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Beschäftigungsangebote für Menschen mit Demenz

Lesezeit: 3 Minuten Ein Beschäftigungsangebot – verschiedene Reaktionen. Für Beschäftigungsangebote für Menschen mit Demenz gibt es kein Rezept! In diesem Artikel möchte ich auf folgende Punkte aufmerksam machen: Die Ziele von Beschäftigungsangeboten, Auswahlkriterien für Beschäftigungsangebote und eine Orientierungen zum Umgang mit den Kranken.

3 min Lesezeit
Beschäftigungsangebote für Menschen mit Demenz

Beschäftigungsangebote für Menschen mit Demenz

Lesezeit: 3 Minuten

Ziele von Beschäftigungsangeboten

  • Kein „Lernen“ (Erwerb oder Wiedererlangen von Fähigkeiten)
  • Vorhandene Fähigkeiten möglichst lange erhalten
  • Kein greifbares Ergebnis (z. B. schön gebasteltes Produkt)
  • Tagesstruktur, Abwechslung, Normalität
  • Energien lenken, gegebenenfalls brachliegende Fähigkeiten aktivieren: „Der Weg ist das Ziel“

Ziele von Beschäftigungsangeboten

  • Erfolge vermitteln: „Ich kann noch etwas!“
  • Soziale Erfahrung erlebbar machen: „Ich gehöre dazu!“ (zu einer Gruppe, einer Person)
  • Das „Selbst“, die Identität des Kranken stärken, Erfahrung vermitteln: „Ich bin noch jemand!“

Der/die Betroffene soll sich möglichst positiv erfahren und sich wohlfühlen!

Auswahlkriterien für Beschäftigungsangebote

  • Einfach
  • Erfolgversprechend
  • Möglichst vertraute Tätigkeit, biografieorientiert
  • Jahreszeitlich orientiert
  • „Produkt“ sollte verwendbar sein (z. B. Geschenk, Geschenkpapier, Dekoration)
  • Kein Gedächtnistraining im Sinne von Üben
  • Keine Angst vor Wiederholungen
  • Eigener Zugang zu einem Beschäftigungsangebot: Erwachsen-Sein achten!
  • Materialauswahl: Vorsicht bei Kleinteilen, handlich, ungiftig. „Nur wer motiviert ist, kann auch motivieren“.

Orientierungen zum Umgang – allgemein

  • Von vorne ansprechen, Blickkontakt
  • Freundlichkeit, bewusster Einsatz von Körpersprache
  • Langsam und deutlich sprechen, Worte bei Bedarf
  • Kurze Sätze, möglichst nur eine Aufforderung
  • Zeit lassen (Gestik, Mimik, Haltung, Stimme) wiederholen, nicht zu laut reden Arbeitsabläufe in Teilschritte untergliedern
  • Möglichst wenig Fragen stellen (möglichst keine W-Fragen, Fragen, die mit ja oder nein beantwortet werden können)
  • In Entscheidungen einbeziehen
  • Nicht bevormunden, nicht korrigieren
  • Gewähren lassen, möglichst keine Grenzen setzen
  • Nicht in Anwesenheit der Betroffenen über sie reden

Orientierungen zum Umgang

  • Setting beachten: Unterschied zwischen den Möglichkeiten in der Gruppe oder bei der Einzelbetreuung
  • Angstvermeidende, freundliche, akzeptierende Atmosphäre
  • Tagesverfassung/Leistungskurve beachten, flexibel sein: „Jeder Nachmittag ist ein Abenteuer“
  • Mit Ritualen, wiederholenden Elementen arbeiten (z. B. eine Beschäftigung pro Tag zur gleichen Zeit, mit bestimmtem Anfang/Schluss)
  • Dauer der Beschäftigung (begrenzte Konzentrationsfähigkeit)
  • Den Betroffenen Demenzerkrankten  motivieren, aber niemals zu sehr drängen oder gar zwingen, etwas zu tun
  • Das Tempo des Kranken beachten! Warten können!
  • Tätigkeiten einleiten, vormachen
  • Versuchen, ihn/sie in irgendeiner Weise zu beteiligen, z. B. indem er/sie etwas hält, eine Farbe aussucht
  • Durch das Gespräch mit einbeziehen
  • Ideen der Kranken aufnehmen, bestätigen, damit umgehen
  • Nicht unterfordern, nicht überfordern
  • Leistungen des Kranken anerkennen, angemessen loben

