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Gewaltfreie Kommunikation nach Rosenberg: Beobachten ohne zu bewerten

Gewaltfreie Kommunikation nach Rosenberg: Beobachten ohne zu bewerten
geschrieben von Marion Walsdorff

Marshall B. Rosenberg beschreibt in seinem Buch „Gewaltfreie Kommunikation“ die wesentlichen Schritte, die zu einer gewaltfreien Kommunikation gehören. Als erster Schritt gilt das Beobachten ohne zu bewerten. Warum ist es so wichtig, seinem Gegenüber nicht mit moralischen Urteilen und Bewertungen zu begegnen? Was lösen Bewertungen und moralische Urteile aus?

Beobachten ohne zu bewerten ist der erste Schritt

Zu beschreiben was man an einem anderen Menschen wahrnimmt, ohne zu bewerten oder das Wahrgenommene zu interpretieren ist gar nicht so einfach. Rosenberg empfiehlt, diesen Schritt der gewaltfreien Kommunikation tatsächlich zu üben. So schlägt er beispielsweise vor, sich mit einem anderen Menschen zusammen zu setzten und beide beschreiben an dem anderen nur was sie sehen. Zum Beispiel nicht zu sagen: „Du siehst müde aus“ (dies wäre bereist eine Interpretation des Gesehenen) sonder zu sagen, „ich sehe dass Deine Augenlider geschwollen sind“ oder „ich sehe, dass Deine Augen blinzeln“.

Beobachten ohne zu bewerten ist gar nicht so einfach

Den meisten Teilnehmern von Gruppen, in denen die gewaltfreie Kommunikation nach Rosenberg gelernt wird, fällt diese erste Übung sehr schwer. Doch es ist eine interessante Erfahrung, die Welt um sich herum mal so zu beschreiben wie man sie sieht – ohne jegliche Bewertung, ohne Interpretation und ohne moralisches Urteil.

Bewertungen behindern die Einfühlung

Warum ist es so wichtig andere Menschen zu beobachten ohne zu bewerten? Rosenberg geht davon aus, dass unsere moralischen Urteile, unsere Art die Wirklichkeit zu interpretieren und über Vergleiche das Wahrgenommene einzuordnen dazu beitragen, dass unsere Kommunikation mit anderen Menschen misslingt.

Nach Rosenberg entfremden uns moralische Urteile und Bewertungen von unseren Mitmenschen und von unserer grundlegend einfühlsamen Natur. Haben Menschen die Einfühlung für ihr Gegenüber verloren, ist es schwer weiterhin friedlich mit einander zu kommunizieren und zu einer einvernehmlichen Lösung im Konfliktfall zu kommen.

Bedürfnisse formulieren

Moralische Urteile und Bewertungen der Verhaltensweisen von anderen Menschen sind nicht dazu angetan, besser herauszufinden was man gerade braucht oder sich von anderen Menschen wünscht. Wenn man sich über einen anderen Menschen ärgert ist meist ein Bedürfnis enttäuscht worden.

Hat man sich beispielsweise mit einem Freund zum Essen gehen verabredet und er kommt deutlich zu spät, kann es sein, dass man sich ärgert, weil man Hunger hat oder weil man jetzt keine Zeit mehr hat, um in Ruhe ein nettes Lokal auszusuchen und noch gemütlich zusammen zu sitzen nach dem Essen. Diese enttäuschten Bedürfnisse sind es laut Rosenberg, die kommuniziert werden müssen, damit die Kommunikation besser klappt.

Vorwürfe vermeiden

Es hilft nun nicht, dem Freund Vorhaltungen zu machen, dass er unzuverlässig ist oder immer zu spät kommt dergleichen. Dies wird seine Abwehr gegen die Vorwürfe heraufbeschwören und er wird bei der nächsten Verabredung vermutlich wieder nicht pünktlich kommen. Im Schlimmsten Fall geht der Freund sogar zum Gegenangriff über und reagiert mit Kritik an den Erwartungen an ihn.

Gemeinsam nach einer Lösung suchen

Wenn es gelingt dem Freund die eigenen Gefühle und Bedürfnisse ruhig mitzuteilen, wird dieser verständnisvoll und offen reagieren. Sätze wie: „Ich hatte mir vorgestellt, dass wir in Ruhe ein Lokal aussuchen und dann noch Zeit zum Reden haben“ werden in ihm mehr Betroffenheit über die verpatzte Situation hervorrufen und ihn eher dazu bringen gemeinsam nach einer Lösung zu suchen, als Vorwürfe über seine Unpünktlichkeit. So findet man möglicher Weise doch noch einen Weg wie die Bedürfnisse beider Konfliktparteien erfüllt werden können.

Zusammenfassung

Der erste Schritt in der gewaltfreien Kommunikation ist es, anderen Menschen ohne moralisches Urteil und ohne Bewertung ihres Verhaltens oder ihres Charakters gegenüber zu treten. Häufig sind es enttäusche Erwartungen, die Ärger verursachen. Gelingt es die dahinterstehenden Bedürfnisse und die durch das Verhalten des anderen entstandenen Gefühle ruhig zu formulieren, gelingt die Kommunikation und es kann gemeinsam eine Möglichkeit gefunden werden, wie die Bedürfnisse doch noch erfüllt werden können.

Bildnachweis: Robert Kneschke / stock.adobe.com

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