Kommunikation

Wie Sie Augenbewegungen richtig deuten

Wie Sie Augenbewegungen richtig deuten
geschrieben von Dr. Christoph Engels

Jeder Kriminalkommissar nutzt es, auch mancher guter Verkäufer: die unbewusste Augenbewegung des Menschen. Denn an dieser lässt sich ablesen, was jemandem gerade durch den Kopf geht. Die Bewegungen unserer Augen beim Denken sind nicht zufällig, sondern folgen gewissen Regeln. Erfahren Sie, was Psychologen herausgefunden haben und nutzen Sie diese Erkenntnisse.

Auge-Gehirn-Verbindung

Unser Gehirn verknüpft jeden Denkinhalt mit Gefühlen und auch Sinnesinhalten. Je nachdem welche Sinne bei unseren Gedanken mit involviert sind, übernimmt das Gehirn die Steuerung unserer Augen. In manchen Fällen geschieht dies sehr deutlich, in anderen nur minimal. Besonders wenn wir uns an etwas erinnern oder uns etwas vorstellen, blicken unsere Augen in ganz bestimmte Richtungen. Folgendes lässt sich empirisch nachweisen.

Blick nach oben, geradeaus oder nach unten

Blicken wir mit unseren Augen auf, stellen wir uns gerade etwas Visuelles vor: Bilder, Szenen oder Farben.

Verläuft unsere Blickrichtung hingegen geradeaus – bleiben unsere Augen gewissermaßen auf Höhe unserer Ohren -, horchen wir in uns hinein und machen uns Auditives bewusst: Stimmen, Töne, Melodien oder Geräusche.

Richten wir unsere Augen dagegen nach unten, deutet dies auf kinästethische Denkinhalte hin. Diese verknüpft unser Gehirn mit unserem Tastsinn. Wir spüren Gefühlen oder Empfindungen nach und vergegenwärtigen uns Inneres.

Blick nach links oder nach rechts

Zweitens hat man durch Tests herausgefunden, welche Rolle die seitliche Ausrichtung unseres Blickes spielt. Eine Augenbewegung (aus Sicht des Beobachteten) nach links deutet darauf hin, dass der Beobachtete sich gerade an etwas erinnert. Blickt er oder sie nach rechts, deutet dies auf eine gedankliche Konstruktion hin.

  • 1. Visuelle Erinnerung: Gegenüber blickt (aus seiner Sicht) nach links oben
    Unser Gegenüber erinnert sich an etwas visuell oder sieht ein erinnertes Bild.
  • 2. Visuelle Konstruktion: Gegenüber blickt (aus seiner Sicht) nach rechts oben
    Unser Gegenüber konstruiert etwas visuell.
  • 3. Auditive Erinnerung: Gegenüber blickt (aus seiner Sicht) geradeaus nach links
    Unser Gegenüber erinnert sich an bestimmte Töne, Geräusche oder Stimmen.
  • 4. Auditive Konstruktion: Gegenüber blickt (aus seiner Sicht) geradeaus nach rechts
    Unser Gegenüber konstruiert bestimmte Töne, Geräusche oder Stimmen.
  • 5. Innerer Dialog: Gegenüber blickt (aus seiner Sicht) nach links unten
    Unser Gegenüber führt ein Selbstgespräch.
  • 6. Kinästhetische Inhalte: Gegenüber blickt (aus seiner Sicht) nach rechts unten
    Unser Gegenüber spürt einem Körper- oder Tastgefühl nach. Schließlich gibt es noch den Fall, dass jemand geradeaus blickt, ohne etwas zu fokussieren. Er oder sie starrt ins Leere:
  • 7. Tagträumen oder Nachdenken: Gegenüber blickt defokussiert geradeaus
    Unser Gegenüber träumt oder denkt über etwas tief nach.

Visueller, auditiver oder kinästhetischer Typ

Die Coaching-Methode NLP (Neuro-Linguistisches Programmieren) unterscheidet drei Wahrnehmungstypen: den visuellen, auditiven und kinästhetischen Menschen. Diese verwenden unterschiedliche, sogenannte Repräsentationssysteme. Anders ausgedrückt: Sie betrachten die Welt mit unterschiedlichen Brillen:

  • So sagt beispielsweise der visuelle Typ: Das sieht gut aus (und schaut tendenziell nach oben),
  • während der auditive meint: Das hört sich gut an (und blickt nach vorne).
  • Der kinästhetische Typ dagegen wird eher sagen: Das fühlt sich gut an (und richtet seine Augen nach unten).

Nutzen

1. Wenn Sie jemanden genau beobachten, können Sie an seinem Blick und an seinen Worten erkennen, zu welchem Typ oder Mischtyp dieser gehört. NLP rät dazu, im sogenannten Repräsentationssystem zu bleiben. Den kinästhetischen Typ fragen Sie also nicht: Wie sieht das für Sie aus? Sondern: Wie fühlt sich das für Sie an?

2. Wie beschrieben, verrät die Blickrichtung Ihres Gegenübers zur linken oder zur rechten Seite, ob dieser etwas erinnert oder konstruiert. Dies können Sie beispielsweise nutzen, um etwas zu überprüfen.

Fragen Sie zum Beispiel Ihr Kind: „Erinnerst du dich, was ich dir gestern dazu gesagt habe?“ Gehen die Augen Ihres Kindes nach links, erinnert es sich. Gehen Sie nach rechts, konstruiert es aller Wahrscheinlichkeit gerade etwas. Womit wir zum Schluss wieder beim Kommissar wären: Wandert der Blick eines rechtshändigen Verdächtigen bei seiner Aussage ständig nach rechts, deutet dies stark darauf hin, dass er sich nicht an etwas erinnert, sondern etwas konstruiert. Und genau das macht ihn noch verdächtiger.

Bildnachweis: vicu9 / stock.adobe.com

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