Pflege

Nachlassendes Durstgefühl im Alter – Wissenswertes und Tipps

Das nachlassende Durstgefühl im Alter hat oft negative Auswirkung auf die Gesundheit der Senioren. Wissenswertes zu den Gründen dieses Phänomens und ein paar einfache Empfehlungen!

Nachlassendes Durstgefühl
Das nachlassende Durstgefühl ist häufig mit zunehmendem Alter assoziiert. Bei alten Menschen genügen der Durst und das Trinkverhalten nicht mehr den Anforderungen. Durst tritt normalerweise auf, wenn der Körper mehr als 0,5% seines Gewichtes (ca. 350 ml) an Wasser verliert, dieser Mechanismus scheint aber mit fortschreitendem Alter weniger verlässlich zu funktionieren.

Das Phänomen des altersphysiologischen Durstdefizits – Hypodipsie – gehört zu den größten pflegerischen Herausforderungen. Immer wieder beobachten Pflegende, dass ältere Menschen trotz offenkundigen Flüssigkeitsmangels kaum oder gar nicht über Durst klagen. Beachtenswert ist in diesem Zusammenhang, dass das Leitsymptom eines möglichen Wassermangels nicht der Durst, sondern die Inappetenz und Verweigerung der Nahrungsaufnahme ist.

Leider wird der Flüssigkeitsmangel erst spät erkannt. Trockene Haut und Schleimhäute sind besonders im Alter unzuverlässige Indikatoren. Oft hilft nur die genaue Protokollierung der Trinkmenge. Aber auch die Beobachtung des Urins und ein fehlender Speichelsee unter der Zunge sind da etwas verlässlichere Anzeichen.

Durstversuche:
Verschiedene Untersuchungen des Trinkverhaltens kommen immer wieder zu ähnlichen Ergebnissen. So zeigten die Befunde nach einer Durstphase von 24 Stunden bei alten und jungen Männern, dass die jungen Männer ein deutliches Durstgefühl artikulierten, während die alten nur ein geringes oder kaum ausgeprägtes Gefühl hatten. Nach der Aufforderung etwas zu trinken, betrug die durchschnittliche Menge bei den Jüngeren etwa 600 ml, wohingegen die Älteren schon bei einer Menge von durchschnittlich 250 ml meinten, sie wären gesättigt.

Hierfür gibt es mannigfaltige Vermutungen. Sicher kommen viele Dinge zusammen. Ein schlichtes "Vergessen" ebenso wie alternde afferente Nerven in Rachen und Mund und eine beeinträchtige Verarbeitung der gemeldeten Daten im Gehirn werden diskutiert.

Nachlassendes Durstgefühl: resorptive und präsorptive Durststillung
Endgültige Durststillung tritt ein, wenn die benötigte Wassermenge im Darmtrakt resorbiert wurde (resorptive Durststillung). Die Durststillung wird aber schon empfunden, lange bevor die benötigte Wassermenge resorbiert ist. Dies geschieht quasi antizipatorisch durch Sensoren im Zungen-Rachenraum in der Speiseröhre und über Volumen- und Osmorezeptoren im Magen.

Man spricht hier von der sogenannten präsorptiven Durststillung. Möglicherweise genügen besonders bei älteren Menschen schon geringste Mengen an Flüssigkeit, wie eben bei der Mundpflege, um das Trinkverlangen zu stillen und einen Menschen für eine Austrocknung anfällig zu machen.

Nach dem 60. Lebensjahr sinkt das Gesamtkörperwasser auf durchschnittlich 52% des Körpergewichts ab. Durch eine Adipositas kann der Körperwassergehalt noch weiter verschoben sein. Ein geringeres Gesamtkörperwasser von nur ca. 40% ist im Alter nicht selten, sodass eine Austrocknung mit nachhaltigen Folgen für die Gesundheit und die geistigen Fähigkeiten schneller und manchmal sehr plötzlich zu Tage treten kann.

Was tun bei nachlassendem Durstgefühl?

  • Führen Sie Trinkprotokolle!
  • Ermitteln Sie Trinkgewohnheiten und -vorlieben!
  • Nicht immer sind Kaltgetränke die bewährten Durstlöscher!
  • Beobachten Sie Farbe, Konsistenz und wenn möglich die Menge der Urinausscheidung!
  • Bieten Sie am Morgen noch vor der Mund- und Zahnpflege etwas zu trinken an!
  • Nutzen Sie die Spiegelneurone und stoßen Sie mit an!
  • Motivieren Sie noch vor dem Essen zum Trinken!
  • Bieten Sie zu jeder Mahlzeit zusätzlich ein Getränk an!
PS: Qualitätsmanagement ist uns wichtig!

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Michael Thomsen