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Bürgerreporter: Zwischen Informationsbedarf und Sensationslust

Bürgerreporter - spätestens seit der Katastrophe bei der Loveparade 2010 ist der Begriff in aller Munde. Bürgerreporter sind Menschen wie Du und ich, die mit ihrem Handy oder einer anderen mitgeführten Digitalkamera Fotos von Ereignissen machen, noch bevor die professionellen Medienvertreter vor Ort sind. Welche Risiken und Nebenwirkungen gibt es? Ein Interview mit Constanze Clauß, Geschäftsführerin Prophoto GmbH gibt Antworten.

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Bürgerreporter: Zwischen Informationsbedarf und Sensationslust

Was verstehen Sie genau unter Bürgerreportern?
Constanze Clauß: Unter Bürgerreportern fassen wir all die Menschen zusammen, die mit ihrer Kamera und mit dem Handy auf Bilderfang gehen. Bürgerreportern haftet prinzipiell nichts Negatives an, wenn sie sich an die Spielregeln halten.

Im Vordergrund des Aufgenommenen steht meist die Sensation, die in Form von Aufnahmen und kurzen Videosequenzen in die Online- aber auch Print-Medien und soziale Netzwerke transportiert werden. Kurios geht es in dem Aufgenommenen ebenso zu, wie aber auch bedrohlich und abschreckend. Man sollte sich immer seiner Verantwortung bewusst sein.

Worin sehen Sie die Hauptprobleme, wenn Medien Fotos von Bürgerreportern verwenden?
Constanze Clauß
: Es geht nicht nur um die Verwendung solcher Aufnahmen, sondern um die Verantwortung eines jeden Einzelnen, der aus Sensationslust eventuell Situationen mit der Kamera festhält, die die Grenzen der Intimsphäre und des Persönlichkeitsrechts verletzen.

Wer nur aus Sensationsgier auf der Autobahn beispielsweise Verletzte oder Tote aufnimmt und diese Bilder, in denen Personen auch zu erkennen sind, der Öffentlichkeit zugänglich macht, der überschreitet nicht nur die Grenze des guten Geschmacks, er macht sich oft auch strafbar – und hier liegen die Risiken für den Bürgerreporter.

Man muss keine Gesetzesbücher studieren. Jeder, der grenzwertige Situationen bildlich festhält, sollte sich überlegen, was er als Unfallopfer oder als Angehöriger empfinden würde, wenn er diese Aufnahmen zu Gesicht bekommt. Aktuelles Beispiel aus der Love Parade 2010 in Duisburg, als eine Mutter ihr sterbendes Kind in einem Video auf Youtube erblicken musste.

Welchen Risiken setzen sich Bürgerreportern aus und wann machen die Aufnahmen Sinn?
Constanze Clauß: Bürgerreporter sollten auf die Intimsphäre, auf das bestehende Recht aber auch auf ihren Ruf achten und dass dieser nicht beschädigt wird, denn sie haben natürlich auch aufklärende Verantwortung. Auch hier ist die Love Parade 2010 in Duisburg ein Beispiel dafür.

Die unzähligen Aufnahmen der sogenannten Bürgerreporter zeigen auf, wie die Situation auf dem Gelände wirklich war. Jeder Außenstehende kann sich durch die unzähligen Videos aber auch Aufnahmen in die Situation der Besucher hineinversetzen. Und nicht nur das: Anhand der Aufnahmen liegt Beweismaterial vor, so dass nichts beschönigt werden kann.

Gerade regionale Ereignisse sind es, die von den sogenannten Bürgerreportern ins Visier genommen werden. Unter dem Namen "Leserreporter" werden die Leser aufgefordert, stets auf der Bilderjagd zu sein. Das können absolut positive Berichterstattungen über kleinere Sportveranstaltungen, dörfliche Feste oder Nachbarschaftsaktionen sein.

Gefürchtet sind von Polizei und Rettungsdiensten die Gaffer, die schon immer bei Rettungsaktionen gestört haben und, die heute eben noch eine Kamera im Einsatz haben.

In welcher Form profitiert ein Bürgerreporter von seinem Einsatz?
Constanze Clauß
: Das kommt darauf an, wo die Aufnahmen eingesetzt werden. Nehmen wir die sozialen Netzwerke und Youtube, so kann man sich über die Klickrate freuen. Inzwischen haben sich auch einige Firmen dem Bürgerreporter verschrieben. Sie präsentieren sich als Bildagenturen, über die Privatpersonen ihre Fotos und Videos professionellen Bildkäufern von Nachrichtenredaktionen zur Verfügung stellen können.

Genau sollte sich jeder nebenberuflich tätige Fotograf überlegen, ob er dem Angebot, über diese Portale gegen eine Gebühr einen Presseausweis zu erwerben, folgt. Denn anerkannt wird von Institutionen, Behörden und Unternehmen meist nur der in In- und Ausland offiziell geltende Presseausweis, den nur Fotografen bekommen, die eine hauptberufliche Tätigkeit als Bildjournalist nachweisen können.

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