Möglichkeiten der Beschäftigung

  • Spiele (v. a. solche, die von Kindheit an vertraut sind)
  • Vorlesen, Erzählen
  • Künstlerisch-kreative Aktivitäten, Bastelangebote
  • Mit Sprache, Schrift, Überlieferung umgehen
  • Regelmäßige Spaziergänge
  • Sitzgymnastik mit Hintergrundmusik: Rhythmen begleiten
  • Sitzgymnastik mit verschiedenen Materialien (z. B. Bälle, Luftballons, Koosh-Bälle, Tennisringe, Chiffontücher, Gymnastikreifen)
  • Bewegungsspiele, z. B. Kegelspiel, Ringwurfspiel
  • Tanzen: Sitztänze, Standardtänze

Musik als „Königsweg“ zum Demenzkranken

  • Bekannte Lieder singen (Gitarren-, Klavierbegleitung)
  • Liederbücher mit Großdruck (auch als Einzelbeschäftigung)
  • Religiöse Lieder bei religiösem Hintergrund
  • Vertraute Musik hören –gezielt einsetzen!
  • Lieder zum Mitmachen
  • Einsatz von Musik-und Rhythmusinstrumenten

Alltagsnahe/lebenspraktische Tätigkeiten

  • Hauswirtschaftliche Tätigkeiten, z. B.: Arbeiten mit Wolle, Wolle wickeln
  • Bürotätigkeiten: z. B. Papier lochen und ordnen lassen
  • Handwerkliche Tätigkeiten, z. B.: kochen (Obstsalat, Gemüsesuppe, Nachtisch),  backen, putzen, Geschirr spülen, bügeln, Wäsche zusammenlegen
  • Arbeiten mit Holz (z. B. Holz sägen, schmirgeln, Laubsägearbeiten) Umgang mit Werkzeug, Sortieren von Nägeln und Schrauben

Erinnerungspflege

  • Mit Hilfe von Gegenständen aus früherer Zeit erzählen und Fotoalben anschauen
  • Ein Lebensbuch (Erinnerungsalbum) erstellen
  • Fokus: was erinnert die/den Erkrankten aktuell noch
  • Hilfe für die biografieorientierte Betreuung
  • Hilfe, dem fortgeschritten Erkrankten einen Teil seiner Geschichte zu bringen
  • Eine Erinnerungskiste anlegen, erinnern, z. B. alte Kaffeemühle, Bücher mit Sütterlinschrift

Spiele (v. a. von Kindheit an vertraute)

  • Gesellschaftsspiele (Spezialanfertigungen): Mensch ärgere dich nicht, Dame, Mühle, Malefiz, Mikado
  • Würfelspiele, Kartenspiele, Ratespiele usw.
  • Generell gilt: Spielregeln variieren, anpassen
  • Weitere Spiele: Sprichwortkarten (Schriftgröße!), Wollknäuel mit Süßigkeiten usw.

Sinneserfahrungen und Berührung

  • Gewürze riechen, besprechen, erinnern, erraten lassen, basteln
  • Tasten: Gegenstände im Sago- oder Kirschkernbad suchen
  • Bilder anschauen (wichtig: klare Konturen, Größe, Farben)
  • Massagen z. B. mit Igelbällen oder mit „Willy“, Handmassage
  • Berührung, vor allem im fortgeschrittenen Stadium , oder in einem Waschlappen fühlen

Künstlerisch-kreative Aktivitäten, Bastelangebote

  • Malen, Umgang mit Farben
  • Verschiedene Techniken, z. B. Nass-in-Nass-Technik, Klatschbilder, Seidenmalerei, Mandalas ausmalen
  • Ausschneidearbeiten (Dekoration)
  • Knülltechnik (Krepppapier-Böppele)
  • Landkarten
  • Flechtboy
  • Kumquats-Puppen
  • Last but not least: autonome Beschäftigungen Demenzkranker:
    Ideen, Kreativität und die Lust am Ausprobieren müssen als „sinnvolles Tun“ anerkannt werden

Bildnachweis: Robert Kneschke / stock.adobe.com

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