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Aggressionen bei Demenz: So wirken Sie positiv ein

Aggressionen bei Demenz richten sich oft gegen die Pflegekräfte. Das veränderte Verhalten der Patienten bzw. Bewohner kann dazu führen, dass sie verbal oder körperlich aggressiv gegenüber den Pflegekräften werden. In dieser Übersicht finden Sie Tipps für den Umgang mit aggressivem Verhalten von Demenzpatienten.

Aggressionen bei Demenz: So wirken Sie positiv ein

Aggressionen bei Demenz: So wirken Sie positiv ein

Aggressionen und Demenz – ein unterschätztes Thema? Immer wieder kommt es vor, dass dementiell veränderte Menschen im Rahmen des durch die Krankheit veränderten Verhaltens aggressiv werden. Verbale Aggressionen und Beschimpfungen gegen die Pflegekräfte kommen vor, auch körperliche Gewalt kann vorkommen. Sind Sie als Pflegekraft auch schon einmal vom aggressiven Verhalten eines Demenzpatienten überrascht worden? In dieser Übersicht finden Sie Tipps, wie Sie auf aggressives Verhalten positiv einwirken und besser damit umgehen können.

Aggressionen bei Demenz: Mit diesen Maßnahmen können Sie sich im Pflegealltag schützen

  • Halten Sie die Umgangsregeln ein: Oft kommt es zu aggressivem Verhalten, weil die Umgangsregeln bei Menschen mit Demenz nicht eingehalten werden. Manchmal sind in der Pflege Menschen tätig, die diese Regeln nicht kennen. So manche Situation eskaliert aus diesem Grund, und es kommt zu Verhaltensauffälligkeiten. Zuerst kommt daher bei der Vermeidung aggressiven Verhaltens die Wissensvermittlung an alle an der Pflege Beteiligten.
  • Gefährliche Gegenstände entfernen: Wenn Sie wissen dass ein Mensch mit Demenz zu Aggressionen ´neigt, entfernen Sie alle Gegenstände, mit denen er sich selbst, anderen Bewohnern oder Pflegekräften Verletzungen zufügen könnte. Tauschen Sie zum Beispiel Glasflaschen gegen Plastikflaschen aus etc.
  • Ruhe bewahren: Kommt es zu Aggressionen, versuchen Sie vor allem, die Ruhe zu bewahren. Atmen Sie tief durch und zählen Sie still bis zehn, bevor Sie reagieren.
  • Genau zuhören: Lassen Sie den Demenzkranken aussprechen und hören Sie zu. Zeigen Sie Verständnis für die Situation und versuchen Sie, die Person aus der Situation herauszuführen, die sie überfordert.
  • Nicht zurückschreien: Wenn ein Demenzkranker Sie anschreit, schreien Sie nicht zurück. Damit würden Sie die Situation nur verschlimmern.
  • Auf sich aufmerksam machen : Sprechen Sie bewusst leise und ruhig, damit machen Sie den Demenzpatienten auf sich aufmerksam.
  • Abstand halten: Denken Sie an Ihre Sicherheit und halten Sie genügend Abstand zu dem aggressiven Bewohner.
  • Keine Angst zeigen: Auch wenn Sie sich unsicher fühlen, zeigen Sie keine Angst. Bereiten Sie sich geistig auf aggressionsgeladene Situationen vor, damit Sie nicht von Ihrer Angst überrumpelt werden.
  • Bedrohungen vermeiden : Nähern Sie sich dem aggressiven Bewohner nicht von hinten oder von der Seite, damit er sich nicht von Ihnen bedroht fühlt.
  • Nonverbal kommunizieren: Halten Sie Blickkontakt, wenn Sie mit dem Bewohner / Patienten sprechen. Nutzen Sie einfache und verständliche Gesten.
  • Nicht diskutieren: Vermeiden Sie, dass es zu langen Diskussionen kommt. Will der Demenzkranke sich nicht beruhigen, ziehen Sie sich aus der Situation zurück, indem Sie sich ein paar Meter von ihm entfernen.
  • Raum geben: Ist der Patient körperlich gewalttätig, lassen Sie ihm genügend Raum um sich zu bewegen und abzureagieren.
  • Überwältigen vermeiden: Vermeiden Sie es, den Bewohner / Patienten mit zwei Pflegekräften zu überwältigen. Ergreifen Sie diese Maßnahme nur, wenn Sie selbst oder eine andere Person in Gefahr ist.
  • Recht auf Rückzug: Verschlimmert sich die Situation, verlassen Sie den Raum und geben dem aufgebrachten Patienten die Möglichkeit, sich zu beruhigen – jeder hat ein Recht, sich zurückzuziehen.
  • Situation verlassen: Wenn Sie sich mit der Situation überfordert fühlen, sollten Sie einen Kollegen aus der Pflege dazu holen und die Situation besser ganz verlassen.
  • Im Notfall Arzt rufen: Wenn Sie der Meinung sind dass die Situation eskaliert und jemand verletzt werden könnte, rufen Sie in diesem Notfall einen Arzt.
  • Informieren und Vorfall dokumentieren : Wird jemand verletzt oder werden Gegenstände beschädigt, müssen Sie dies im Pflegebericht dokumentieren. Der zuständige Arzt sollte die betreffende Person in jedem Fall untersuchen und dies dokumentieren (am besten mit Foto). Informieren Sie umgehend Ihren Vorgesetzten über den Vorfall.

Aggressionen bei Demenz: Wenn sich die Situation wieder beruhigt hat, sollten Sie…

  • den Demenzkranken mit einer Tätigkeit ablenken die er mag.
  • den Patienten nicht ignorieren oder ihm etwas Angenehmes verweigern, um ihn zu bestrafen. Das bringt bei Demenzpatienten nichts, da sie nicht daraus lernen können.
  • versuchen, sich so schnell wie möglich wieder normal und ruhig zu verhalten.
  • professionelle Hilfe suchen, wenn Sie und Ihre Kollegen mit der Situation nicht zurechtkommen oder sich die Aggressionen häufen oder verschlimmern. Vorher können Sie einen gerontopsychologischen Dienst um Rat fragen (Institutsambulanzen).

Aggressionen bei Demenz treten meist aus einer bestimmten Situation heraus auf – meist gibt es einen Auslöser für die Gewalthandlungen. Versuchen Sie, diesen Auslöser zu ermitteln. Nur wenn Sie ihn kennen und verstehen, können Sie vorbeugende Maßnahmen treffen indem Sie beispielsweise die Pflegeplanung anpassen oder rechtzeitig Maßnahmen gegen aggressives Verhalten ergreifen.

Bildnachweis: oneinchpunch / stock.adobe.com

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