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BIOS-Batterie: BIOS-Alzheimer durch Batteriewechsel selbst beheben

Lesezeit: 4 Minuten Zu den heute etwas absurd wirkenden Anachronismen der PC-Technik gehört die "BIOS-Batterie". Tatsächlich ruft eine leere BIOS-Batterie mindestens seltsame Effekte hervor, im schlechtesten Fall ist der Rechner gar nicht mehr startfähig. Wie Sie durch einfachen Wechsel der BIOS-Batterie ganz schnell etwas gegen das "BIOS-Alzheimer" unternehmen, erfahren Sie in diesem Praxisbeitrag.

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BIOS-Batterie: BIOS-Alzheimer durch Batteriewechsel selbst beheben

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Was genau die "BIOS-Batterie" ist – und warum die Bezeichnung eigentlich falsch ist

Das BIOS (Basic Input Output System, dt. grundlegende Eingabe/Ausgabe-Einheit) ist das interne Betriebsprogramm Ihres PC. So unscheinbar das BIOS-Programm auch wirkt, ohne das BIOS läuft in Ihrem PC wortwörtlich gar nichts.

Denn es handelt sich beim BIOS um ein fundamentales Ein- und Ausgabesystem, das unmittelbar nach dem Starten Ihres Rechners automatisch abgearbeitet wird. Zum Startzeitpunkt liegen Ihrem PC noch keine Informationen vor, ob beispielsweise eine Festplatte zum Start eines Betriebssystems eingebaut ist, wie die Festplatte organisiert ist oder ob das System mit weiteren Controllern bestückt ist.

Das BIOS ist aber nicht nur der "informelle Kleber" zwischen den PC-Komponenten, es merkt sich auch Ihre Benutzereinstellungen. Dazu gibt es einen speziellen Speicherbereich, das BIOS-CMOS (Complementary Metal Oxide Semiconductor). Das BIOS-CMOS merkt sich Ihre Benutzereinstellungen, die Sie im BIOS-Setup beispielsweise zur Systemzeit oder der gewünschten Startreihenfolge der Laufwerke vornehmen.

Diese Einstellungen würden allerdings beim Abschalten des PC verloren gehen, denn das CMOS ist ein Speichertyp, der den Inhalt ohne Pufferspannung verliert. Um das zu verhindern, dafür ist die "BIOS-Batterie" zuständig.

Die BIOS-Batterie sorgt also dafür, dass die BIOS-Systemeinstellungen und Ihre Benutzereinstellungen des BIOS-Setups nicht verloren gehen. Der Begriff "BIOS-Batterie" hat sich eingebürgert, daher wird er auch in diesem Beitrag verwendet. Es sei aber der Hinweis gestattet, dass der Begriff eigentlich unrichtig ist.

 

Denn das BIOS an sich benötigt gar keine Batterie für die korrekte Funktion. Es ist nur das BIOS-CMOS, das bei Abschaltung des Rechners gepuffert wird. Allerdings sagt niemand "BIOS-CMOS-Batterie", also tun wir das hier auch nicht.

Diese typischen Fehler löst eine leere BIOS-Batterie aus

Zeigt ein PC nach einigen Jahren seltsame Fehler-Phänomene, kommt eine leere BIOS-Batterie als Fehler infrage. Diese BIOS-Knopfzelle ist meist nach rund 3 bis 5 Jahren entleert, unter ungünstigen Betriebsbedingungen (kalter Standort, sehr wenige oder kurze Einschaltzeiten) auch schon deutlich früher. An den folgenden, typischen Fehlern erkennen Sie eine leere BIOS-Batterie:

  • Die Systemzeit Ihres PCs weicht nach einer längeren Abschaltzeit erheblich von der Realzeit ab. Möglicherweise steht sie sogar auf 1.1.1970, das ist das Startdatum der "Unixzeit"-Zeitzählung, die auch für PCs benutzt wird.
  • Es gehen Benutzereinstellungen wie die Bootreihenfolge der Laufwerke, Einstellungen zur Lüftersteuerung, Schnittstellenparameter oder aktiven/deaktivierten Controllern (Audio, LAN, RAID) verloren.
  • Je nach PC-System erhalten Sie beim Start eine BIOS-Fehlermeldung wie "CMOS Read Error" oder "CMOS Battery Failure".
  • Da neuere PC Laufwerke beim Start automatisch detektieren, wenn keine zugehörigen Informationen im BIOS-CMOS zu finden sind, kann der Systemstart deutlich verzögert stattfinden und auffällige Meldungen zu Geräteerkennungen zeigen.
  • Alte PCs reagieren hingegen empfindlich, wenn keine Informationen zu den Laufwerken oder Laufwerks-Controllern vorhanden sind. Dann kommt schlicht die Meldung, dass kein Boot-Laufwerk gefunden wurde, und es findet kein Betriebssystem-Start statt.

Was benötigen Sie für den Wechsel der BIOS-Batterie?

Um einen teuren Werkstatt-Besuch einsparen, können Sie den Wechsel der BIOS-Batterie in den meisten Fällen recht einfach selbst vornehmen. Für den kleinen Eingriff im PC ist kein Spezialwerkzeug erforderlich. Es reichen ein mittelgroßer Kreuzschlitz-Schraubendreher für das Öffnen des PC-Gehäuses und ein kleiner, flacher Schraubendreher, um nötigenfalls die Knopfzelle aus dem Sockel zu hebeln. Als sehr nützlich beim Arbeiten im PC-Gehäuse erweist sich immer wieder eine kleine, leuchtstarke LED-Taschenlampe.

