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3 Tricks mit denen Banken den Effektivzins für Kredite schönrechnen

3 Tricks mit denen Banken den Effektivzins für Kredite schönrechnen
geschrieben von Prof. Heinrich Bockholt

Bevor Sie einen Kredit aufnehmen, wollen Sie wissen, wie hoch die Zinsbelastung für Sie sein wird. Kreditinstitute müssen den effektiven Jahreszins nennen. Darin sollen alle Kosten wie Bearbeitungsgebühren, Disagio, Kontoführungsgebühren enthalten sein. Allerdings zeigen sich einige Institute bei der Ausgestaltung kreativ. Lesen Sie, wie Sie 3 typische Tricks schnell aufdecken.

Viele Angebote zu Konsumentenratenkrediten scheinen – glaubt man der Werbung – sehr günstig zu sein. Billigzinsen für jedermann könnte man meinen. Doch ein Blick ins Kleingedruckte offenbart, dass nur diejenigen von den Spitzenkonditionen profitieren, die eigentlich gar keinen Kredit bräuchten. Oft bekommen potenzielle Kreditnehmer auf Nachfrage dagegen einen Kredit mit deutlich höherem effektivem Jahreszins angeboten als in der Werbung versprochen wurde.

Trick 1: Den günstigsten Effektivzins gibt es nur bei Top-Bonität

Der Grund: Wegen angeblich schlechter Bonität verlangt die
Bank einen Zinszuschlag. Fragen Sie in so einem Fall die Bank, warum bei Ihnen
gegenüber dem Angebot aus der Werbung ein Zinsaufschlag genommen wird. Lassen
Sie sich nicht mit der Erklärung abspeisen, Ihre Bonität (=
Kreditausfallrisiko) sei schlechter. Haken Sie nach, warum das so ist.
Bisweilen sind die Gründe nur vorgeschoben. Sie können sie dann
unmittelbar entkräften und eine Nachbesserung beim Effektivzins verlangen.

Trick 2: Versteckte Kosten erhöhen den tatsächlichen Effektivzins

Aber selbst wenn Sie zu den Glücklichen zählen, die in die beste Bonitätsstufe eingruppiert werden, können Sie nicht sicher sein, den günstigen Zins zu bekommen. Ein Beispiel der Targobank zeigt, welche Kostenfallen sich in der Werbung verstecken können:

Die Targobank warb in einer Zeitung mit einem effektiven Jahreszins von 6,99% für einen 5.000-€-Kredit mit einer Laufzeit von 60 Monaten.

Ausschnitt aus der Anzeige der Targobank:

3 Tricks mit denen Banken den Effektivzins für Kredite schönrechnen

Tipp: Rechnen Sie solche Angebote immer selbst nach. Denn häufig genug sind sie schöngerechnet. Sie können für die Kontrolle z. B. den kostenlosen Effektivzins-Rechner der FMH-Finanzberatung nutzen.

Auch das Angebot der Targobank weist den Effektivzins günstiger aus als er für den Kreditnehmer – selbst bei bester Bonität – am Ende ausfällt. Die Kontrollrechnung beim Targobank-Angebot ergibt, dass der effektive Jahreszins tatsächlich 7,23% beträgt. Und nicht 6.99%, wie in der Anzeige geworben wurde.

Die Targobank erklärte die Abweichung so: Die erste von 60 Kreditraten in Höhe von 99,- Euro ist erst nach 60 Tagen fällig. Der erste Monat ist also tilgungsfrei. 

Die Targobank erklärte die Abweichung so: Die erste von 60
Kreditraten in Höhe von 99,- Euro ist erst nach 60 Tagen fällig. Ein Monat ist also tilungsfrei. Das wurde im
Angebot nicht genannt. Nur ein Kunde, der tatsächlich erst nach zwei Monaten
die erste Rate zahlt, kommt in den Genuss eines Effektivzinses von 6,99 %. Wer dagegen
– wie üblich – die erste Rate bereits nach einem Monat zahlt, wir mit einem
Zinssatz von 7,23 % belastet.

Im Angebot ebenfalls unerwähnt – aber mit Auswirkungen auf die Kreditkosten: Die in den Effektivzins eingerechneten Bearbeitungsgebühren betragen 3%.

Trick 3: Sollzins ohne Bindung – Erhöhung während der Laufzeit ist möglich

In der Anzeige der Targobank wird neben dem Effektivzins ein "Sollzins" von 5,60% angegeben. Beim Sollzins sind die Nebenkosten (die beim Effektivzins einbezogen werden) ausgeklammert. Der Sollzins dient dazu, die monatliche Kreditrate zu berechnen. Im Beispiel der Targobank beträgt die Monatsrate 99 Euro.

Achtung: So wie der Sollzins angegeben ist, kann die Rate während der Kreditlaufzeit steigen. Denn wenn der "Sollzins" ohne den Zusatz "gebunden" angegeben wird, kann das Kreditinstitut ihn jederzeit ändern! Dazu werden in der Regel nur im Kleingedruckten Hinweise gemacht.

Tipp: Wollen Sie sicher sein, dass der Zinssatz über die Laufzeit Ihres Kredits gleich bleibt, sollte der "gebundene Sollzins" (früher: Nominalzins) angegeben sein. Das sagt aus, dass der Sollzins für die vereinbarte Laufzeit von z. B. 5 oder 10 Jahren unverändert bleibt.

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Prof. Heinrich Bockholt

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