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Die Pilzgifte

Lesezeit: 4 Minuten Die Pilzvergiftungen bewirkenden Pilzgifte sind von unterschiedlicher Zusammensetzung. Es lassen sich elf verschiedene Giftarten-Gruppen inklusive unechter Pilzvergiftungen nachweisen, die im Zusammenhang mit Pilzen auftreten können. Den Spitzenreiter bei der Vergiftung durch den Pilz stellt auch heute noch die Gruppe der Knollenblätterpilze mit den Giften Phallotoxine und Amatoxine.

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Die Pilzgifte

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Pilzgifte: Giftarten-Gruppen
Im Folgenden lernen Sie die Giftgarten-Gruppen kennen. Zur Vereinfachung werden in der nachfolgenden Aufzählung Abkürzungen verwendet:

  • Gruppe – Gr
  • Gifte der Gruppe – GdG
  • Doppelgänger, Verwechslungsmöglichkeit – D
  • Toxikologie – T
  • lebensgefährlicher tödlicher Giftpilz – lgtöG
  • lebensgefährlicher Giftpilz – lgG
  • sehr giftiger Pilz – sgP
  • Giftpilz – G
  • Latenzzeit – L
  • Symptome – S
  • Bestandteile – B
  • Vorkommen in den Monaten, z. B. Juli – September: 7-9.

 Pilzgifte der Wulstlinge

  • Gr8 – Wulstlinge
  • GdG – Krötengift Bufotenin (Tryptamin-Abkömmling)
  • T – Gastroenteritis, neurologische Komplikationen möglich, verengt Blutgefäße und gefährdet Personen mit erhöhtem Blutdruck, Thrombosegefährdung sowie Diabetes. Ernste Vergiftungen sind unbekannt
  • L 15-30 Minuten
    • Gelber Knollenblätterpilz, Amanita citrina
      8-11 im Nadelwald
      D Champignon, Grünling
      G
    • Porphyr-Wulstling, Amanita porphyria
      8-11 im Nadelwald
      D -Champignon, Grünling

Pilzgifte der Knollenblätterpilze
Knollenblätterpilze mit ihren Pilzgiften Phallotoxine, Amatoxine bildet auch heute noch den Schwerpunkt im Vergiftungsgeschehen durch Pilze.

  • Gr1- Knollenblätterpilze
  • GdG – Phallotoxine, Amatoxine (zyklische Peptide)
  • T – vorwiegend hepatoxisch (Leber, Nieren, Zellatmung werden geschädigt). Bei dieser gefährlichen Pilzgruppe sind sogar die Sporen giftig.
  • L 8-40 Stunden. Erst danach treten S auf: 1. – 4. Tag schwere Magen- und Darmbeschwerden, 4. oder 5. Tag Schädigung von Leber, Nieren, Herzmuskel; danach Bewusstlosigkeit und Herzversagen. Infolge der sehr langen L ist die Behandlung äußerst schwierig (Intensivstation). Die Gifte verschwinden schnell aus dem Blut und verbleiben im Kreislauf Leber-Galle-Darm-Leber, so dass ein totaler Blutaustausch nur im Frühstadium Sinn macht. Ein großer Teil der Giftstoffe lässt sich jedoch ausleiten.
    • Grüner Knollenblätterpilz , Amanita phalloides
      7 – 9 unter Eichen
      D-Grünling, Echter Ritterling, Champignons, grüne Täublinge
      lgtöG
    • Weißer Knollenblätterpilz, Amanita verna
      7 – 9 unter Eichen
      D – Champignons
      lgtöG
    • Spitzhütiger Knollenblätterpilz , Amanita virosa
      7 – 9 im Nadelwald
      D- Champignons
      lgG
    • Nadelholz-Häubling , Galerina marginata
      7-9 im Nadelwald
      D- Champignons
      lgG

Pilzgifte der Lorcheln

  • Gr2 – Lorcheln
  • GdG – Gyromitrin ( B –Methohydrazin, Formylmethylhydrazin)
  • T-vorwiegend hepatoxisch (Leber, Augen geschädigt, zentralnervöse S, wie Krämpfe, Halluzinationen, außerdem Mattigkeit, Kopf- und Leibschmerzen, Völle- und Schwindelgefühl, Erbrechen, Fieber bis 39°C)
  • L 6-8 Stunden. Behandlung ähnlich schwierig wie bei Gr1. Lorcheln waren früher sogar Marktpilz!
    • Frühjahrs-Lorchel, Gyromitra esculenta
      3-5 im Kiefernwald
      D Speise-Morchel
      lgG
    • Nordische Lorchel,   Gyromitra ambigua
      3-5 im Kiefernwald
      D Speise-Morchel
      lgG