Benötigt wird insbesondere eine neue Knopfzelle vom sehr verbreiteten Typ CR-2032 (3 Volt Lithium-Zelle), der beispielsweise auch in vielen Fernbedienungen und Mobilgeräten wie Brustgurte von Trainingssystemen eingesetzt wird. Die Knopfzelle bekommen Sie heute für rund einen Euro beim Elektro- und Elektronikhandel, beim Baumarkt und sogar auf dem Trödelmarkt, und spezielles Knowhow ist für den Batteriewechsel ebenfalls nicht vonnöten. Aufgrund des sowieso geringen Preises empfiehlt es sich, zu einer Marken-Batterie zu greifen.

Knopfzellen richtig anfassen

Halten Sie die münzgroßen Knopfzellen-Speicher niemals an der Ober- und Unterseite zwischen zwei Fingern fest. Das nämlich bewirkt einen ungewollten Stromfluss, schließlich ist Ihre Haut stromleitend. Mit der falschen Handhabung bewirken Sie einen "kleinen Kurzschluss" und es geht möglicherweise ein beträchtlicher Teil der Ladung der Speicherzelle schon vor der Installation verloren. Halten Sie Knopfzellen daher immer nur am Rand fest.

In diesen Schritten wechseln Sie die BIOS-Batterie schnell und einfach

Der Wechsel der CR-2032-Knopfzelle ist kein Hexenwerk. Führen Sie den Wechsel in diesen Schritten durch:

  1. Strippen Sie den Rechner von allen Kabeln ab. Wenn Sie sich unsicher sind, welches Kabel wo angeschlossen war, dokumentieren Sie den Anschluss durch ein Bild per Digital- oder Smartphone-Kamera. Öffnen Sie gemäß Herstellerbeschreibung das Gehäuse.
  2. Es reicht in den meisten Fällen völlig aus, die von der PC-Gerätefront aus betrachtet linke Seitentür des PC-Turmgehäuses zu öffnen, die von zwei oder drei Blechschrauben gehalten wird. Es empfiehlt sich dann sehr, den Rechner vorsichtig auf die Seite zu legen und von "oben" Zugriff auf die elektronischen Eingeweide zu nehmen.
  3. Orientieren Sie sich dann per Handbuch des PCs (oder des Mainboards) zu der Knopfzelle oder nutzen Sie die Taschenlampe, um nach der auffällig silbrig-glänzenden Batteriezelle zu fahnden. Wenn Sie die Knopfzelle lokalisiert haben, geht es an den Tausch.
  4. Die runde Lithium-Knopfzelle ist derart in dem kleinen, schwarzen Kunststoff-Sockel befestigt, dass sie an einer Seite mit einem federnden Metallbügel gesichert ist. Drücken Sie den kleinen Haltebügel mit einem Schraubenzieher nach außen, wird die Knopfzelle entriegelt und springt aus dem Kunststoff-Sockel.
  5. Merken Sie sich vor dem Entnehmen die Polarität der Knopfzelle und setzen sie in derselben Ausrichtung wieder ein. Es reicht dazu, die Knopfzelle an der einen Seite in den Sockel zu senken und an der anderen Seite unter den federnden Metallbügel zu drücken, bis dieser über der Knopfzelle einrastet.
  6. Nun schießen Sie das PC-Gehäuse und stellen die Kabelverbindungen wieder her.

Beim ersten Neustart mit neuer BIOS-Batterie kann sich das BIOS-CMOS logischerweise noch nicht an bestehende BIOS-Einstellungen "erinnern". Es empfiehlt sich, beim Gerätestart das BIOS-Setup mit der entsprechenden Taste (meist "Entf") aufzurufen und möglicherweise dokumentierte BIOS-Einstellungen speziell zu diesem Rechner vorzunehmen.

An dieser Stelle können Sie beispielsweise auch die Systemzeit korrekt einstellen, die Lüftersteuerung anpassen und den Boot-Screen ein- oder ausblenden. Speichern Sie dann den BIOS-CMOS-Inhalt ab, das geschieht meist mit Funktionstaste [F10]. Bei zukünftigen Neustarts gibt es keine Fehlermeldungen und Betriebsstörungen mehr, die ihre Ursache in einer entladenen BIOS-Batterie haben.

Die Zukunft von BIOS, EFI/UEFI und der BIOS-Batterie

Die PC-Technik ist derzeit einem so schnellen Wandel unterworfen wie noch nie seit ihrem 30-jährigen Bestehen. Insbesondere wird derzeit das alte BIOS-Betriebsprogramm auf immer mehr neuen Hauptplatinen vom neuen EFI/UEFI (Unified Extensible Firmware Interface, dt. = vereinheitlichte, erweiterbare Firmware-Schnittstelle) abgelöst. Doch derzeit unterscheiden sich auch Mainboards mit UEFI vom beschriebenen Zusammenhang nicht – eine Stützbatterie sorgt für den Erhalt der UEFI-Einstellungen im abgeschalteten PC.

Die Zukunft sieht jedoch anders aus: Manche PC-Hersteller setzen als Speichertyp für die BIOS/UEFI-Einstellungen bei neuen PCs und Notebooks Flash-Speicher ein, der keine Stützbatterie mehr benötigt. Denn Flash-Speicher behält seinen Speicherzustand auch stromlos, Sie kennen das beispielsweise von USB-Sticks und dem internen Speicher von Tablet-PCs her, die beide auf Flash-Speicher basieren.

Da auch neue Rechner noch mit einer "BIOS-Batterie" ausgestattet sind, wird es also noch etliche Jahre andauern, bis die aus einer leeren BIOS-Batterie resultierenden Fehler uns PC-Anwender nicht mehr ärgern können. Trotzdem: Das Ende der BIOS-Batterie hat begonnen.

Weitere PC-Hardware-Tipps finden Sie in diesen experto.de-Artikeln

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