Pflege

Bewohnerbesprechung – systematisches Reindenken üben

Die strukturierte Bewohnerbesprechung dient nicht allein dem Ziel, Probleme zu identifizieren, um in einer gegenseitigen Beratung Lösungsvorschläge zu erarbeiten. Vielmehr geht es darum, unter Berücksichtigung der jeweiligen Entwicklungsphase dem Erleben des Bewohners durch systematisches Reindenken eine Sprache im Pflegeteam zu geben.

Phasen des Pflegeprozesses

Zur Durchführung einer Bewohnerbesprechung sollte der Moderator gut vorbereitet sein. Nicht allein die umfassende und hinsichtlich Biografie kenntnisreiche Vorstellung des Verhaltens und der Probleme des Bewohners sind eine wichtige Voraussetzung, sondern auch die  jeweilige Phase der Entwicklung im Erleben des Bewohners gilt es zu berücksichtigen. In der pflegerischen Begegnungsgestaltung wird danach unterschieden, ob der Bewohner sich in der Phase von:

  • Empfang und Einzug (Orientierung und Krankheitsbewältigung)
  • Eingewöhnung (Rollenklärung)
  • Aufenthalt (Integration) oder
  • Abrundung oder Abschied befindet.

Besonders in der Einzugsphase ist eine hohe Aufmerksamkeit und kommunikativer Austausch über das Wahrgenommene im Team erforderlich. Eine erste Bewohnerbesprechung sollte bereits im Laufe dieser Phase stattfinden. Dabei steht das Erleben des Bewohners im Mittelpunkt. Die dafür notwendige Empathie ist weniger das Ergebnis des "Mitfühlens" als vielmehr des systematischen, gemeinsamen "Reindenkens" in die neue Lebenssituation des Bewohners im Pflegeteam.

Reindenkungsprozess durch Fragen unterstützen

Beginnend mit der Beschreibung von Erscheinungsbild und Verhalten auf dem Wohnbereich werden im weiteren Gespräch aufschlussreiche Äußerungen und Wünsche des Bewohners dokumentiert. Der Moderator kann durch gezielte, vorbereitete Fragen den "Reindenkungsprozess" unterstützen. Solche Fragen können sein:

  • Welche positiven Eigenschaften des Bewohners fallen besonders auf?
  • Zeigt der Bewohner Initiative und worauf richtet sich diese?
  • Welche Sachen und Dinge haben eine Bedeutung für den Bewohner und wann?
  • Wie erlebt der Bewohner sich und seine Situation, welche Gefühle zeigt er? Wie äußert sich das in seinem Benehmen? Was sagt er dazu?
  • Wie erlebt der Bewohner seine Abhängigkeit bei der Pflege?
  • Hat der Bewohner negative Gefühle während des Waschens, zum Beispiel Scham, Angst, Ärger?
  • Was bedeutet das Essen für den Bewohner?
  • Was braucht der Bewohner, damit er sich sicher fühlt, wenn er im Bett liegt?
  • Schämt sich der Bewohner, wenn ihm beim Toilettengang geholfen wird? Wie äußert sich das? Findet der Bewohner es schlimm, dass er inkontinent ist?

Auf der Basis einer vorläufigen Charakteristik lassen sich schließlich gemeinsame Umgangsempfehlungen ableiten. Im weiteren Verlauf wird immer wieder darauf zu achten sein, in welcher Phase der pflegerischen Begegnungsgestaltung sich der Bewohner gerade befindet. Denn jede Phase erfordert andere Formen und Lösungen hinsichtlich einer möglichst kongruenten Beziehungsgestaltung.

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Michael Thomsen