Familie Praxistipps

Eine Patchwork-Familie meistern

Lesezeit: 3 Minuten Der traditionelle Familienbegriff beginnt sich immer mehr zu wandeln. Viele Beziehungen brechen auseinander, und mit neuen Partnern werden so genannte Patchwork-Familien gegründet. Laut dem Bundesministerium für Familie leben aktuell 6% der Kinder unter 18 Jahren mit einem Stiefelternteil zusammen. Diese Lebensform wirft viele Fragen auf. Wir helfen Ihnen in 10 Schritten, Probleme zu erkennen und zu lösen.

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Eine Patchwork-Familie meistern

Eine Patchwork-Familie meistern

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1. Schließen Sie zuerst mit der Vergangenheit ab. Eine neue Beziehung kann nicht reibungslos funktionieren, wenn Sie emotional noch nicht mit der alten abgeschlossen haben. Gönnen Sie sich zuerst eine entsprechende Zeit der Trauer. Das kann auch einige Jahre dauern, vor allem, wenn der Partner Sie verließ oder starb. Betrachten Sie die vergangenen Zeiten nüchtern, ohne den Ex-Partner zu verklären oder zu verteufeln. Wenn Ihnen dies gelingt, sind Sie bereit für eine neue Partnerschaft.

2. Wenn Sie einen neuen Partner finden, schweben Sie auf “Wolke Sieben”. Ein tolles Gefühl, aber bleiben Sie realistisch. Jetzt wird nicht automatisch alles besser. Oft sind es zu hohe Erwartungen, an denen die Patchwork-Familie scheitert. Planen Sie Krisen gedanklich ein, dann sind Sie im Notfall vorbereitet.

3. Auch wenn es schwer fällt, sollten Sie sich um ein gutes oder wenigstens neutrales Verhältnis zum Ex-Partner bemühen. Kinder brauchen beide Eltern. Sehen Sie die positiven Seiten: Wenn die Kinder bei dem anderen Elternteil sind, haben Sie Zeit für traute gemeinsame Stunden.

4. Wenn Sie mit Ihrem Partner eine längerfristige Beziehung aufbauen wollen, müssen Sie die Kinder vorsichtig integrieren. Wahrscheinlich lebten Sie einige Zeit mit den Kindern alleine, es haben sich lieb gewonnene Gewohnheiten eingestellt. Diese sollten weiterhin bestehen. Gemeinsame Unternehmungen sind praktisch, um sich zu beschnuppern. Es ist optimal, wenn das Zusammenleben schon am Wochenende geprobt werden kann.

5. Möchten Sie zusammenziehen und eine Patchwork-Familie gründen, müssen alle Familienmitglieder an der Planung beteiligt sein. Seine Wohnung, ihre Wohnung, etwas Neues, aber wo? Jeder darf seine Wunschvorstellungen äußern, anschließend sollten Sie versuchen, einen Kompromiss zu finden, dem alle zustimmen. In der Praxis zeigt sich, dass ein Neuanfang leichter in einer Umgebung gelingt, die allen gleich fremd ist. Ansonsten entsteht eine Art Heimvorteil, die den anderen erschwert, Wurzeln zu schlagen.

6. In der neuen Familie müssen alle erst ihren Platz finden. Das ist für Kinder besonders schwierig, vor allem wenn sie sich mit Stiefgeschwistern arrangieren müssen. Also bitte nicht alles Spielzeug in eine gemeinsame Kiste aufbewahren. Soll das Zusammenleben klappen, braucht jeder seinen eigenen, klar definierten räumlichen Bereich hat. Optimal ist ein eigenes Zimmer, es reicht aber auch das eigene Regal mit Spielzeug. Selbstverständlich darf kein Kind ohne zu fragen Spielzeug der anderen nehmen.

7. Die Erziehung der Kinder ist eines der Hauptstreitthemen in Patchwork-Familien. Wenn der eine sehr streng ist und der andere zu viel erlaubt, sind Streit und Spannungen vorprogrammiert. Setzen Sie sich mit Ihrem Partner zusammen und tauschen Sie sich über Ihre Vorstellungen aus. In Zukunft müssen Sie sich auf eine Linie einigen. Außerdem sollten Sie klären, in wieweit sich jeder in die Erziehung der Stiefkinder einbringen sollte.

8. Männer wollen in der Erziehung mitbestimmen und ecken häufig mit autoritärem Ton an. Sie sollten sich lieber zurückhalten. Frauen dagegen wollen unbewusst die Ex-Frau ausstechen und zeigen, dass sie eine bessere Mutter sind. Auch das führt zu Konflikten und Frust, denn gegen die Liebe zu den leiblichen Eltern kommen sie nicht an. Sie haben nur eine Chance auf die Zuneigung der Kinder, wenn Sie auch deren Mutter akzeptieren.

9. In keiner Patchwork-Familie herrscht immer nur Harmonie. Irgendwann fallen diese Sätze: Fass mich nicht an. Du bist nicht meine Mutter. Du hast mir gar nichts zu sagen. Dahinter steckt der Wunsch nach Distanz, gleichzeitig aber auch das Bedürfnis dazuzugehören. Natürlich ist es hart, aber nehmen Sie diese Aussagen nicht persönlich. Die Kinder sind durch die Situation seelisch verwundet, ihnen fehlt Vertrauen. Das baut sich nur langsam auf. Manchmal ist es sinnvoll, anfangs mit körperlichen Berührungen sparsam umzugehen. Haben Sie Geduld und versuchen Sie sich geistig mit dem Kind zu verständigen, indem Sie sich für seine Vorlieben interessieren.

10. Stehen Sie selbstbewusst zu Ihrer neuen Familie, auch wenn Ihre neue Lebensform von anderen Menschen abfällig beäugt wird. Denken Sie an eine Patchwork-Decke: Aus den vielen Einzelteilen können Sie etwas wunderschönes Neues schaffen. Wenn Sie mit Herzblut hinter Ihrer neuen Familie stehen, haben Sie den ersten Schritt schon gewonnen. Und Kinder in Patchwork-Familien entwickeln oft großartige soziale Kompetenzen.

Bildnachweis: YakobchukOlena / stock.adobe.com

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