Homöopathie Praxistipps

Der Placebo-Effekt in der Homöopathie

Lesezeit: 2 Minuten Ist es wirklich nur der Placebo-Effekt, der in der Homöopathie wirkt? Wieder einmal steht die Homöopathie im Kreuzfeuer der Kritik, weil in der Presse Studien zitiert werden, die einen Wirksamkeitsnachweis der homöopathischen Mittel nicht erbringen können. Woran liegt das?

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Der Placebo-Effekt in der Homöopathie

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Die Homöopathie ist eine eigenständige Methode, die auf ganz anderen Prinzipien beruht, als die so genannte Schulmedizin. Diese fordert jedoch, dass die Studien über den Wirksamkeitsnachweis der Homöopathie nach ihren Regeln, nämlich randomisierten Doppelblindstudien mit Placebo erfolgen. Da aber in der Homöopathie die Mittel individuell ausgewählt werden, sind Doppelblindstudien nicht durchführbar. Das wird jedoch von der Schulmedizin immer noch häufig ignoriert.

Homöopathie und Placebo in der Forschung
Um eine angemessene Wirksamkeitsforschung zu betreiben, muss es also neue Forschungsansätze geben.

Ein neues Konzept stellen die Forscher Heribert Möllinger, Rainer Schneider und Harald Walach vor: Sie prüften nicht, ob die Einnahme homöopathischer Arzneimittel Probanden von ihren Beschwerden befreit. Sie untersuchten stattdessen, ob homöopathische Arzneimittel bei gesunden Menschen die Krankheitssymptome hervorrufen, die laut den Homöopathiebüchern (Materia medica homoeopathica )vorhergesagt werden.

Die Ergebnisse ihrer Studien sprechen für die Existenz spezifischer Effekte und deutlich gegen die These, die Homöopathie beruhe auf Placebo-Effekten. Außerdem erfüllen sie die Forderung der Schulmedizin nach Doppelverblindung.

Versuch zum Placebo-Effekt
25 gesunde Probanden einer drei-armigen, randomisierten, doppelt verblindeten Studie erhielten per Zufallsverfahren entweder 1.Natrium muriaticum (Kochsalz), 2. Arsenicum album (arsenige Säure) oder 3. Placebo.

Ergebnis: Bei den gesunden Probanden, welche Arsenicum album einnahmen, zeigten sich im Durchschnitt 6 Symptome, welche typisch für Arsenicum album sind. Bei den gesunden Probanden, welche Natrium muriaticum einnahmen, zeigten sich im Durchschnitt 5 Symptome, welche typisch für Natrium muriaticum sind. In der Placebo-Kontrollgruppe zeigten sich 11 nicht-spezifische Symptome.

Die Unterschiede waren insgesamt signifikant und sie unterschieden sich signifikant von der Placebo-Kontrollgruppe.

Placebo bei Hahnemann
Übrigens war bereits der Begründer der Homöopathie, Samuel Hahnemann sich des Placebo-Effektes bewusst: Er riet dazu, dem Kranken zusätzlich zu der Einzelgabe des angezeigten Mittels täglich eine Gabe Milchzucker zu verordnen. Er begründete dies damit, dass die Patienten es gewohnt seien, täglich Arzneien einzunehmen.

Er gab dem Patienten mehrere, einzeln nummerierte Pulver mit, die dieser in regelmäßigen Abständen einzunehmen hatte. Eines oder auch mehrere dieser Pulver enthielten die Arznei, die übrigen dagegen lediglich Milchzucker. Dabei scheint Hahnemann dem Kranken gegenüber nicht einmal verschwiegen zu haben, dass nicht alle Pulver Arznei beinhalteten.

Er wollte mit diesem Vorgehen ganz einfach einen Suggestionseffekt ausschließen, denn wüsste der Kranke, in welchem Pulver sich Arznei befindet, "so würde ihm oft seine Phantasie einen übeln Streich spielen und er sich einbilden, Empfindungen und Veränderungen in seinem Körper zu fühlen, die nicht da sind, eingebildete Symptome aufzeichnen und in steter Gemüths-Unruhe schweben, statt daß, wenn er täglich einnimmt und täglich keine bösen Angriffe auf sein Befinden bemerkt, er gleichmüthiger wird (durch die Erfahrung belehrt), nichts Arges mehr erwartet und gelassener die wirklich empfundenen Veränderungen in seinem Befinden ruhig bemerkt und so seinem Arzte nur Wahrheit berichten kann."

Seine Worte zeigen deutlich, dass er sich der Suggestivkraft von Medikamenten bewusst war und diese ausschließen wollte, um sich von der Wirkung seiner Mittel zu überzeugen.

Fazit
Neue Forschungsansätze können eine Brücke schlagen zwischen den Forderungen der Mediziner nach Doppelblindstudien, ohne dabei die Homöopathie in ein Korsett zu zwängen, die ihre Arbeitsweise entstellt. Interessant ist, dass sowohl in der Homöopathie als auch in der Schulmedizin der Placebo-Effekt untersucht wird.

Bisher wird er negativ bewertet. Es ist jedoch an der Zeit, dass sich Forscher auch heute wieder der Frage zuwenden, wodurch eigentlich Heilung bewirkt wird. Der Placebo-Effekt und die Suggestion haben offensichtlich ihren Anteil am Heilungsprozess. Sowohl ganzheitliche Heilweisen als auch die Schulmedizin sollten sich darüber bewusst sein und das Wissen, welches sie darüber erlangen, zur Heilung einsetzen.

Literatur:
Homeopathic Pathogenetic Trials Produce Specific Symptoms Different from Placebo: H. Möllinger, R. Schneider, H. Walach, Forschende Komplementärmedizin 2009; 16:105-110.

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