Büroorganisation

Schon wieder eine Besprechung ohne echte Entscheidung?

Schon wieder eine Besprechung ohne echte Entscheidung?
geschrieben von Wera Nägler

„Ich war von Anfang an dagegen, aber auf mich hört ja niemand“ wird oft gesagt, wenn getroffene Entscheidungen einer Gruppe ins Stocken kommen. Zwar gibt es meist eine „demokratische Mehrheit“, doch die trägt nicht immer. Ich stelle Ihnen ein Verfahren vor, mit dem Gruppen anders als bisher zu tragfähigen Entscheidungen kommen können – das SK. Es setzt auf die Lösung mit der geringsten Ablehnung.

Kennen Sie das? Alle stöhnen, dass die vielen und langen Besprechungen so viel Arbeitszeit kosten. Wenn dann wenigstens das Ergebnis stimmen würde. Doch viel zu oft werden Besprechungen ergebnislos vertagt, weil ein Team oder eine Gruppe sich nicht einigen konnte.

Das wird von den meisten Beteiligten als extrem frustrierend erlebt. Deshalb stelle ich Ihnen im Folgenden eine Methode vor, die es Gruppen ermöglicht, strukturiert und in relativ kurzer Zeit tatsächlich zur Entscheidung zu kommen. Es ist das Systemische Konsensieren, kurz SK, genannt.

Geringste Ablehnung statt größte Zustimmung

Was so kompliziert klingt, ist vom Grundgedanken her so einfach wie genial. Bei herkömmlichen Entscheidungsfindungen wird versucht, von den Beteiligten eine möglichst hohe Zustimmung zu einem Vorschlag zu erreichen. Anders das SK. Hier geht es darum, den Vorschlag herauszuarbeiten, der in der Gruppe die geringste Ablehnung erfährt. Denn erfahrungsgemäß ist das der Punkt, der einem Konsens am nächsten kommt.

Die Vorteile liegen auf der Hand. Man trifft die Entscheidung, für die die größte Übereinstimmung herrscht. Dabei ist der Blick auf das Machbare und die Lösung gerichtet. Auch eher schweigsame, zurückhaltende Personen sind im Entscheidungsprozess involviert.

So ist der Ablauf des SK

Das Verfahren gliedert sich in vier Phasen. Ausgangssituation ist eine Gruppe, die eine Entscheidung zu treffen hat, die von allen Beteiligten getragen wird.

  1. Fragestellung entwickeln
    Die Gruppe entwickelt eine übergeordnete Fragestellung, die nicht mit Ja oder Nein zu beantworten ist.
  2. Die Lösungsvorschläge sammeln
    Jetzt werden Lösungsvorschläge gesammelt. Dabei gelten einige Regeln: Einfälle und Wünsche stehen gleichberechtigt nebeneinander. Die Vorschläge werden in dieser Phase weder kommentiert noch diskutiert.
  3. Bewertungsphase
    Jetzt wird jeder Lösungsvorschlag von jedem Gruppenmitglied gewertet. Und jetzt kommt das nach meiner Ansicht Geniale von SK zum Tragen: jede Person erhält Widerstandspunkten (W-Punkte). Null Punkte bedeutet „kein Widerstand/diese Lösung kann ich mittragen“. Die höchste Punktzahl ist die Zehn mit der Bedeutung „starker Widerstand/ich lehne diesen Vorschlag entschieden ab“. Alle anderen Bewertungen sind „nach Gefühl“ dazwischen anzugeben. Die Bewertung der Gruppe wird auf einer Matrix notiert. Einen Online-Rechner, der die W-Stimmen auswertet, finden Sie auf dieser Seite.
  4. Auswertungsphase
    Für jeden Lösungsvorschlag sind jetzt alle vergebenen Punkte zusammengerechnet. Und jetzt gilt „tief gewinnt“. Denn der Lösungsvorschlag mit der geringsten Punktzahl hat in der Gruppe den geringsten Widerstand. Er ist einem Konsens daher am nächsten.

Jetzt sind Sie dran – Konsens in Besprechungen

Viele haben die Erfahrung gemacht, „wer am lautesten schreit“ oder „wer am besten argumentieren kann“ setzt sich durch. Und zwar unabhängig davon, was die Gruppe will. Wenden Sie doch einfach bei der nächsten Gruppenentscheidung das SK-Verfahren an. Denn dabei geht es nicht um das Durchsetzen, sondern um die Lösung, die in einer Gruppe die größte Übereinstimmung erreicht. Denn dies wird erfahrungsgemäß dazu führen, dass diese Lösung von allen getragen wird. Und das sind in der Regel erfolgreiche Lösungen.

Gutes Gelingen!
Ich bin Wera Nägler, Ihre Expertin für Büroorganisation

Bildnachweis: Jacob Lund / stock.adobe.com

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