Pflege

Pflegevisite als Fortbildungsangebot verstehen

Die Pflegevisite hat sich als Evaluationsinstrument in der Pflege bewährt und wird von Prüfinstanzen empfohlen. Sie dient der systematischen Überprüfung der Pflegequalität. Dabei geht es nicht allein um Defizite, sondern auch darum, gelungene Pflegehandlungen bewusst zu machen. Für die Mitarbeiter ist die Pflegevisite eine hervorragende Gelegenheit zur hausinternen Fortbildung und Beratung.

Ziele der Pflegevisite

Die Pflegevisite ist eine kritische Beobachtung der Pflegesituation vor Ort und bewirkt den gemeinsamen Austausch aller Beteiligten über den individuellen Pflegeprozess. Sie ist ein Instrument, um vorhandene Defizite in der Pflege aufzudecken und Lösungen für Verbesserungen zu finden, aber auch besonders gelungene Pflegeinterventionen und Methoden hervorzuheben.

Weitere Ziele:

  • Erkennen von Dokumentationsdefiziten
  • Kontinuierliche Verbesserung des Pflegeprozesses
  • Unterstützung der Mitarbeiter bei der Gestaltung des Pflegeprozesses
  • Überprüfung der Vollständigkeit notwendiger Pflegeutensilien und Hilfsmittel
  • Zufriedene Bewohner und Angehörige

Eckpunkte der Visite

Die Pflegevisite wird in regelmäßigen Abständen durch die Pflegedienstleitung durchgeführt. Die Pflegedienstleitung kann diese Aufgabe delegieren und geeignete Mitarbeiter damit beauftragen. Der genaue Termin der Pflegevisite wird in der Regel spätestens einen Tag vorher angekündigt. Ein Visitenschwerpunkt kann vorher festgelegt werden.

Anlassbezogene Pflegevisiten (Beschwerden, Hinweise auf Pflegefehler, etc.) können unangekündigt durchgeführt werden. Es besteht ferner die Möglichkeit, dass Pflege-Mitarbeiter um die Durchführung einer Pflegevisite bitten. An der Pflegevisite nehmen, neben der Pflegedienstleitung, die zuständige Pflegefachkraft und in den meisten Fällen und unter dessen Einwilligung der Bewohner teil.

Im Ausnahmefall kann der Kreis der Teilnehmer erweitert werden (z.B. Betreuer). Die Dauer der Pflegevisite sollte mit Vor- und Nachbereitung insgesamt anderthalb Stunden nicht überschreiten. Hinsichtlich der Frequenz kann empfohlen werden, dass mindestens vierzehntägig eine Visite stattfindet.

Schwerpunkte und Inhalte

Es sollen Bewohner-Situationen überprüft werden, die sich eher kritisch darstellen, z.B. Stufe II und III oder Bewohner mit besonderem Bedarf an Grund- und Behandlungspflege und sozialer Betreuung. Manchmal kann auch eine Fallbesprechung der Anlass sein. Die Erfassung der Bewohnersituation erfolgt durch die teilnehmende Beobachtung während der turnusgemäßen Pflegetätigkeit.

Einrichtungen, die das Dementia-Care-Mapping praktizieren, können dies mit der Pflegevisite kombinieren. Die Pflegevisite wird an Hand einer Checkliste durchgeführt. Im Rahmen der Vorbereitung sollte die Dokumentation gesichtet werden.

Auswertung der Visite

Im Anschluss an die Pflegevisite findet ein kurzes Auswertungs- und Beratungsgespräch statt. Das Gespräch sollte weniger die Defizite beschreiben, sondern vielmehr besonders die gelungenen Kontaktmomente und positiven Aspekte betonen.

Es hat vor allem den Charakter eines Beratungsgesprächs, in dem der Pflege-Mitarbeiter selbst nach Lösungen für defizitäre Ergebnisse oder Probleme fahndet oder Verbesserungsvorschläge für Formulierungen innerhalb der Dokumentation erhält. Nach dem Auswertungsgespräch sollte gegebenenfalls ein Überprüfungstermin festgelegt werden, wenn es Beanstandungen gab.

Pflegevisite als Fortbildungsangebot

Insgesamt gesehen sollte die Pflegevisite den Charakter einer internen Fortbildungsveranstaltung bekommen. Das pädagogische und kommunikative Geschick in einer, den Mitarbeiter wertschätzenden, Art und Weise kann hier motivierend wirken und die Bereitschaft zur Zusammenarbeit und der Annahme von Hilfe erhöhen, denn Fehler kommen vor und werden meist nicht absichtlich produziert.

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Michael Thomsen