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Ganz ich selbst – ich rede Tacheles

Lesezeit: 2 Minuten Tacheles reden – das klingt in den Ohren der meisten Menschen nach Erleichterung pur, nach Wellness für die Seele, danach, sich nicht verbiegen zu müssen. Aber ist das auch für die Umgebung immer so angenehm? Sind Menschen, die Tacheles reden, sympathische Zeitgenossen oder bedeutet es, dass für schlechtes Benehmen endlich eine gute Entschuldigung gefunden wurde?

2 min Lesezeit
Ganz ich selbst – ich rede Tacheles

Ganz ich selbst – ich rede Tacheles

Lesezeit: 2 Minuten

Wenn ich bei einer bekannten deutschen Business-Social-Media-Plattform im Internet die Profile meiner Kontakte ansehe, steht unter „Sprachen“, die meine Kontakte sprechen, erstaunlich häufig „Tacheles“.

Tacheles reden heißt so viel wie Klartext, wie undiplomatisch sagen, was man wirklich denkt, ohne Rücksicht. Wer das in sein Profil reinschreibt, ist stolz darauf, so „zu reden, wie ihm der Schnabel gewachsen ist“. Ich muss gestehen, dass mich immer, wenn ich das lese, ein etwas ungutes Gefühl überkommt.

Welchen Zweck erfüllt das Tacheles reden?

Es ist nicht so, dass ich selber nicht „Tacheles reden“ könnte. Aber ich finde es irgendwie nicht sonderlich erstrebenswert. Nun bin ich keineswegs der Meinung, Menschen sollten niemals ihre Meinung sagen. Im Gegenteil. Dennoch bin ich der Überzeugung, der Ton macht die Musik.

Ich frage mich, welchen Zweck es erfüllt „Tacheles“ zu reden. Sicher, es ist eine Erleichterung für den Redner selbst – kann er doch einfach den Gefühlen freien Lauf lassen, ohne die geringste Rücksicht auf Verluste. Ein Grund, das stolz in ein Business-Profil im Internet zu setzen? Wohl kaum.

Mut zur Diplomatie

Es ist anstrengender, seine Meinung so kund zu tun, dass der Gesprächspartner sowohl den Ernst der Lage, die Veränderungschance, als auch meine Gefühle erkennen kann und dabei dennoch höflich und gelassen zu bleiben. Viel anstrengender als „Tacheles“. Wenn aber Tacheles nur im Entferntesten dazu dienen soll, ein Verhalten meines Gesprächspartners auf den Prüfstand zu bringen und ihn möglicherweise zum Umdenken zu bewegen – liege ich dann mit „Tacheles reden“ richtig? Habe ich tatsächlich Chancen auf Erfolg?

Führt Tacheles ans Ziel?

Ich überlege, wie ich reagiere, wenn jemand Tacheles mit mir redet. Und ich denke an meine Erfahrungen, die ich gemacht habe, wenn ich selbst Tacheles geredet habe. Normalerweise geht doch dann die Klappe runter und der Kommunikationspartner schaltet auf stur.

Mal ehrlich: Wenn mich jemand anschnauzt, nehme ich ihn entweder nicht ernst, oder nehme mir nichts von ihm an – beides ist wenig dienlich für die Situation. Sinnvoller ist, wenn der Gesprächspartner wirklich ans Nachdenken kommt, das eigene Verhalten auf den Prüfstand stellt.

Der Reaktions-TÜV

Auf Aktion folgt Reaktion. Bei vielen Menschen ist leider hier nichts dazwischen geschaltet. Sie reagieren unwillkürlich auf das Verhalten eines anderen, stellen die eigene Reaktion kaum auf den Prüfstand. Sinnvoller ist es jedoch nach meiner Meinung, zwischen Aktion und Reaktion einen Gedanken zu setzen.

Sozusagen einen Reaktions-TÜV. Eine kurze Überprüfung dessen, was man tun möchte. Wird meine Reaktion tatsächlich das gewünschte Ergebnis liefern? Mich meinem Ziel näher bringen? Tacheles wird diese Prüfung selten bestehen. Diplomatie immer.

Eine gute Kommunikation wünscht Ihnen Ihre
Julia Sobainsky

Bildnachweis: contrastwerkstatt / stock.adobe.com

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