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In der Pubertät gelassen bleiben: 5 Tipps für Eltern

Lesezeit: 4 Minuten Kommen die Kinder in die Pubertät, geraten Eltern schnell an ihre nervlichen Grenzen. Chaos bestimmt nicht nur das Kinderzimmer, sondern es ist kaum noch ein friedliches Familienleben möglich. Endlose Diskussionen bestimmen den Alltag und die Meinung der Eltern zählt plötzlich überhaupt nichts mehr. Jetzt hilft es nur noch, in der Pubertät gelassen zu bleiben. Diese fünf Tipps helfen Ihnen dabei.

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In der Pubertät gelassen bleiben: 5 Tipps für Eltern

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In der Pubertät gelassen bleiben: 5 Tipps für Eltern

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1. Im Kopf Ihres Kindes befindet sich eine Großbaustelle

Wenn aus Ihrem niedlichen Kind ein stürmischer Teenager wird, kommt irgendwann der Tag, an dem Sie Ihren Sprössling nicht mehr wiedererkennen. Da haben Sie sich so viel Mühe mit der Erziehung gegeben und nun haben Sie einen über alles motzenden, sein Zimmer vermüllenden, endlos über Belanglosigkeiten diskutierenden, manchmal brüllenden und sich im Ton vergreifenden Jugendlichen vor sich, der alles in Frage stellt, seine Eltern schrecklich und peinlich findet und dem darüber hinaus alles viel zu anstrengend ist.

Ursache dieser Entwicklungsphase ist ein komplexer Prozess im Gehirn der Heranwachsenden, der die Verbindungen vollkommen neu programmiert und die Jugendlichen in einen Ausnahmezustand versetzt. So kommt es nicht selten vor, dass man eben noch mit einem netten Kind gesprochen hat und im nächsten Augenblick eine schreiende Furie vor sich hat, die noch dazu von hormonellen Stimmungsschwankungen gesteuert wird und die Welt nicht mehr versteht.

Verhalten Sie sich in solchen Situationen ruhig, lassen Sie das Kind am besten allein, es ist jetzt nicht mehr aufnahmefähig für Ihre eventuellen Ratschläge oder gar Maßregelungen. Erinnern Sie sich an die Trotzphase im Kleinkindalter. Das Kind wird sich wieder beruhigen und dann können Sie erneut in Kontakt treten.

2. In der Pubertät unbedingt im Gespräch bleiben

Auch wenn sich Ihr Kind jetzt lieber mit Gleichaltrigen unterhält und sie nicht mehr viel Anteil an seinen Problemen nehmen dürfen, bieten Sie immer wieder Ihre Gesprächsbereitschaft an. Sie müssen sich damit abfinden, dass Sie jetzt nicht mehr die Hauptrolle für Ihren Nachwuchs spielen. Das Kind sucht lieber die Gesellschaft von Freunden und hält von familiären Unternehmungen so gut wie gar nichts mehr.

Vor allem möchte es nicht ständig über seinen Tagesablauf ausgefragt werden, deshalb ist es wichtig, Ihre Neugierde ab sofort im Zaum zu halten. Nutzen Sie gemeinsame Mahlzeiten auf keinen Fall, um Grundsatzprobleme zu klären. Plaudern Sie beim Essen einfach über Sie selbst bewegende Themen und geben Sie ruhig auch Ihre eigenen Gefühle, Gedanken, Erlebnisse und Ansichten preis.

Je mehr Sie sich öffnen, umso eher ist Ihr Kind auch dazu bereit. Hüten Sie sich davor, in Ihre Gespräche ständig den erhobenen Zeigefinger oder Spitzen über Missgeschicke der Kinder einzubinden. Wenn sich Teenager ständig bevormundet und verhöhnt fühlen, kommt es schnell zu einer Eskalation.

Kommt es dennoch dazu, dass ein Gespräch außer Kontrolle gerät und Sie noch dazu mit Beleidigungen überschüttet werden, ziehen Sie die Notbremse, beenden das Ganze und geben Sie Ihrem Kind zu verstehen, dass Sie tief verletzt sind. Auch wenn Sie glauben, dass Ihr Kind Ihnen nicht zuhört, so registriert es doch ganz genau, was Sie sagen und im späteren Verlauf werden Sie merken, dass es sich einiges sogar angenommen hat. Lassen Sie sich bitte nicht selbst zu unbedachten Äußerungen hinreißen, führen Sie sich stattdessen immer wieder die Baustelle vor Augen.

