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Eifersucht, frühe Erfahrungen und Konflikte

Lesezeit: 6 Minuten Wir werfen einen Blick auf gestörte Erfahrungen in der Kindheit mit ihren Auswirkungen auf Konflikte, auf Eifersucht und das Durcheinander von Einflussgrößen, die eine Veränderung verhindern.

6 min Lesezeit
Eifersucht, frühe Erfahrungen und Konflikte

Eifersucht, frühe Erfahrungen und Konflikte

Lesezeit: 6 Minuten

Kommunikation ist ein Durcheinander von Einflussgrößen, die Veränderung verhindern

Kampf, Konflikt, Kindheit – Was uns heute beschäftigt

Betrachten wir den Kampf in einem Konflikt, müssen wir feststellen, dass die Oberfläche des Konfliktgeschehens oft nicht die Ursache darstellt. Oft werden Anlass, Kampfebene und Ursache verwechselt, die Möglichkeit eines ungelösten Konflikts in der Kindheit nicht berücksichtigt. Diese Mischung verschiedener Einflüsse werden wir lernen zu erkennen, aufzulösen und einzeln zu bearbeiten.

Konflikt, Eifersucht – mal so, mal so

Verdeutlichen wir uns dieses Geschehen an einigen Beispielen. Immer handelt es sich bei diesem Konflikt um krankhafte Eifersucht. Die Ursache ist jedoch unterschiedlich. Auch zeigt sich dieses Problem auf unterschiedliche Weise. Aber der Reihe nach.

Eifersucht und Gefühl der Zurücksetzung in der Kindheit

Zum zweiten: Agnes zeigt Eifersucht. Auch sie gefährdet damit ihre Beziehung. Die Ursache liegt jedoch woanders. In der Kindheit erlebte sie, dass ihr älterer Bruder von der Mutter und auch vom Vater vorgezogen wurde. So zumindest nahm sie es wahr. Das hinterließ in ihr eine tiefe Verletzung.

Sie musste auf Grund dieser Erfahrungen automatisch sehr kritisch überprüfen, ob sie vom anderen nicht so geachtet wird, wie sie es sich wünschte. Das prägt den aktuellen Konflikt. Stets befürchtet sie, dass ihre Partner sich bei jeder nur passenden Gelegenheit in eine andere Frau ‚vergucken‘ würde. Stimmte meistens nicht, aber sie konnte nicht lernen, dass sie da ein Problem hat.

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Erfahrungen, Konflikt, Eifersucht und schlimme Vorerfahrung

Achim und Agnes zeigen uns die Komplexität. Im ersten Beispiel zeigt Achim Eifersucht. Lassen wir die Äußerungsform einmal beiseite, betrachten nur den Konflikt mit seiner Ursache.

Die Ursache des Geschehens liegt in konkreten Erfahrungen mit der vorigen Freundin von Achim. Mehrfach erlebte er, dass sie ihn betrog, das jedoch nie zugeben wollte. Es dauerte relativ lange, bis Achim es schaffte, sich von ihr frei zu machen, denn sie verstand es immer wieder, ihn zu betören. Auf Grund dieser Erfahrungen reagierte er reflexhaft eifersüchtig, obwohl er keinen Anlass dazu hatte und brachte seine Beziehung in Gefahr.

Eifersucht – die größere und vorgezogene Schwester

Zum dritten: Achim ist eifersüchtig, seit seiner Kindheit. Seine ältere Schwester war nicht nur älter, konnte schon alles, was er noch lernen musste, sie ‚erzog‘ ihn immer wieder, behandelte ihn andererseits wie eine ‚Puppe‘. Das waren seine Erfahrungen mit ihr.

Aber das Schlimmste war: Sie wurde von Mutter und Vater vorgezogen. Der Vater flirtete mit ihr, das macht eifersüchtig. Die Mutter nutzte sie als Bundesgenossin gegen den Vater, aber auch gegen ihn, wenn er nicht gehorchen wollte. Das prägt jeden Konflikt.

Eifersucht und die Erfahrung, nicht geliebt zu werden

Zum vierten: Agnes zeigt Eifersucht. Bei ihr lag die Wurzel in einem tiefen Gefühl aus der Kindheit, nicht geliebt zu werden. Sie war das Ergebnis einer Vergewaltigung und die Mutter konnte sie nicht lieben, weil sie sich durch Agnes immer wieder an den Vergewaltiger erinnert fühlte.

