Pflege

Maßnahmen gegen Inkontinenz: Kontinenzprofile in der Pflege erstellen

Die Kontinenzprofile des Expertenstandards entsprechen einer Entwicklungslogik der frühkindlichen Erziehung. Auch im Pflegeprozess lassen sie sich abbilden. Dabei müssen Pflegende neben fachlichem Wissen immer auch absprechen, wie sie die Pflegebeziehung gestalten wollen. Alles Wichtige dazu erfahren Sie im folgenden Beitrag.

Neben der Pflegediagnose und der entsprechenden Zuordnung der Inkontinenzform ist die Beschreibung bzw. Zuordnung des Kontinenzprofils im Rahmen des pflegerischen Assessments maßgeblich für den weiteren Verlauf des Pflegeprozesses. Hinter den einzelnen Profilen versteckt sich gemeinhin auch eine gewisse Entwicklungslogik und damit verbunden eine Hierarchie des Erreichungsgrades von Pflege- oder Erziehungszielen.

Entwicklungslogik – das Erlernen der Kontinenz
Der Expertenstandard beschreibt sechs Kontinenzprofile. So bedarf der Säugling beginnend mit der reinen Inkontinenz der personellen Hilfe. Dabei verwendet die Mutter in der Anfangsphase ausschließlich Windeln und säubert und pflegt den Genitalbereich des kleinen Kindes (abhängig kompensierte Inkontinenz). Wenn das Kind größer wird, kann es vielleicht schon mitteilen, dass seine Windel nass ist oder es entfernt gar die Windel selbst und legt sich eine neue an (unabhängig kompensierte Inkontinenz).

Zwischen dem zweiten und vierten Lebensjahr kann das Kind zwar den Urin noch nicht immer halten, aber die Mutter trainiert mit ihm den regelmäßigen Toilettengang. Sie weiß ungefähr, wann es wieder Zeit ist und schickt das Kind vor Einsetzen des Harndrangs zur Toilette, wo es dann zunehmend lernt, Wasser zu lassen (abhängig erreichte Kontinenz).

Nach und nach kann das Kind dem Harndrang länger Stand halten und greift gegebenenfalls auf Hilfsmittel wie Vorlagen oder Nachttopf zurück (unabhängig erreichte Kontinenz). Es lernt schließlich zu passenden Zeiten an passenden Orten Wasser zu lassen (Kontinenz).

Auch im Pflegeprozess zeigen sich idealiter diese Schritte. Eine entsprechende Planung rekurriert hierbei nicht allein auf die technische Problemlösung, sondern es wird deutlich wie sehr Pflege immer auch eine Frage der Beziehungsgestaltung ist. Es wird also nicht nur kompensiert, was der Hilfebedürftige selbst nicht kann, sondern auch angeleitet und beraten oder motiviert. Stellvertretend erzähle ich hier die "Geschichte von Fritz".

Die Geschichte von Fritz

  1. Der obdachlose Fritz wurde bewusstlos aufgefunden, gänzlich eingenässt.
    Auf der Intensivstation stellte man eine vollkommene Dranginkontinenz in Folge seines Korsakow-Syndroms fest.
  2. Die Pflegerinnen legten ihm Vorlagen in die Hosen, die mehrmals am Tage und in der Nacht gewechselt wurden.
  3. Fritz erholte sich gut und war nach ein paar Wochen in der Lage, selbstständig die Toilette aufzusuchen, konnte aber bei einsetzendem Harndrang nicht immer rechtzeitig zur Toilette. Allerdings war er aber nach ein wenig Anleitung in der Lage, die Vorlagen selbst zu wechseln.
  4. Die Schwestern im Pflegeheim führten zwei Tage lang ein Miktionsprotokoll. Sie fanden heraus, dass Fritz vor allem tagsüber etwa nach drei Stunden Harndrang verspürte, den er nicht unterdrücken konnte. Der Vorlagengewichtstest ergab, dass er immer etwa 300 ml Urin ließ. Nach einiger Übung und Beobachtung gelang es, Fritz etwa alle drei Stunden zur Toilette zu begleiten, wo er dann Wasser ließ. Nachts wurde ihm zwei Mal die Urinflasche angelegt. Am Ende brauchte er tagsüber nur noch kleine Vorlagen zur Sicherheit, die oft den ganzen Tag trocken blieben.
  5. Nach einem Jahr Alkoholabstinenz und regelmäßigem Toilettentraining verbesserte sich auch das kognitive Leistungsvermögen soweit, dass er in der Lage war, mit Hilfe einer Erinnerungsuhr ohne Aufforderung selbstständig zur Toilette zu gehen. Auch gelang es ihm wieder öfter, dem Harndrang Stand zu halten und schaffte es fast immer zur Toilette.
  6. Nach drei Jahren in einer Wohngemeinschaft hatte Fritz einen Lebensrhythmus gefunden, bei dem ihm regelmäßige Toilettengänge in Fleisch und Blut übergegangen waren.

Sie sehen an dieser Geschichte, dass pflegerisches Arbeiten und Planen nicht allein eine Frage der richtigen Anwendungstechnik ist, sondern darüber hinaus pflegefachliches Wissen abverlangt. So muss die Pflegekraft wissen, welche Form der Inkontinenz (hier Dranginkontinenz) vorherrscht, um daraus die für die Erreichung des nächstliegenden Kontinenzprofils erforderlichen Maßnahmen abzuleiten.

Um aber letztendlich erfolgreich sein zu können, müssen Pflegekräfte in einem Team – ähnlich wie Mütter – über das reine Wissen hinaus gut abgestimmt und nachhaltig eine vertrauensvolle Beziehung (Kongruenz) zum Patienten aufbauen, damit sie ihre Ziele erreichen können. Also fragen Sie sich bei ihren Pflegezielen grundsätzlich und nach Möglichkeit im Team abgesprochen immer, wie und wodurch Sie den Patienten oder Bewohner erreichen.

PS: Qualitätsmanagement ist uns wichtig!

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Michael Thomsen