Pilzgifte der Rauhköpfe

  • Gr3: Rauhkopf-Gr
  • GdG – Orellanine (Polypeptide)
  • T – vorwiegend hepatoxisch (Leber, Nieren, Milz, Zellatmung geschädigt – Zellgifte ähnlich Gr1). Typisch ist der äußerst langsame Erkrankungsverlauf
  • L 3-14 Tage
  • als S treten Durstgefühl, Mundtrockenheit, Magen- und Darmstörungen, Schmerzen vieler Art, Nierenschädigungen, Ansteigen des Harnstoffspiegels im Blut auf. Nach 2-3 Wochen kann der Tod durch Urämie eintreten; bei günstigem Verlauf zieht sich die Erholung des Patienten über Wochen und Monate hin.
    • Orangefuchsiger Rauhkopf (Hautkopf), Cortinarius  orellanus
    • Goldgelber Rauhkopf (Gürtelfuß) Cortinarius   gentilis
    • Spitzbuckeliger   Rauhkopf (Schleierling), Cortinarius   speciosissimus
    • Keulenstiel-Rauhkopf (Gürtelfuß) Cortinarius   orellanoides
    • Schöngelber Klumpfuß (Schleimkopf) Cortinarius splendens
    • und nahe Verwandte .

Pilzgifte der  Kremplinge

  • Gr4 – Krempling-Gr
  • GdG – Eiweißstoffe, die allergische Reaktionen auslösen, zudem Hämolysine und Hämagglutinine, die bei Hitze zerfallen
  • T – Eiweißunverträglichkeits-Folgen
  • L 20 Minuten – 4 Stunden. Kremplinge gehören wie Frühjahrslorcheln zu den Problempilzen, die nach jahrelanger Verträglichkeit plötzlich Todesfälle hervorbrachten.
    • Kahler Krempling, Paxillus involutus
      6-11 im Laub-/Nadelwald
      D Tannen-Reizker; roh stark giftig, vereinzelt tödliche Vergiftungen bekannt.

Pilzgifte der Pantherpilze

  • Gr 5 – Pantherpilz-Gr
  • GdG – Ibotensäure, Muszimol, Muskazon (Abkömmlinge von Isoxazol oder Oxazol), etwas Muskarin
  • T – vorwiegend muskarinartig (ZNS wird angegriffen, ruft rausch- und tobsuchtartige Anfälle, Krämpfe, Bewusstseins-Störungen, Sinnestäuschungen, Sprachstörungen hervor, sympathisches und parasympathisches Nervensystem geschädigt). Unter dem Rausch einer Pantherpilzvergiftung können kurzzeitig enorme Kraftleistungen aufgebracht werden, die in Phase 2 zu Bewusstlosigkeit, Atemnot, Absinken des Blutdrucks wechseln.
  • L 1/2 – 4 Stunden
  • die S dauern nicht länger als 24 Stunden. Todesfälle sind selten. Die Behandlung zielt auf Magen- und Darmentleerung, eventuell unter Gabe von Beruhigungsmitteln.
    • Pantherpilz, Amanita pantherina
      7-11 im Laub-/Nadelwald
      D Perlpilz, Grauer Wulstling
      sgP
    • Roter Fliegenpilz, Amanita muscaria
      7-11 im Nadelwald
      D Perlpilz
      G
    • Brauner Fliegenpilz,   Amanita regalis
      7-11 im Nadelwald
      D Perlpilz
      G

Pilzgifte der Rißpilze

  • Gr6 – Rißpilz-Gr
  • GdG – Muskarin und Muskaridin (Alkaloidel)
  • T – vorwiegend muskarinartig: die Gifte lagern sich in den Synapsen der Nervenzellen an und schädigen dort das parasympathische Nervensystem.
  • L nur 15 bis 60 Minuten.
  • Es beginnt mit den S Übelkeit, Schwindel, Schweißausbruch, Schüttelfrost, Speichelfluss, Gesichtsrötung, Pupillenverengung, Sprech- und Sehstörungen, Koliken, sehr schmerzhaften Muskelkrämpfen, Durchfall. Nach 8-9 Stunden tritt (unbehandelt) Herzlähmung ein. Vereinzelt kommen tödliche Vergiftungen vor, doch gelingt in den meisten Fällen mittels Auspumpen des Magens und Medikation eine rasche Genesung. Inzwischen fand man Muskarin in vielen weiteren Pilzarten in geringen, offenbar unschädlichen Dosen.
    • Ziegelroter Rißpilz, Inocybe patouillardii
      5-6 im Laubwald
      D Maipilz, Champignon
      lgG
    • weitere Rißpilzarten, Inocybe spec
      5-6 im Laubwald
      D Maipilz, Champignon
      lgG
    • kleine weiße Trichterling-Arten, Clitocybe dealbata, C. phyllophila u.a.
      7 – 11 im Nadelwald, auf Wiesen
      D Mehlpilz, Nelkenschwindling
      G
    • Rettich-Helmling, Mycena pura
      G

