Pflege

Die Zusammenarbeit mit Angehörigen im Heim – die häufigsten Vorurteile

Die Zusammenarbeit mit Angehörigen im Heim wird immer wichtiger. Die Integration familiärer Hilfe und freiwilligen Engagements bietet ungeahnte Chancen und Möglichkeiten für das gesamte System der Altenhilfe. Leider bestehen aber auf Seiten von Angehörigen als auch auf der Seite professionell Pflegender noch viele Missverständnisse und Vorurteile. Die vier häufigsten Vorurteile im Überblick.

Zusammenarbeit mit Angehörigen im Heim ist nicht immer richtig
Angehörige wissen am besten, was für den Bewohner gut ist.

Ja, wenn es um reine Datenerhebung geht. Tatsächlich ist in der Kommunikation mit den Angehörigen ein reicher Schatz an hilfreichen Informationen über den Bewohner im Sinne einer effektiven, pflegerischen Beziehungsgestaltung zu bergen.

Vorsicht geboten ist aber, wenn es um die wirklichen, persönlichen Interessen und Wünsche geht. Hier sind die Sichtweisen nicht immer deckungsgleich und es bedarf einer gehörigen Portion Selbstvertrauen, Kommunikationsfähigkeit und Einfühlungsvermögen von Seiten der Pflegenden, will man beiden Seiten gerecht werden.

Zusammenarbeit mit Angehörigen im Heim ist falsch
Angehörige haben ein Mitbestimmungs- und Entscheidungsrecht.

Auch wenn eine pflegebedürftige Person sich nicht mehr adäquat mitteilen kann, sind Angehörige nicht per se Vormund, wie sie es bei minderjährigen Kindern sind. Leider gehen viele Pflegekräfte quasi in vorauseilendem Gehorsam häufig unkritisch oder aus Angst vor Konflikten auf die Anweisungen von Angehörigen ein. Angehörige sind umgekehrt oft sehr erstaunt, wenn man sie darauf hinweist, dass eine Angehöriger (als Angehöriger) eigentlich gar nichts zu bestimmen hat.

Solange keine Betreuung oder rechtsgültige Vollmacht in Händen der Angehörigen liegt, befindet einzig und allein der Bewohner selbst oder ein juristisch Bevollmächtigter, ob er z. B.:

  • einer Befragung des MDK im Rahmen der Heimüberprüfung zustimmt
  • einen medizinischen Eingriff vornehmen lässt
  • einen Heimvertrag unterschreibt

Wenn der Bewohner dazu tatsächlich nicht in der Lage ist, sind nur solche Angehörigen entscheidungsbefugt, die solche Dinge im Vorfeld geregelt haben.

Zusammenarbeit mit Angehörigen im Heim ist Einstellungssache
Angehörige stören den Ablauf und sind lästig.

Die gelingende, bewusst gewollte und geplante Einbeziehung von Angehörigen kann als Entlastung und Bereicherung erfahren werden und nicht als Störfaktor oder gar Bedrohung. Dies impliziert ein Pflegeverständnis, das die Angehörigen in ihrer Bedeutung als eine die Gesundheit beeinflussende Größe ernst nimmt. Die Fortführung familiärer Sorge auch in einer stationären Einrichtung ist zudem für die gesamte Familiengesundheit förderlich.

Vor dem Hintergrund schwindender personeller und finanzieller Ressourcen erscheint es sinnvoll und zeitgemäß, das Leistungspotenzial der Angehörigen systematisch und konzeptionell in den Prozess der Versorgung zu integrieren. Man muss die Angehörigen gezielt abholen und ihnen sinnvolle und machbare Beteiligungsmöglichkeiten aufzeigen, damit alle einen Gewinn daraus ziehen können.

Zusammenarbeit mit Angehörigen im Heim – Neuartige Konzepte
Im Heim ist die Gefahr von sozialer Isolation geringer.

Auch im Heim kommt es je nach Einzelfall auch zu Isolation und sensorischer Deprivation. Das Verhindern sozialer Isolation ist pflegerische Herausforderung und Aufgabe und ist nicht allein mit Beziehungsgestaltung und Veranstaltungsangeboten zu verhindern, sondern muss Familie und Bezugspersonen stärker als bisher mit einbeziehen und aktiv nach Alternativen suchen, wenn die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zum Beispiel aufgrund von Bettlägerigkeit, Demenz oder Wahrnehmungseinschränkungen limitiert ist.

Hier kann in konkreten Einzelfällen die Anwendung neuartiger Pflege- und Betreuungskonzepte von der Basalen Stimulation und Snoezelen bis hin zur Pflegeoase ein Weg sein.

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Michael Thomsen