Personalentwicklung

Interkulturelle Kompetenz als Qualitätsstandard Sozialer Arbeit: Konfliktpotentiale

Interkulturelle Kompetenz als Qualitätsstandard Sozialer Arbeit: Konfliktpotentiale
geschrieben von Dr. Britta Kanacher

Interkulturelle Kompetenz ist als Qualitätsstandard für Soziale Arbeit zunehmend wichtig. Soziale Arbeit bewertet sich als Hilfe und Unterstützung für Menschen und ihre jeweilige Lebenswelt. Zur Lebenswelt von Migrantinnen und Migranten gehört ihr Migrationshintergrund, ihre je eigene Kultur, Religion und Lebensweise. Nur mit interkultureller Kompetenz kann auf die verschiedenen Personenkreise auftrags- und zielgruppenorientiert eingegangen werden, wenn Sie fehlt, entstehen Konfliktpotentiale.

Im Kontext Sozialer Arbeit gibt es Arbeitsbereiche, in welchen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fast ausschließlich mit Menschen mit Zuwanderungsgeschichte zu tun haben. So z. B. in einem Asylbewerberheim oder in einer Beratungsstelle für Flüchtlinge und Migranten. Gerade in solchen Arbeitsfeldern ist interkulturelle Kompetenz unerlässlich.

Interkulturelle Kompetenz in der allgemeinen sozialen Arbeit
Doch neben diesen gezielt an Migrantinnen und Migranten gerichteten sozialen Arbeitsbereichen begegnen Mitarbeiter Sozialer Arbeit fast in allen ihren Arbeitsbereichen heute Menschen mit Migrationshintergrund.

In den Dienstleistungssektoren, in Kranken- und Pflegediensten, im Altenpflegebereich, in der Jugendarbeit, aber auch in Kindergärten und Schulen – überall begegnen Mitarbeitern der Sozialen Arbeit Migrantinnen und Migranten und sehen sich dabei häufig mit kommunikativen oder auch konfliktbehafteten Problemen konfrontiert, deren interkulturelle Kontexte ihnen fremd sind.

Beispiele interkulturellen Konfliktpotentials
Klinikpersonal ist z. B. über das Besucherverhalten der Angehörigen verwundert bzw. verärgert. Für Angehörige, Nachbarn und Freunde eines muslimischen Patienten ist es jedoch eine besondere Ehre und Verpflichtung, den Kranken zu besuchen und ihm gute, nahrhafte Lebensmittel mitzubringen.

Dieser "Familien- und Freundschaftstherapie" sollte, bei allen notwendigen Einschränkungen, genügend Raum gewährt werden – Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit interkultureller Kompetenz werden hiermit besser umgehen können!

Fehlende interkulturelle Kompetenz kann konfliktfördernd sein
Beispiele wie dieses lassen sich vielfach aufzählen. Das Bedürfnis mancher Frau mit Migrationshintergrund, von einer Ärztin oder zumindest in Anwesenheit einer "Zeugin" untersucht zu werden, ist hier ebenso zu nennen, wie das Bedürfnis eines muslimischen Gläubigen zur fünfmaligen Verrichtung seiner Gebete. Hier kann interkulturelle Kompetenz zur Vermeidung von Konflikten beitragen. Fehlende interkulturelle Kompetenz kann hier die Ergebnisqualität Sozialer Arbeit gefährden!

Soziale Arbeit bewertet sich als Hilfe und Unterstützung für Menschen in ihrer jeweilige Lebenswelt. Zur Lebenswelt von Migranten gehört ihr Migrationshintergrund, ihre je eigene Kultur, Religion und Lebensweise. Diese kann und darf im Kontext Sozialer Arbeit, die auftrags- und zielgruppenorientiert stattfinden soll, nicht unberücksichtigt bleiben.

Eine qualifizierte und praxisgerechte Ausbildung zur/m Mitarbeiterin oder Mitarbeiter innerhalb Sozialer Arbeit muss auch dem Anteil innerhalb der bundesdeutschen Bevölkerung gerecht werden, der Zuwanderungsgeschichte aufweist – die Vermittlung interkultureller Kompetenz ist hierfür zwingend erforderlich.

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Dr. Britta Kanacher

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