Pflege

Belastungsinkontinenz: Beckenbodengymnastik allein genügt nicht!

Beckenbodengymnastik ist eine besonders wirksame Methode, um einer Belastungsinkontinenz vorzubeugen. Allerdings sind weitere Maßnahmen ebenso wichtig. Vor allem Gewichtsreduktion bei Übergewicht, gesunde Ernährung und die richtige, rückenschonende Bewegung sowie die richtige Atemtechnik helfen dabei, den Druck auf die Beckenbodenmuskulatur möglichst gering zu halten.

Die Belastungsinkontinenz (früher auch: Stressinkontinenz) ist die häufigste Form der Blasenschwäche bei Frauen. Circa 40% aller inkontinenten Frauen sind betroffen.

Zwei Muskelringe verschließen den Bereich zwischen Blase und Harnröhrenöffnung. Der innere Muskelring wird bei zu großem Harndrang geöffnet. Der äußere hingegen unterliegt der willentlichen Steuerung und öffnet sich  erst, wenn das Gehirn dazu den "Befehl" erteilt. Die Beckenbodenmuskulatur unterstützt den äußeren Schließmuskel in seiner Funktion beim Wasserlassen und der Urin kann austreten.

Was passiert bei einer Belastungsinkontinenz?
Die Betroffenen leiden an ungewolltem Harnverlust durch kurzzeitige Erhöhung des Drucks im Bauchraum im Zusammenhang mit körperlicher Anstrengung oder Belastung. Sie verlieren ohne Harndrang tropfen- oder spritzförmig Urin. Zwar sind meist eher ältere Frauen betroffen, aber auch bei jüngeren Menschen ist dieses Phänomen zu beobachten.

Die Symptome sind unterschiedlich stark ausgeprägt und werden in drei Stadien eingeteilt:

  • I. bei Husten, Niesen, Lachen
  • II. bei raschem Gehen und Treppensteigen, beim Heben
  • III. beim Aufstehen vom Stuhl oder schon beim Sitzen oder Liegen

Wie kommt es zu einer Belastungsinkontinenz?
Folgende Hauptgründe lassen sich zusammenfassen:

  1. Schwäche des Verschlussmechanismus und des Bindegewebes, insbesondere der Beckenbodenmuskulatur aufgrund mangelnden Beckenbodentrainings oder aufgrund von Östrogenmangel
  2. Verlagerung der Blase und Harnröhre (z. B. bei Männern nach Prostataoperation, bei Frauen bei Blasen- und Gebärmuttersenkung)
  3. Anhaltend oder stetig wiederkehrender hoher Druck auf den Beckenboden, der zu Verletzungen und Überdehnungen des Gewebes führt oder die Nerven schädigt, z. B. durch:
    • Übergewicht
    • chronischem Husten
    • Zustand nach mehreren Geburten
    • schwere, körperliche Belastungen
    • Obstipation (Verstopfung)

Wie kann man einer Belastungsinkontinenz entgegenwirken?
Bei einer Schwäche des Beckenbodengewebes kann insbesondere Frauen nach den Wechseljahren eine Östrogenbehandlung helfen. Regelmäßige Bewegung und gezieltes Training der Beckenbodenmuskulatur ist äußerst erfolgversprechend, muss aber im Prinzip lebenslang fortgeführt werden. Auch hinsichtlich der Auswahl der Gebärmethode und der Art der Geburtsvorbereitung kann möglichen Schäden vorgebeugt werden.

In schweren Fällen kann bei Verlagerungen von Blase, Harnröhre und Gebärmutter eine Operation erwogen werden. Es gibt mittlerweile sehr gute Hilfsmittel, wie Vorlagen und Vaginaltampons, die bei dieser Inkontinenzform ein normales soziales Leben ermöglichen.

Allerdings hilft auch das beste und regelmäßig durchgeführte Beckenbodentraining nichts, wenn gerade vom Betroffenen selbst durchführbare Maßnahmen unterbleiben. Hierzu die wichtigsten Tipps:

  • Achten Sie darauf, sich ausreichend und regelmäßig zu bewegen! Trinken Sie mehr als Sie Durst haben! Ernähren Sie sich ballaststoffreich und gesund, um Verstopfungen zu vermeiden!
  • Achten Sie auf Ihr Gewicht! Jedes Kilo zu viel belastet unnötigerweise den Beckenboden.
  • Achten Sie auf die richtige Atemtechnik bei Anstrengung und auf rückenschonendes Arbeiten!
PS: Qualitätsmanagement ist uns wichtig!

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Michael Thomsen