Auf Grund dieser Erfahrungen wurde aus Agnes ein stilles und ängstliches Kind, das immer nach Zuneigung suchte, auch da, wo sie nicht erfüllt werden konnte und auch in einer Intensität, die niemand bieten kann. Aus diesem Grunde fühlte sie sich in ihrer Beziehung abgelehnt, zurückgewiesen und befürchtete, nichts wert zu sein und das deshalb ihr Partner sich ’natürlich‘ eine andere suchen würde. So sieht sie ihren Konflikt.

Soviel zu den unterschiedlichen Ursachen für Eifersucht. Es gibt noch viel mehr. Lesen Sie darüber in meinem Buch: „Partnerschaftskonflikte – Probleme zu zweit“.

Eifersucht und Gekränkt reagieren

Nun zu den Äußerungsformen der Eifersucht: Agnes ’schnappt immer wieder plötzlich ein‘, erzählt Achim. Sie redet dann tagelang nicht mit ihm, er findet lediglich Zettel, auf denen sie ihm mitteilt, was er zu tun habe. Langsam ’normalisiert sie sich dann wieder‘, meint Achim und das Ganze geht eine Weile gut, bis das gleiche von vorm beginnt. Der Konflikt hat seine Ursache in ihren Erfahrungen in der Kindheit.

Eifersucht und Überwachung

Eine weitere Variante: Achim zeigt Eifersucht. Die Ursache liegt auch bei ihm in der Kindheit. Das ist eine Katastrophe. Er arbeitet bei der Gemeinde, hat viel Außendienst. Wie sieht der Konflikt aus? Er geht zur Arbeit, ruft zu Hause an, um herauszufinden ob Agnes auch zuhause ist. Dann verlässt er das Amt und schleicht sich Richtung nach Hause.

Hier wartet er darauf, ob Agnes das Kind in den Kindergarten bringt, ob sie auch wirklich einkaufen geht, wie sie gesagt hat, oder ob sie sich mit einem Mann trifft. Agnes hat das natürlich herausbekommen und ist durch diese Erfahrungen inzwischen genervt. Sie betrügt ihn nicht, fühlt sich verletzt, kann das kaum noch aushalten. Die Partnerschaft ist massiv gefährdet.

Eifersucht und Rechthaberei

Noch ein Muster: Der Konflikt sieht so aus, dass Agnes immer wieder in rechthaberischer Weise einen Streit mit Achim beginnt. Sie ‚weiß alles besser‘, meint er. Es nützt auch nichts, wenn er ihr Recht gibt und versucht, diesen Streit zu vermeiden.

Seine Erfahrungen sind: ‚Dann weiß sie ganz sicher, dass ich unehrlich bin, und sie nur hinters Licht führen will‘. ‚Das ist die totale Eifersucht‘. Das Ganze endet entweder mit einem lauten Streit oder Achim gibt genervt auf und zieht sich ratlos ins Bett zurück. Die Ursache liegt bei Agnes in der Kindheit.

Eifersucht und tiefes Misstrauen dem Partner gegenüber

Ein weiteres Muster: Achim beendet seine Freundschaften immer wieder abrupt, weil er den Eindruck hat, dass Agnes von den Freunden umworben wird. Anstatt sich darüber zu freuen, entsteht Eifersucht. Er befürchtet, dass Agnes mit fliegenden Fahnen zu dem Freund überläuft und er allein ist.

So sehen seine Erfahrungen aus der Kindheit aus. Sie hat ihm zwar nie einen Anlass dafür gegeben, aber der Konflikt durch die Eifersucht ist trotzdem da. Zudem versucht er krampfhaft, sie von allen Aktivitäten fern zu halten, damit sie ja nicht in Verführung gerate.

Eifersucht und Detektiv spielen

Noch eins: Agnes kocht innerlich vor Eifersucht. Ursache ist ein Konflikt in der Kindheit. Sie sagt das nicht. Sie forscht heimlich. Sie geht an seine Brieftasche und prüft den Inhalt, sie überprüft sehr kritisch seine Unterhosen und überprüft heimlich, ob er wirklich Überstunden macht, oder das nur behauptet.

Auch glaubt sie ihm nicht wirklich, dass er mit Freunden zum Sport geht, vielleicht macht er ja doch etwas anderes. Um das klären zu können, geht sie in das gleiche Fitnesscenter. Es geschieht nichts. Sie ist felsenfest davon überzeugt, dass das nur deshalb so ist, weil sie so gut aufpasst. Korrigierende Erfahrungen kann sie nicht machen.

