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Darmkrebs-Früherkennung – Wann gehen Sie?

Lesezeit: 3 Minuten Die Darmspiegelung als Vorsorgeuntersuchung zur Früherkennung von Darmkrebs steht Kassenpatienten erst seit knapp einem Jahr offen. Dennoch liegen bereits erste Erfolgsmeldungen vor.

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Darmkrebs-Früherkennung – Wann gehen Sie?

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So berichtet Professor Lothar Kranz von der Universitätsklinik in Tübingen von bisher rund 15.000 durchgeführten Koloskopien (Darmspiegelungen), bei denen 190 Karzinome diagnostiziert und 3300 Polypen entdeckt wurden. Bei der Koloskopie werden die Darmpolypen, aus denen sich die meisten Karzinome entwickeln, gleich entfernt. Durch die Vorsorgeuntersuchung konnten in 80 Prozent der Fälle Neuerkrankungen verhindert werden.

Darmkrebs ist mit 57.000 Erstdiagnosen und ca. 30.000 Todesfällen die zweithäufigste Krebsart in Deutschland. Etwa jeder 20. kann im Laufe seines Lebens an Darmkrebs erkranken. Das Heimtückische an dieser Erkrankung: Der Krebs entwickelt sich über viele Jahre ohne erkennbare Symptome. Wenn die ersten Symptome auftreten, ist es für eine Heilung meistens schon zu spät, da häufig bereits das umliegende Gewebe betroffen ist.

Umso wichtiger ist eine regelmäßige Vorsorgeuntersuchung. Sie besteht aus einem einfachen Test einer Stuhlprobe auf verstecktes (okkultes) Blut. Wird im Stuhl Blut nachgewiesen, kann dies auch andere Ursachen haben. Ihr Arzt wird daher zur Abklärung weitere Untersuchungen veranlassen. Männer und Frauen ab 50 Jahren sollten einen solchen Test regelmäßig einmal im Jahr durchführen lassen. Die Kosten für diesen Schnelltest übernehmen die Kassen bei Männern zwischen dem 50. und 55. Lebensjahr einmal pro Jahr. Männer ab dem 56. Lebensjahr, bei denen keine Koloskopie durchgeführt worden ist, haben alle zwei Jahre einen Anspruch auf die Durchführung des Schnelltests.

Bei positivem Befund besteht Anspruch auf Abklärung durch eine Koloskopie. Die Koloskopie als weiterer Bestandteil der Vorsorgeuntersuchung wird ambulant durchgeführt. Während der Darmspiegelung kann Ihr Arzt bereits kleinste Veränderungen der Darmschleimhaut erkennen und bei Bedarf auch Gewebeproben entnehmen bzw. Polypen entfernen. Bei der anschließenden Zelluntersuchung wird festgestellt, ob die Veränderungen gutartig sind oder nicht.

Ergibt die Gewebeuntersuchung Hinweise auf eine bösartige Wucherung, muss diese meist operativ entfernt werden. Da die Veränderungen in einem frühzeitigen Stadium entdeckt wurden, sind die Heilungsaussichten sehr gut. Eine Koloskopie übernehmen die gesetzlichen Kassen ab dem 56. Lebensjahr mit einer einmaligen Wiederholung nach zehn Jahren. Da die Koloskopie von vielen Menschen als unangenehm empfunden wird, sind bereits Alternativ-Verfahren in der Erprobung. Bei der so genannten virtuellen Koloskopie wird die Darmuntersuchung mithilfe der Computertomographie oder Magnetresonanztomografie durchgeführt. Dabei ist das Einführen eines Endoskops nicht mehr erforderlich. Nachteil dieses Verfahrens: Kleine Darmpolypen oder Veränderungen der Darmwand können nicht sicher erkannt werden. Ebenso wenig ist das Entfernen der Polypen damit möglich.

In den USA entwickelt die John Hopkins Universität in Baltimore zurzeit einen DNA-Stuhltest. Dabei werden Darmzellen aus einer Stuhlprobe auf Veränderungen in ihrer Erbsubstanz untersucht. Dieser Test wird von Wissenschaftlern als viel versprechend angesehen, weil er relativ sicher zur Darmkrebsvorsorge eingesetzt werden kann. Bis zur Praxisreife werden aber noch einige Jahre vergehen. Auch dieser Test kann jedoch die Darmspiegelung nicht wirklich ersetzen. Bei besonderem familiären Risiko – wenn also in Ihrer Familie bereits Darmpolypen oder Darmkrebs festgestellt wurde – sollte die Darmkrebsvorsorge bereits in jüngeren Jahren, z.B. ab dem 40. Lebensjahr, durchgeführt werden.

In besonderen Fällen, beispielsweise bei diagnostiziertem erblichen Darmkrebs oder bei einer familiären Adenomatösen Polyposis (FAP) beginnen die Vorsorgeuntersuchungen bereits im 25. bzw. 10. Lebensjahr und müssen dann jährlich wiederholt werden. Die FAP ist eine vererbbare Darmerkrankung, bei der sich bereits in jungen Jahren hunderte bis tausende von zunächst gutartigen Darmpolypen ausbilden, die später aber jederzeit bösartig werden können.

Auch bei völliger Beschwerdefreiheit sollten Sie zur Darmkrebsfrüherkennung gehen. Unsere Checkliste hilft Ihnen dabei, Ihre individuellen Risikofaktoren zu erkennen.

Checkliste

1. Familiäre Risikofaktoren

Verwandter ersten Grades mit Dickdarm- oder Gebärmutterkrebs
Verwandter ersten Grades mit Adenomen oder Polypen vor dem 40. Lebensjahr
zwei Verwandte ersten Grades mit Krebserkrankungen im Verdauungstrakt
drei Familienmitglieder, die an Darm- oder anderen Krebsarten erkrankt sind
wenn Sie selbst über Jahre an einer entzündlichen Darmerkrankung leiden

2. Persönliche Risikofaktoren

Sie sind 50 Jahre alt oder älter
Sie essen viel Fleisch und tierische Fette, wenig Ballaststoffe, Obst und Gemüse
Sie bewegen sich wenig und treiben weniger als zweimal pro Woche 30 Minuten Sport
Sie sind stark übergewichtig
Sie rauchen
Sie trinken regelmäßig Alkohol

Wenn Sie in der 1. Checkliste einmal und/oder in der 2. Checkliste dreimal mit "Ja" geantwortet haben, gilt keine Ausrede mehr. Sie haben ein erhöhtes Risiko, an Darmkrebs zu erkranken und sollten unbedingt an der Darmkrebsvorsorge teilnehmen. Sie sind es sich wert!

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