Pflege

Pseudodemenz: Nutzen Sie die Geriatrische Depressions-Skala

Eine Pseudodemenz auf Grund depressiver Störungen ist nicht leicht zu erkennen. Medizinische Maßnahmen und eine im Pflegeteam abgestimmte Beziehungsgestaltung, die die Lebensgeschichte des Patienten als auch seine Einschränkungen und seine Verletzbarkeit berücksichtigt, bedürfen im Vorfeld der Abklärung und weiterer Verlaufskontrollen. Hier hat sich die Geriatrische Depressions-Skala bewährt.

Fast die Hälfte nicht erkannt

Neben dem MMST, dem Uhrentest und der Nosger-Skala sollte die Geriatrische Depression-Skala (GDS) – nicht zu verwechseln mit der  der General Detorian Skala nach Reisbergzum Standard im Rahmen des pflegerisch-geriatrischen Assessments gehören.

Bis zu 45% der älteren Menschen zeigen depressive Störungen. Davon wird kaum die Hälfte der Fälle erkannt. Aber der Heilungsverlauf organischer Erkrankungen kann bei einer Depression nachhaltig gestört oder verzögert werden. Manchmal wird der Weg in eine Pflegebedürftigkeit gebahnt. Am tragischsten ist es aber, dass depressive Erkrankungen eine Demenz (Pseudodemenz) vortäuschen können oder eine bereits bestehende Demenzerkrankung im Erscheinungsbild verschlimmern oder gar im Verlauf beschleunigen können.

Assessment-Instrumente

Verläufe auswerten

Eine differenzierte Diagnostik ist daher wichtig, um geeignete medizinisch-medikamentöse wie therapeutische Maßnahmen möglichst rasch einzuleiten. Denn die Behandlung von Depressionen ist in der Regel erfolgversprechender als es bisher für Demenz möglich ist. Die speziell für alte Menschen entwickelte Geriatrische Depressions-Skala (GDS) kann hier eine Orientierung geben und bei möglichen Anzeichen eine weitergehende Diagnostik und Therapie vorbereiten.

Darüber hinaus eignet sie sich auch für Verlaufskontrollen. Gerade der Umzug in eine Pflegeeinrichtung kann für viele alte Menschen einen schwerwiegenden Einschnitt im Leben darstellen. Um zu erkennen, ob diese Lebensphase gelingt, bietet der Test hinsichtlich Befundlage und der Auswertung getroffener, pflegerischer Kommunikationsstrategien eine gute Entwicklungskontrolle, zum Beispiel im Rahmen von Fallbesprechungen.

Die Interpretation des Testergebnisses ist relativ einfach. Bei einer Punktwertzahl von mehr als sechs Punkten ist das Vorliegen einer Depression sehr wahrscheinlich und eine weitere Diagnostik geboten. Bei weniger als 6 Punkten ist eine Depression zwar nicht ganz ausgeschlossen, aber eher unwahrscheinlich und im Zweifel ist der Test zu einem späteren Zeitpunkt zu wiederholen.

Bei dem einfachen Test handelt es sich um 15 einfache Fragen zum Erleben des Patienten innerhalb der letzten Woche. Allerdings sollte der Test dem Mini-Mental-Test (MMST) folgen, da bei starken kognitiven Einschränkungen der GDS nur bedingt verwertbar ist.

Hier die Testfragen, die entweder mit ja oder mit nein zu beantworten sind:

  1. Sind Sie grundsätzlich mit Ihrem Leben zufrieden?
  2. Haben Sie viele Ihrer Aktivitäten und Interessen aufgegeben?
  3. Haben Sie das Gefühl, Ihr Leben sei ausgefüllt?
  4. Ist Ihnen oft langweilig?
  5. Sind Sie die meiste Zeit guter Laune?
  6. Haben Sie  Angst, dass Ihnen etwas Schlimmes zustoßen wird?
  7. Fühlen Sie sich die meiste Zeit glücklich?
  8. Fühlen Sie sich oft hilflos?
  9. Bleiben Sie lieber zu Hause, anstatt auszugehen und Neues zu unternehmen?
  10. Glauben Sie, mehr Probleme mit dem Gedächtnis zu haben als die meisten anderen?
  11. Finden Sie, es sei schön, jetzt zu leben?
  12. Kommen Sie sich in Ihrem jetzigen Zustand ziemlich wertlos vor?
  13. Fühlen Sie sich voller Energie?
  14. Finden Sie, dass Ihre Situation hoffnungslos ist?
  15. Glauben Sie, dass es den meisten Leuten besser geht als Ihnen?

Für die Fragen 1, 5, 7, 11 13 gibt es für die Antwort "nein", für die übrigen Fragen für die Antwort "ja" jeweils einen Punkt.

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Michael Thomsen