Auch dies sind nur einige Äußerungsformen von Eifersucht, es gibt viel mehr. Vielleicht haben Sie ja einige Beispiele aus ihrem Umkreis im Sinn.

Ursache der kindlichen Konflikte und der Äußerungsformen

Betrachten wir das Ganze, fällt auf, dass neben realen Erfahrungen die Ursache oft in der Kindheit liegt, die die Wirklichkeitswahrnehmung verfälschen und auch zu unangemessenen Verhaltensmustern führen. Damit beschwören sie einen unangemessenen Konflikt herauf. Es kann durchaus sein, dass für die verfälschte Wahrnehmung und die ungeeigneten Verhaltensmuster unterschiedliche Ursachen vorliegen.

Partnerschaftskonflikt – ein Gemisch aus unterschiedlichen Wurzeln

Man sieht an der Oberfläche ein bestimmtes, immer wiederkehrendes Verhaltensmuster, beispielsweise Eifersucht, Empfindlichkeit mit ‚Einschnappen‘, Siegen müssen. Zunächst ist unklar, wer der Verursacher ist. Sehr schnell erkennt man, dass die Ebene, auf der die Auseinandersetzung tobt, gar nicht die Ursache wiederspiegelt. Wenn beide sich darüber zanken, wer ‚dran ist‘, den Mülleimer hinauszutragen, geht es meisten nicht um den Müll, der Konflikt liegt woanders.

Oft geht es entweder um eine Geschwisterrivalität aus der Kindheit, oder die Erfahrungen, dass einer von beiden bedient werden möchte, oder um etwas ganz anderes, beispielsweise, weil einer von beiden mal wieder zu viel Geld ausgegeben hat, wie der andere meint.

Stimmt letzteres denn wirklich, hat da einer nur unbegründete Befürchtungen, oder ist es wahr, denn der andere kann mit Geld nicht umgehen? Falls eins von beiden zutrifft oder sogar beides – ja, so etwas gibt es – wo liegt die Ursache für das Fehlverhalten? Dieses Konglomerat aus Anlass, Teilursachen, die von beiden Seiten eine Rolle spielen können, führt zu einem recht komplexen Geschehen, dass man erst mühselig ‚entflechten’‚ muss.

Mit ein paar Ratschlägen oder Handlungsanweisungen, wie sie von manchen Ratgebern angeboten werden, ist es nicht getan. Man muss schon etwas genauer hinschauen. Gerade die ‚Verklammerungen‘, die durch das Aufeinandertreffen von ‚passenden‘ Konflikten entstehen, muss man erkennen und auflösen.

Manche Partner ’suchen’‚ und ‚finden‘ sich gerade durch diese Konflikte, die dann dafür sorgen, dass diese sich gegenseitig anheizen oder zumindest unterhalten. Man denke nur an einen Menschen voller Eifersucht, der sich einen sehr attraktiven Partner sucht und gerade dadurch besonders eifersüchtig reagieren muss. Auch die verwendeten Zanktechniken heizen die Ängste des andern an, anstatt dass man nach gemeinsamen Lösungen suchen kann.

Aktueller Konflikt und seine Wurzeln

Wir erkennen, es ist gar nicht so einfach, einen Konflikt zu verstehen. Oft gibt es ein Knäuel von Teilaspekten aus Kindheit und auch späteren Erlebnissen, die erst zusammengenommen und dann für beide getrennt betrachtet, dem Geschehen gerecht werden.

Sie können sich vorstellen, da treffen zwei Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen, unterschiedlichen Bedürfnissen und auch Fähigkeiten aufeinander. Das führt nicht selten zu fürchterlichen Missverständnissen mit oft recht ungeschickten Formen der Kommunikation, die eine konstruktive Veränderung unmöglich machen.

Wir werden uns im Folgenden in kleinen Schritten diesem komplexen Geschehen weiter nähern, damit wir schließlich in der Lage sind, eigenverantwortlich Lösungen für die Probleme, die für die nicht enden wollenden Zankereien verantwortlich sind, zu finden und einzuüben.

Auch die Entwicklung einer Partnerschaft ist für unsere Betrachtung wichtig. Damit werden wir uns in der nächsten Serie beschäftigen.

Bildnachweis: Antonioguillem / stock.adobe.com

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