3. Unordnung gehört zur Pubertät

Sie sollten es sich angewöhnen, vor Betreten des Kinderzimmers anzuklopfen. Währenddessen können Sie noch einmal kurz aufatmen, damit Sie stark genug sind für das Chaos, das Sie in den meisten Fällen empfangen wird. Es bringt nichts, wenn Sie jetzt gleich mit dem Herumnörgeln anfangen. Außer Stöhnen, Murren und Augenrollen wird Ihnen nichts entgegnet und damit ist Frust auf beiden Seiten vorprogrammiert.

Teenager haben ein anderes Ordnungsgefühl. Es stört sie nicht, wenn man den Boden nicht mehr betreten kann oder wenn sich auf der Couch nicht ein einziges freies Fleckchen befindet, auf das sich Vater oder Mutter setzen könnten, was ihnen ja ohnehin nur lästig ist. Verzetteln Sie sich daher lieber nicht in Machtkämpfe, überlassen die Reinigung des Zimmers ab sofort dem Jugendlichen selbst und widerstehen unbedingt auch der Versuchung, trotzdem wieder zur Tat zu schreiten, wenn es mit dem Aufräumen doch nichts wird oder nicht schnell genug geht. Bieten Sie stattdessen gemeinsame Entrümpelungsaktionen an und glauben Sie an Ihre Vorbildwirkung in Sachen Ordnung.

4. Klare Regeln festsetzen

Um Machtkämpfe um Belanglosigkeiten so gut es geht zu vermeiden, sollten Sie gemeinsam mit Ihrem Kind klare Regeln aufstellen. Das betrifft sowohl das Familienleben als auch die immer weiter zunehmenden Aktivitäten mit Freunden. Dabei dürfen beide Seiten ihre Vorstellungen äußern, wobei es Dinge gibt, die nicht verhandelbar sind, wie zum Beispiel der tägliche Schulbesuch. Vermeiden Sie zu viele Einschränkungen, manchmal ist es vorteilhafter, sich auf wenige Sachen zu beschränken:

  • Die Reinigung des eigenen Zimmers liegt ab sofort in eigener Hand des Jugendlichen. Dazu gehört auch die regelmäßige Müllentsorgung.
  • Überlassen Sie dem Kind einen Verantwortungsbereich im Haushalt.
  • Treffen Sie stets konkrete Vereinbarungen, wann das Kind nach abendlichen Ausgängen wieder zu Hause sein soll. Kommt einmal etwas dazwischen, muss es sich unbedingt melden.
  • Reden Sie über Verhütung, Alkohol, Nikotin und Drogen.
  • Legen Sie im Vorfeld Konsequenzen für Regelverstöße fest und setzen Sie diese dann auch auf jeden Fall durch.

5. Liebe und Vertrauen zeigen

Vielen Eltern fällt es besonders schwer, ihre Kontrollfunktion und Bevormundung einzuschränken und die Balance zwischen Interesse und Überwachung zu finden. Auch lässt sich die ablehnende Haltung der Kinder nicht leicht akzeptieren, aber die Kuschelzeit ist mit der Pubertät nun endgültig vorbei.

Trotzdem ist körperliche Nähe für den Teenager immer noch sehr wichtig und hin und wieder lässt er noch die eine oder andere Umarmung zum richtigen Zeitpunkt zu. Eltern sollten sich jetzt nicht beleidigt zurückgestoßen fühlen, sondern die wenigen innigen Momente ruhig genießen. Sie sollten Ihrem Kind immer zu erkennen geben, dass Sie es auch trotz ausgefahrener Krallen lieben und für Probleme jederzeit zur Verfügung stehen.

Ganz wichtig ist es auch, viel Vertrauen in die Jugendlichen zu stecken. Eltern können nicht mehr jeden Schritt überwachen, kennen nicht mehr jeden Freund oder Kumpel und müssen nun darauf bauen, dass sie ihren Kindern ausreichend Regeln, Weisheiten und Werte mit auf den Weg gegeben haben, damit sie sich im sozialen Gefüge zurechtfinden.

Bildnachweis: highwaystarz / stock.adobe.com

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