 Pilzgifte der Kahlköpfe

  • Gr7 – Kahlkopf-Gr
  • GdG – Psilocin und Psilocybin (Tryptamin-Abkömmlinge, wie die Mutterkorn-Alkaloide), Psilocin ruft Blaufärbung hervor
  • T – muskarinartig s.o.; nach 30 Minuten Illusionen, Bewusstseins-Spaltung, Sehstörungen, Angstzustände. Vergiftungen sind selten festzustellen (da unscheinbare "Koprophile" auf Exkrementen).
  • L15-30 Minuten,
  • wobei die S nach 4-5 h wieder abklingen (Wirksamkeit ca.100mal geringer als LSD). 
    • Spitzkegeliger Kahlkopf, Psilocybe semilanceata
    • Böhmischer Kahlkopf, Psilocybe bohemica
    • Düngerling-Arten, Panaeolus spec .

Pilzgifte der Tintling-Arten

  • Gr9 – Tintling-Arten
  • GdG – Coprin (B L-Glutamin, Zyklopropanol)
  • T – wirkt nur im Zusammenspiel mit Alkohol – dort hemmt es den Abbau des Äthanols, steigert den Aldehydspiegel und erzeugt katerähnliche Kreislauf-Wirkungen bis zum Kollaps
  • L 1/2 bis 4 Stunden
    • Grauer (Falten-)Tintling, Coprinus atramentarius
      5-11 auf Wiesen
      D Champignon, Schopftintling
    • Glimmer-Tintling,   Coprinus micaceus
      5-11 auf Wiesen
      D Champignon, Schopftintling
    • Keulenfuß-Trichterling, Clitocybe clavipes

 Pilzgifte der Rötlinge

  • Gr10 – Rötling-Gr
  • GdG-verschiedene Substanzen, die auf Magen- Darmkanal wirken
  • T Gastroenteritisfolgen (Erbrechen, Durchfälle, kolikartige Schmerzen, Schwindelgefühl, Sehstörungen, Schweißausbruch), beim Satanspilz am heftigsten
  • L ½ – 5 Stunden
  • S sind nach 24 Stunden vorbei – Ausnahme Tiger-Ritterling. Behandelt wird mit Magenspülung und Ausgleich des Wasserverlustes
    • Riesen-Rötling, Rhodophyllus sinuatus
      7-9
      D Grünling, Champignons, grüne Täublinge
    • Frühlings-Rötling, Rhodophyllus vernus
    • Tiger-Ritterling, Tricholoma pardolatum (T. pardinum )
      8-10 Laub-/Nadelwald
      D Graue und braune Ritterlinge
    • Halsband-Ritterling, Tricholoma focale
    • Gift-Egerling, (Karbol-Champignon) Agaricus xanthodermus (A. xanthoderma)
      7-10 auf Wiesen
      D Champignon
    • Perlhuhn-Egerling, Agaricus placomyces
    • Bruch-Reizker, Lactarius helvus
    • scharfe Reizker, Lactarius spec.
    • scharfe Täublinge, Russula spec .
    • Satanspilz, Boletus satanas
      8-9 unter Buchen
      D Hexenpilze
    • Blasse Koralle, Ramaria mairei
    • Schöne Koralle, Ramaria formosa
    • Kartoffelbovist, Scleroderma citrinum (C. aurantium)
      7-11 in Wäldern
      D Essbare Boviste, Trüffeln

Pilzgifte der Hallimascharten

  • Gr11 – Hallimaschgr 
  • roh giftige Pilze, zubereitet uneingeschränkt verzehrbar
    • Hallimasch, Armillariella mellea, A. polymyces u.a
    • Rotporige Hexenröhrlinge, Boletus erythropus, B. luridus
    • Dickfuß-Röhrling, Boletus calopus
    • Rotkäppchen, Leccinum aurantiacum u.a.
    • Schwefelporling, Laetiporus sulphureus
    • (Scheiden-) Streiflinge, Amanita fulva
    • Perlpilz, Amanita rubescens
    • Rotporige Hexenröhrlinge, Boletus erythropus, B. luridus
    • Gemeiner Felbling, Hebeloma crustuliniforme
    • Großer Rettich-Felbling, Hebeloma sinapizans
    • Graukappe, Lepista nebularis
    • Violetter Kronenbecherling, Sarcosphaera crassa ( 5 Minuten abkochen, Wasser wegschütten!)

Unechte Pilzvergiftungen (Lebensmittelvergiftungen)
Diese sind nur durch unsachgemäße Pilzbehandlung entstanden: z. B. Verzehr zu großer Mengen oder überalteter, verdorbener, falsch gelagerter Pilze (Plastikbeutel, Plastikschüssel, Blechdose). Die Legende von der Existenz eines giftigen "Falschen Perlpilzes" unter dem Namen Amanita pseudorubescens dürfte auf solche überständigen Exemplare zurückzuführen sein.

 Lesen Sie auch unsere Serie Pilze sammeln für Anfänger.

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