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3 Risikofaktoren von Neuroleptika

Lesezeit: 2 Minuten Seelische Erkrankungen erfordern oftmals den Einsatz von Medikamenten. Dabei spielen Neuroleptika eine wichtige Rolle, die zur Gruppe der Psychopharmaka zählen. Vor allem in Alters- und Pflegeheimen haben sie sich bewährt, da sie Ängste verringern und zur "Beruhigung" der Patienten beitragen.

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3 Risikofaktoren von Neuroleptika

3 Risikofaktoren von Neuroleptika

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Genau hier lauern die Risiken, denn jedes Medikament hat immer seine Nebenwirkungen.

Was sind Neuroleptika?

Eine psychische Erkrankung kann sich in mehreren Hinsichten äußern: Neben geistigen Symptomen sind körperliche Beschwerden keine Seltenheit. So zieht eine Psychose schwere Angst- oder Schlafstörungen nach sich. Daher werden bei der Therapie von Krankheiten wie Depressionen, Manien oder Bipolaren Störungen wirksame Medikamente eingesetzt. Hier haben sich Neuroleptika mit ihrer nervendämpfenden Wirkung bewährt. In der Praxis finden die Substanzen Amisulprid, Clozapin, Flupentixol, Haloperidol, Quetiapin, Olanzapin und Risperidon am meisten Verwendung.

Der Effekt wird durch eine vorübergehende Blockade der Andockstellen des Botenstoffes Dopamin erzielt. Als Nebenwirkung kann eine starke Gewichtszunahme oder ein irrationales Verhalten auftreten. Patienten prallen gegen Möbel oder kippen um, was bei älteren Menschen ein enormes Problem darstellt: Ein Oberschenkelhalsbruch kann in hohem Alter gravierende Auswirkungen haben.

Das sind die drei größten Risikofaktoren:

1. Schnelle Fehldiagnosen

Gerade bei alten Patienten werden Medikamente fälschlich verschrieben. Die Ursache liegt im noch jungen Zweig der Geriatrie, der Lehre der Alterskrankheiten. Nur wenige Ärzte sind darauf spezialisiert, was oberflächliche Untersuchungen zur Folge hat. Da die Behandlung erfolglos bleibt, wendet sich der Patient an den nächsten Mediziner. Aus Hilflosigkeit, Unwissenheit oder Zeitmangel verschreibt dieser schädliche Psychopharmaka.

In Altersheimen sind solche Fehldiagnosen sehr oft zu beobachten: Über 60 Prozent der Bewohner erhalten Neuroleptika und können ihren Lebensabend nicht mehr genießen. Besser wären vertrauensvoll geführte Gespräche und eine gleichzeitige soziale Unterstützung.

2. Nebenwirkungen

Nicht jeder Mensch verträgt Neuroleptika in gleichem Maße. So reagieren Patienten mit Hirnschäden äußerst negativ auf solche Medikamente. Doch auch andere Personen können schwere Schäden davontragen: Dazu gehören Muskelkrämpfe, Auswirkungen auf die Motorik oder Probleme mit dem Herz-Kreislauf-System. Die Gewichtszunahme kann das Risiko von Schlaganfällen erhöhen und zu Diabetes führen.

Häufig wird mit einer niedrigen Dosierung begonnen, um ungewünschte Nebenwirkungen zu vermeiden. Doch der Effekt bleibt aus und es muss zu einem hochpotenten Neuroleptikum gegriffen werden. In der Regel ist es das sogenannte Haldol, bei dem es sich um ein preiswertes Präparat handelt.

3. Mangelnde Fachkompetenz

Demente Patienten verhalten sich aggressiv, unruhig und sind leicht reizbar. Daher kommen bei solchen Symptomen oftmals Neuroleptika zum Einsatz, obwohl sie gar nicht nötig wären. Der Arzt hätte das in einem vertraulichen Gespräch herausfinden können, doch die Krankenkassen stellen dafür kaum Gelder zur Verfügung. Somit erfolgt der Befund ohne ausreichende Anamnese. Deshalb werden Psychopharmaka verschrieben, um dem Patienten zu helfen, aber eher das Gegenteil ist der Fall.

Selbst wenn der Patient ständig redet oder wild gestikuliert, erfordert das keine Neuroleptika. Eventuell hat er unter Schmerzen zu leiden und eine nichtmedikamentöse Schmerztherapie wäre der richtige Weg. Doch die Einordnung dieses Medikaments als „Bedarfsmedizin“ führt dazu, dass es Pflegekräfte nach eigenem Ermessen bis zur Höchstdosis verabreichen können. Das dient weder dem Wohl des Patienten, noch ist dieses Vorgehen ethisch vertretbar.

Fazit

In der täglichen Praxis werden Neuroleptika ohne tatsächlichen Bedarf verabreicht. Besonders ältere Menschen haben unter Fehldiagnosen zu leiden, woran auch die Krankenkassen eine gewisse Mitschuld tragen: Es werden nur geringe Gelder für ursächliche Gespräche zur Verfügung gestellt. Doch es braucht etwas Zeit, bis manche Personen endlich Vertrauen fassen und von ihren Problemen berichten.

Bildnachweis: john9595 / stock.adobe.com

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