Mehrere Studien haben nachgewiesen, dass ein hoher LDL-Spiegel das Herzinfarkt-Risiko erhöht. Zudem konnte man durch den Einsatz von cholesterinsenkenden Medikamenten, sogenannten Statinen, das Herzinfarkt-Risiko deutlich und nachweisbar verringern. Im Gegensatz dazu kann der Wirkstoff CETP-Inhibitor den HDL-Wert steigern.

Doch dass mit einem erhöhten HDL-Spiegel das Herzinfarkt-Risiko sinkt, konnte noch nicht bewiesen werden. Eher ist das Gegenteil der Fall. Auch verschiedene Medikamente mit CETP-Inhibitor scheiterten in entsprechenden Studien. So erhöhte das Medikament Torcetrapib (von Pfizer) sogar das kardiovaskuläre Risiko bei den Patienten (NEJM 2007; 357: 2109-22).

Der Hersteller stoppte daraufhin die Weiterentwicklung des Medikaments. Das gleiche passierte vor kurzer Zeit bei einem anderen Hersteller. Das Pharmaunternehmen Roche stellte die klinische Entwicklung von Dalcetrapib ein.

Keinen Einfluss durch HDL

Aber nicht nur der durch Medikamente erhöhte HDL-Spiegel scheint auf das Herz keine positive Auswirkung zu haben. Die Mendel-Randomisierung-Studie zweifelt grundsätzlich daran, dass ein hoher HDL-Wert vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützt. Eine Gruppe von Wissenschaftlern um Sekar Kathiresan vom Massachusetts General Hospital in Boston hat dabei getestet, ob eine Genvariante, die den HDL-Wert ansteigen lässt, das Herzinfarkt-Risiko senkt.

Gleiches Herz-Risiko

Rund 2,6 Prozent der US-Bevölkerung trägt eine Genvariante, die den HDL-Spiegel erhöht. Nach Berechnung der Mediziner müssten diese ein rund 13 Prozent geringeres Herzinfarkt-Risiko haben. Doch die Gesundheitsdaten von rund 100.000 Menschen gaben keinen Hinweis darauf, dass das auch der Fall ist.

Die Träger der Genvariante, die entsprechend einen höheren HDL-Cholesterinspiegel haben, hatten das gleiche Risiko wie alle anderen Menschen. Das gleiche Ergebnis lieferte eine zweite Untersuchung am General Hospital. Daher gehen die Wissenschaftler davon aus, dass HDL-Cholesterin das Herz nicht schützen kann.

Das "gute" Cholesterin könnte also schon bald seinen guten Ruf einbüßen. Insofern sollte man sich besser nie auf die Blutwerte verlassen, sondern regelmäßig seine Herzgesundheit checken lassen, denn nur so kann man sicher gehen, dass es dem Herzen auch gut geht.

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